Die Hälfte der 100.000 von Hertz' bestellten Teslas wird an Uber vermietet – Wann steigt das Unternehmen auch in Europa auf E-Autos um?

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Hertz ist die größte Autovermietung der Welt und hat 100.000 Teslas bestellt.
Hertz ist die größte Autovermietung der Welt und hat 100.000 Teslas bestellt.

Anfang der Woche sorgte eine Meldung dafür, dass Teslas Börsenwert innerhalb kürzester Zeit in bisher ungeahnte Höhen katapultiert wurde und erstmals die Marke von einer Billion Dollar durchbrach. Grund dafür war, dass die weltweit größte Autovermietung Hertz den Kauf von insgesamt 100.000 E-Autos des Herstellers bekannt gab.

Bei ihnen handelt es sich überwiegend um die Mittelklasse-Limousine Model 3. Bisher setzten das US-Unternehmen und seine Konkurrenten vor allem auf Verbrenner und Hybrid-Modelle etablierter Hersteller, was oftmals auch mit einer geringen Nachfrage nach Elektroautos seitens der Kundschaft begründet wurde.

In ausgewählten US-Metropolen geht es los

Es war nicht nur die schiere Menge der georderten Autos, sondern vor allem die Symbolkraft des Deals. E-Autos, vor allem die der lange mit Qualitätsproblemen kämpfenden Marke Tesla, werden erstmals im großen Stil als Mietfahrzeuge angeschafft. Dies legt nahe, dass die Autovermietungen diese erstmals als ausreichend zuverlässig und langstreckentauglich ansehen. Angesichts des aktuellen E-Auto-Booms ist offensichtlich auch das Kundeninteresse deutlich gestiegen.

Jetzt hat Uber eine Kooperation mit Hertz verkündigt. In dessen Rahmen mietet das Ride Hailing-Unternehmen tausende Teslas, die den Fahrern ab November in den US-Metropolen Los Angeles, San Francisco, Washington D.C. und San Diego als Dienstfahrzeuge angeboten werden sollen. Bis 2023 sollen weitere amerikanische Städte dazukommen und insgesamt 50.000 Teslas die Passagiere nahezu lautlos von A nach B kutschieren. Damit vermietet Hertz die Hälfte seines Tesla-Kontingents an einen einzigen Kunden.

Die Mietkosten sind vergleichsweise hoch

In den USA müssen die Fahrer wöchentlich 334 Dollar, also umgerechnet rund 287 Euro für das Model 3 an Hertz entrichten. Später soll die Miete auf 299 Dollar, also 257 Euro sinken. Nicht alle können sich diese Ausgaben leisten, weshalb sie weiterhin lieber zu günstigeren Hybrid- oder Verbrenner-Modellen greifen dürften.

2019 wurden nur 0,15 Prozent der von Uber-Fahrern in den USA zurückgelegten Kilometer mit rein elektrischen Fahrzeugen abgespult. Uber muss in den nächsten Jahren an der preislichen Attraktivität der batteriebetriebenen Autos arbeiten, das Unternehmen hat sich in Sachen Elektrifizierung nämlich ein ziemlich ambitioniertes Ziel gesteckt: 2030 sollen nur noch rein elektrische Autos für Uber auf den Straßen amerikanischer und europäischer Großstädte eingesetzt werden. Dies wäre ein wichtiger Schritt, Uber-Fahrzeuge sind nämlich ein Drittel der Zeit leer unterwegs und würden so sinnlos CO2 ausstoßen.

Uber hat keinen Einfluss auf die Wahl der Automodelle

Auch hierzulande ist die Zahl vollelektrischer Uber-Fahrzeuge eher klein. In Berlin tragen beispielsweise vor allem Hybrid-Modelle von Toyota und Hyundai, sowie im gehobenen Segment Mercedes E-Klassen die Werbeaufschrift des Ride Hailing-Giganten. Wenn sie ausschließlich elektrisch angetrieben werden, handelt es sich bei ihnen oftmals um Kia E-Niros.

Uber verweist auf Anfrage von Business Insider darauf, dass die in Deutschland eingesetzten Autos kein Firmeneigentum sind und das Unternehmen deshalb keinen Einfluss auf die Wahl der Automodelle habe. Hier arbeitet man mit Flottenpartnern zusammen, welche die Autos an die Fahrer vermieten.

Vorschriften verlangsamen die Elektrifizierung

Dass sich die Partner oftmals gegen reine E-Autos entscheiden, sei laut einem Unternehmenssprecher auch Schuld der Politik: "Derzeit hemmen Regulierungen wie die für unsere Flottenpartner geltende Rückkehrpflicht zu den Betriebssitzen viele Unternehmen bei der Elektrifizierung ihrer Fuhrparks", meint er. Dadurch würde die ohnehin schon begrenzte Reichweite der Elektrofahrzeuge unnötig eingeschränkt.

Uber versucht mithilfe verschiedener Initiativen die E-Mobilität attraktiver zu machen. In der Hauptstadt bekommen die Fahrer beispielsweise die Aral Fuel und Charge Card, mit der sie an den 350 kW-Schnelladesäulen der BP-Tochter innerhalb kürzester Zeit ihre Batterien mit Ökostrom füllen können. Zudem kann der Kunde in der App deutschlandweit die Option "Uber Green" wählen, bei der man nur an Fahrer von Elektro- und Hybridautos vermittelt wird. Dies ist jedoch mit einem gewissen Aufpreis verbunden.

In wenigen Jahren dürfte die Situation anders aussehen

Ferdinand Dudenhöffer, der Direktor des Duisburger CAR-Instituts, geht davon aus, dass der Anteil der elektrischen Ride Hailing-Fahrzeuge in den nächsten Jahren deutlich steigen wird: "Uber und Co sind viel in Städten unterwegs und da hat das E-Auto seine größten Vorteile. Zudem stößt es dabei lokal null Emissionen aus. Noch vor 2025 sollte man hier einen hundertprozentigen Anteil von batterielektrischen Fahrzeugen erwarten", sagte er Business Insider.

Auch aus finanzieller Sicht würde der Umstieg für die Partnerunternehmen Sinn machen: "Treibstoff und Wartung sind teuer, da ist das Elektroauto im Vorteil", meint er. Batteriewechselstationen, in denen die leeren Stromspeicher innerhalb kürzester Zeit durch volle ersetzt werden können, würden die Antriebsart nach Ansicht des Auto-Experten noch attraktiver machen. Dieses Konzept feiert gerade in China ihren Durchbruch und könnte sich bald auch in Europa etablieren.

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