Gutes Wertpapiergeschäft und höhere Gebühren halten die Haspa auf Kurs

Deutschlands größte Sparkasse kompensiert die negativen Folgen der Niedrigzinspolitik erstaunlich gut – trotz höherem Verwaltungsaufwand.


Der Vorstandsvorsitzende der Hamburger Sparkasse (Haspa) war mehr als zufrieden: „Wir haben das Beste aus den Rahmenbedingungen gemacht“, kommentierte Harald Vogelsang die Zahlen für das Geschäftsjahr 2017. Das Eigenlob mag auf den ersten Blick überraschen: Denn das Ergebnis von 80 Millionen Euro liegt gerade einmal auf Vorjahresniveau.

Mit einer Bilanzsumme von 43,7 Milliarden Euro ist die Haspa nicht nur die größte Sparkasse Deutschlands, sie firmiert auch in der für Sparkassen ungewöhnlichen Rechtsform einer – nicht börsennotierten – Aktiengesellschaft. Wie alle Sparkassen leiden auch die Hamburger unter der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Kein Wunder also, dass das Lager der öffentlich-rechtlichen Banken seit Jahren zu den härtesten Kritikern der EZB-Geldpolitik gehören.

Schließlich führen die niedrigen Zinsen tendenziell dazu, dass eine zentrale Ertragssäule der Sparkassen erodiert: der Zinsüberschuss. Er ergibt sich aus der Differenz zwischen Zinserträgen und Zinsaufwendungen. In Zeiten extremer Niedrig- oder sogar Negativzinsen schmilzt der Überschuss in der Regel ab.


Bislang sind die Institute allerdings erstaunlich gut mit dieser Situation klargekommen. So weisen die westfälischen Sparkassen unterm Strich wie die Haspa stabile Ergebnisse aus, die Sparkassen in Baden-Württemberg konnten ihre Ergebnisse sogar leicht steigern.

Auch bei der Haspa stieg der Zinsüberschuss: Er legte um gut zwei Prozent auf 725 Millionen Euro zu. Dies verdankt die Sparkasse, die als einzige von der EZB beaufsichtigt wird, vor allem den guten Erträgen aus ihren Beteiligungen.

Zudem konnte auch der Provisionsüberschuss um knapp sieben Prozent gesteigert werden. Grund waren ein gutes Wertpapiergeschäft – die Zahl der Wertpapiertransaktionen stieg um ein Fünftel – und höheren Gebühreneinnahmen - etwa für die Kontoführung.

Auf der anderen Seite der Bilanz stieg der Verwaltungsaufwand – bedingt durch Investitionen – kräftig von 675 Millionen Euro auf 738 Millionen Euro an. Umso erstaunlicher, dass unterm Strich das Ergebnis auf Vorjahresniveau gehalten werden konnte.



Gleichwohl zählt die Haspa nicht zu den Spitzenverdienern in der Sparkassen-Finanzgruppe. Die Sparkasse muss fast 78 Cent aufwenden, um einen Euro zu erwirtschaften. Dagegen sind es beispielsweise bei der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam, auch eine Top-Ten-Sparkasse, lediglich 47 Cent.

Zum üppigen Salär der Haspa-Manager wurde nichts gesagt. Die Vorstände der Haspa kommen auf eine Vergütung von jeweils mehr als einer Millionen Euro im Jahr.

Auf gutem Weg sieht Vogelsang die Haspa beim Thema Digitalisierung. „Wir haben noch nie so viele Innovationen parallel eingeführt wie im vergangenen Jahr“, sagte er in einer umgebauten Haspa-Filiale in Hamburg-Eimsbüttel.

Neben der von der Sparkassen-Organisation entwickelten Banking-App „Kwitt“, mit der Beträge von bis zu 30 Euro ohne TAN-Eingabe von Handy zu Handy gesendet werden können, gibt es auch eigene digitale Projekte, die zumindest auf den ersten Blick nicht viel mit Bankgeschäften zu tun haben. Sie tragen Namen wie „Aino“ – eine App, die Freizeit- und Lifestyle-Tipps gibt – oder „Kiekmo“, eine App, die Nachrichten und Geschichten aus den Stadtteilen bietet.

Bei der Auflistung der Innovationen fehlte das Projekt „Yomo“, mit dem ein knappes Dutzend Sparkassen eigentlich der Smartphone-Bank N26 Paroli bieten wollen. „Es gibt Verzögerungen“, hieß es. 

Gerüchte über einen möglichen Ausstieg der Haspa aus dem Vorhaben dementierte Vogelsang: „Wir sind und bleiben Investoren bei Yomo. Aber wir werden bedingt durch unsere IT-Mitgration Yomo erst ab Mitte 2019 einführen können.“

Andererseits dürfte es der Haspa nicht schwerfallen, bei einem möglichen Scheitern des Projekts aus Bordmitteln eine Alternative anzubieten.