Gutachter der Bundesärztekammer stellten 2017 rund 2200 Behandlungsfehler fest

Blick in einen Operationssaal

Die Schlichtungsstellen und Gutachter der Bundesärztekammer haben im vorigen Jahr 2213 Behandlungsfehler gezählt. Im Vergleich zu 2016 mit 2245 Fällen blieb die Gesamtzahl damit beinahe gleich, wie die Spitzenorganisation der deutschen Mediziner am Mittwoch in Berlin mitteilte. Bei 19,5 Millionen Klinikbehandlungen und einer Milliarde Arztkontakten bewege sich die Zahl "im Promillebereich". Patientenschützer kritisierten die Statistik.

Es gebe keinen Grund für "Panikmache und Pfuschvorwürfe", teilte der Vorsitzende der Vertretung der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Bundesärztekammer, Andreas Crusius, bei der Vorstellung der Jahresstatistik mit. Gleichwohl sei jeder Behandlungsfehler "einer zu viel". Hinter jedem Fall könnten schwere menschliche Schicksale stehen. Die Ärzte steuerten daher mit Qualitätssicherung, Fehlerprophylaxe, anonymen Meldeystemen sowie gemeinsamen Dienstbesprechungen im Kollegenkreis gegen.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz bezeichnete die Zahlen zu den bei der Bundesärztekammer anhängigen Prüfverfahren als wenig aussagekräftig. Parallel sammelten auch Krankenkassen und Gerichte Behandlungsfehler, erklärte deren Vorstand Eugen Brysch am Mittwoch in Dortmund. Die Häufigkeit von Fehlern bei der Behandlung lasse sich "nur schätzen". Brysch forderte den Gesetzgeber auf, ein bundesweites Zentralregister zu schaffen.

Von den festgestellten Behandlungsfehlern führten nach Angaben der Bundesärztekammer 1783 zu Gesundheitsschäden, in weiteren 430 Fällen war dies nicht der Fall. Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen wurden 2017 insgesamt 7307 Vorgänge zur Entscheidung vorgelegt. Am häufigsten waren Fehlervorwürfe bei Diagnosen von Knie- und Hüftgelenksarthrosen sowie Brüchen des Unterschenkels oder des Sprunggelenks, hieß es in dem Bericht.