Gut 29 Prozent sind laut Bertelsmann-Studie populistisch eingestellt

Gut 29 Prozent der Wahlberechtigten in Deutschland sind populistisch eingestellt, knapp 71 Prozent lehnen populistische Positionen ab oder stimmen ihnen nur teilweise zu. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung

Gut 29 Prozent der Wahlberechtigten sind einer Studie zufolge populistisch eingestellt, knapp 71 Prozent lehnen populistische Positionen ab oder stimmen ihnen nur teilweise zu. Populistische Einstellungen seien "zwar weit verbreitet, aber sie verbinden sich nicht mit einer radikalen Systemkritik", heißt es in der am Dienstag veröffentlichten Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung. Von einer "populistischen Revolution" sei Deutschland vor der Bundestagswahl "weit entfernt".

Als populistisch wurden in der Untersuchung Menschen eingestuft, die sich auf Grundlage eines Fragebogen vollständig zu insgesamt acht verschiedenen "antipluralistischen, Anti-Establishment- und Pro-Volkssouveränität-Aussagen" bekennen. Wie die Studie ergab, vertreten 29,2 Prozent der Wahlberechtigten populistische Ansichten, 36,9 Prozent lehnen solche Aussagen ab, 33,9 Prozent stimmten ihnen "teils/teils" zu. Damit seinen populistische Einstellungen in Deutschland "nicht mehrheitsfähig", schlussfolgerten die Wissenschaftler.

Zudem vertreten Populisten in Deutschland "eher moderate und keine radikalen Ansichten". Sie lehnen demnach demokratische Institutionen oder die EU nicht grundsätzlich ab, sondern kritisieren ihr Funktionieren. "Populisten sind enttäuschte Demokraten, aber keine Feinde der Demokratie", heißt es in der 85-seitigen Untersuchung. Für etablierte Parteien lohne es sich daher nicht, "im Wahlkampf populistischen Extrempositionen hinterherzulaufen".

Auch unter den populistisch eingestellten Wählern befürworten mehr als zwei Drittel (69 Prozent) die Mitgliedschaft in der EU. Die große Mehrheit von 85 Prozent unterstützt die Demokratie als politisches System.

Allerdings sind mehr als drei Viertel (79 Prozent) von ihnen der Auffassung, dass die EU-Integration zu weit gegangen sei. Rund die Hälfte (52 Prozent) ist mit dem Funktionieren der Demokratie in Deutschland eher nicht oder überhaupt nicht zufrieden.

Die Autoren untersuchten auch den Zusammenhang zwischen populistischen Einstellungen und Parteipräferenzen. Dabei erwies sich die CDU als die Partei mit den unpopulistischsten Wählern: Sie erreicht bei nicht populistisch eingestellten Wählern eine Zustimmung von bis zu 60 Prozent, aber weniger als 20 Prozent unter den Populisten.

Die SPD ist im Unterschied zur Union bei Populisten und Nichtpopulisten in etwa gleich stark. Ihre besten Ergebnisse erzielt die SPD mit rund 50 Prozent gleichermaßen bei Populisten und Nichtpopulisten links von der politischen Mitte. Auch die Linke ist bei den Populisten ebenso stark wie bei den Nichtpopulisten, wird aber fast ausschließlich von Wählern links der Mitte gewählt.

Die AfD wird dagegen in der Studie als eindeutig rechtspopulistische Partei eingestuft: Im extrem rechtspopulistischen Lager erreicht sie mit rund 60 Prozent ihre höchsten Zustimmungswerte. Schon in der politischen Mitte sowie links davon wählt demnach so gut wie niemand mehr AfD.

Das klare Gegenbild dazu sind laut der Untersuchung die Grünen - sie sind am stärksten bei unpopulistischen Wählern links der Mitte. Die FDP wird überdurchschnittlich häufig von unpopulistischen Wählern rechts von der politischen Mitte gewählt, weniger von eher rechtsorientierten Populisten.

Für die Studie befragte das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap zwischen Juli 2015 und März 2017 dreimal jeweils mehr als 1600 Wahlberechtigte zu ihren politischen Einstellungen.