Gündogan und Özil: Warum der DFB die Verantwortung an die Fans weitergibt

Die Aufregung um Ilkay Gündogan und Mesut Özil begleitet weiterhin die Vorbereitung der deutschen Nationalmannschaft auf die WM 2018. Joachim Löw hat bereits eine Befürchtung. Die Fans des DFB-Teams stehen vor einer wichtigen Entscheidung.

Mesut Özil und Ilkay Gündogan stehen weiter im Fokus der Öffentlichkeit. (Bild: Getty Images)

Wenn wir so viele kleine Fehler machen, sind wir nur eine durchschnittliche Mannschaft”, sagte der Bundestrainer kürzlich der dpa. Tatsächlich machten die Deutschen gegen Österreich und Saudi-Arabien zu viele Fehler und lieferten kurz vor der WM nur Magerkost. 

Das Team wirkt nicht so konzentriert und fokussiert wie vor der WM 2014. Ein sicherlich entscheidender Faktor dafür ist die weiterhin anhaltende Aufregung rund um Özil und Gündogan, die sich vor einiger Zeit mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan fotografieren ließen.

Der DFB versucht seitdem, das Thema unter den Teppich zu kehren. Özil schweigt beharrlich, Gündogan stellte sich der Presse, eine Entschuldigung oder Einsicht blieb dort aber ebenso aus wie in einem Gespräch mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

DFB-Team freut sich über Abstand

Nach dem Testspiel gegen Saudi-Arabien wurden Löw und die Spieler des Kaders nicht müde zu betonen, dass Gündogan und auch Özil zum Team gehören. Für den sportlichen Erfolg wäre es unentbehrlich, dass das Team in Russland in seiner Gesamtheit unterstützt wird.

Damit stellt der DFB die Fans, bewusst oder unbewusst, vor eine schwierige Entscheidung: Soll weiterhin die Empörung über die offensichtlich nicht vorhandene Reue der beiden kritisierten Spieler deutlich gemacht oder doch im sportlichen Sinne nur an den WM-Titel gedacht werden?

Im Lager der Nationalmannschaft könnte man schon fast froh darüber sein, mit der Reise nach Russland aus geografischer Sicht etwas Abstand zu Deutschland zu gewinnen. Ob das allerdings wirklich der Gedanke ist, der eine Nationalelf zur WM begleiten sollte?

Finger muss in der Wunde bleiben

Für Verantwortliche, Spieler, Trainer und Fans wäre es nur das Beste, würde vor der WM 2018 eine versöhnliche Einigung erzielt werden. “Ich finde wir brauchen jetzt alle, damit wir gut abschneiden”, sagte auch Kanzlerin Angela Merkel.

Die Marschrichtung des DFB ist ohnehin klar. Oliver Bierhoff und Löw betonten bereits mehrfach, dass das Thema eigentlich erledigt sei. “Wir sagen immer das Thema ist beendet, aber das ist anscheinend nicht der Fall”, stellte Sami Khedira fest.

Es ist Pflicht der Medien und auch der Fans, den Finger weiterhin in die Wunde zu legen. Nur so kann ein ehrliches Statement erzwungen werden. Der DFB schiebt die Verantwortung über den sportlichen Erfolg in Richtung der Öffentlichkeit – und wird damit letztlich wohl auch Erfolg haben.


Pfiffe werden in Russland verstummen

Die Pfiffe werden weniger werden in Russland, die Gruppenspiele sollte Deutschland auch ohne Hexenkessel im Rücken überstehen können. Zur K.o.-Phase werden andere Themen Gündogan und Özil die herbeigesehnte Ruhe lassen.

Doch ist das das erklärte Ziel? Das darf eigentlich nicht sein, eine konstruktive Lösung sieht anders aus. Vielmehr haben die letzten Wochen eines immer mehr gezeigt: Der sportliche Erfolg steht im Vordergrund. Eine standhafte Meinung hat der Verband erst dann, wenn es wichtig für die Publicity ist.

Ich freue mich, dass uns so viele Fans in Russland unterstützen werden. Das WM-Fieber steigt und wir sollten jetzt alle den Fußball in den Mittelpunkt stellen”, twitterte DFB-Präsident Reinhard Grindel am Sonntagnachmittag. Augen zu und durch bleibt das Motto beim DFB.