Gute Zahlen, schlechtes Image

Der US-Konzern Monsanto, der vor der Übernahme durch Bayer steht, konnte Umsatz und Gewinn kräftig steigern. Doch ohne Makel ist die Bilanz nicht – die Probleme liegen ganz woanders.


Es dürfte einer der letzten großen Auftritte von Hugh Grant gewesen sein. Der Chef des US-Agrarkonzerns Monsanto, der tatsächlich genauso heißt wie der britische Schauspieler, präsentierte wohl letztmalig die Jahreszahlen. Denn im nächsten Jahr dürfte Monsanto – wenn denn die Kartellbehörden die Übernahme genehmigen – zum deutschen Bayer-Konzern gehören.

Die mutmaßlich letzte Bilanz von Monsanto kann sich dabei durchaus sehen lassen: Zum Abschluss steigerte Grant nochmal den Umsatz mit Pflanzenschutzmitteln und Saatgut von 13,5 auf 14,6 Milliarden Dollar, der Gewinn erhöhte sich sogar von 1,3 auf 2,3 Milliarden Dollar. Die Zahlen gab Monsanto am heutigen Mittwoch bekannt. Das Geschäftsjahr von Monsanto endet bereits im August.

Es sind denn auch weniger die Zahlen als vielmehr das schlechte Image von Monsanto, das Bayer künftig Probleme bereiten wird. Ärger droht Monsanto nicht von den Finanzmärkten, sondern aus der Politik. Speziell aus Brüssel: Kürzlich mussten Monsanto-Lobbyisten ihre Zugangsausweise für das europäischen Parlament abgeben. Sie waren einer Anhörung zum umstrittenen Pflanzengift Glyphosat fern geblieben – das Unkrautmittel zählt zu den wichtigsten Produkten von Monsanto, wird jedoch auch von anderen Unternehmen hergestellt.




Ein weiterer Vorwurf lautet, dass das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) seine Bewertung für Glyphosat aus dem Zulassungsantrag von Monsanto abgeschrieben habe. Sowohl BfR als auch Monsanto argumentieren, dass alles nach den üblichen wissenschaftlichen Standards gelaufen sei. Umstritten bleibt Glyphosat dennoch: Laut einer einzelnen Studie des Krebsforschungszentrums der Weltgesundheitsorganisation WHO gilt Glyphosat als potenziell krebserregend. Bis Mitte Dezember müssen die EU-Staaten entscheiden, ob die Zulassung für Glyphosat noch einmal verlängert werden soll.

Auch ein anderes Pflanzenschutzmittel von Monsanto bleibt umstritten. Das Präparat Dicamba soll – wenn es auf benachbarte Felder hinüberweht – dafür verantwortlich sein, dass dort Pflanzen eingehen. Die Landwirtschaftsbehörden untersuchten im August 2200 Verstöße, zahlreiche Bauern fordern Schadenersatz. Eine Sammelklage, die sich gegen Monsanto ebenso wie die Wettbewerber BASF und DuPont richtet, ist in Arbeit. Monsanto bestreitet die Vorwürfe.

Wie solche Klagen ausgehen, ob sich die Vorwürfe der Bauern erhärten lassen – das ist künftig wohl vor allem das Problem von Bayer-Boss Werner Baumann. Monsanto-Chef Hugh Grant hat sich dagegen dank der guten Zahlen erstmal einen ordentlichen Abgang als oberster Firmenlenker verschafft.