Guter Sommer treibt Bierabsatz – doch einen WM-Effekt spüren die Brauer nicht

Für Brauereien ist eine Fußball-WM eine sichere Einnahmequelle. Doch das deutsche Vorrunden-Aus lässt den Bierabsatz sogar zurückgehen.


Die Deutschen haben wieder etwas mehr Lust auf Bier entwickelt. Das Statistische Bundesamt hat am Montag die Absatzzahlen der Braubranche für das erste Halbjahr 2018 veröffentlicht. Insgesamt 0,3 Millionen Hektoliter mehr Gerstensaft als im Vorjahreszeitraum haben deutsche Bierbrauer und -lager von Januar bis Juni mehr abgesetzt. Das entspricht einem Umsatzplus von 0,6 Prozent.

Für die heimische Getränkebranche ist das ein gutes Zeichen. Seit Jahren stagniert oder sinkt der Bierabsatz hierzulande, 2017 ging er um 2,5 Prozent zurück. Eine Trendwende ist das leicht verbesserte Halbjahresergebnis aber noch nicht: angeschoben wurde der Absatz vor allem durch höhere Nachfrage im April und Mai – gerade der „Wonnemonat“ lockte bei außergewöhnlich gutem Wetter die Menschen früh in die Biergärten. Es war der größte Zuwachs in diesem Monat seit 2012.

Der erhoffte WM-Schub ist hingegen ausgeblieben. Trotz Sonne und lange angenehmen Temperaturen ging der Bierabsatz im Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,8 Prozent zurück. Das Vorrunden-Aus der deutschen Mannschaft dürfte diese Entwicklung zumindest begünstigt haben. International konnten Großbrauereien über das Turnier in Russland merklich mehr verkaufen. Ein zusätzlicher Faktor: Im Juni war das Bier nach Preiserhöhungen zu Jahresbeginn rund vier Prozent teurer als im Vorjahr.

Die für die DFB-Auswahl sehr erfolgreichen Weltmeisterschaften 2010 und 2014 hatten den Absatz um je vier Prozent getrieben. Bei der Heim-WM 2006 waren es sogar fünf Prozent. „Wichtiger als die Nationalmannschaft ist das Wetter“, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters einen Sprecher des Deutschen Brauer-Bunds noch kurz nach dem Scheitern des Weltmeisters: „Wenn es so bleibt, wird es keine spürbare Delle im Konsum geben.“ Diese Prognose hat sich nicht bewahrheitet.

Die Fußball-Großereignisse sind traditionell Umsatztreiber für die Getränkebranche, Geselligkeit lässt das Bier schneller fließen. Die Zahlen erfassen auch den Absatz von Biermischgetränken, die in den vergangenen Jahren des Zielpublikums der Brauereien vielfältiger gemacht haben.


Der Bereich vermag die in ihn gesetzten Hoffnungen nicht zu erfüllen. 2017 machten die Mischgetränke nur 4,2 Prozent des gesamten Absatzes aus. Die aktuelle Bilanz weist auf niedrigem Niveau Anstiege bis zu 20 Prozent aus. Im Juni verloren aber auch die Biermischungen mit dem Markt.

Den deutlichsten Zuwachs verzeichnete im Gesamtabsatz das Bundesamt für den Januar 2018. Dort wurden rund 6,4 Millionen Hektoliter verkauft, 10,6 Prozent mehr als noch im Januar 2017. Ob analog zum Fußball die Handball-EM etwas mit der Steigerung zu tun hat, lässt sich nicht sagen.