Gucci wirft fast sechsmal so viel ab wie Puma


Höchst beschwingt zeigte Kering-Chef François-Henri Pinault sich am Dienstag bei der Vorstellung der Zahlen seines Hauses in Paris: „2017 haben wir ein Plus von drei Milliarden beim Umsatz und von einer Milliarde beim Ergebnis erreicht. Das ist das Jahr, in dem wir als weltweite Nummer Zwei des Luxus bestätigt wurden.“

Man habe „Dinge geschafft, die vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen“ seien. Dabei bezog sich der Sohn des Firmengründers nicht nur auf mittlerweile klare Luxusorientierung des Unternehmens, das einmal als Holzverarbeiter in der Bretagne angefangen hat, sondern vor allem auf die Gewinnmarge der wichtigsten Marke Gucci, die auf 34 Prozent des Umsatzes hochgeschnellt ist.

Einen breiten Teil der Pressekonferenz nahm die Erläuterung der Trennung von Puma ein. Der Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach wird künftig auf eigenen Beinen stehen. Nach der Ausschüttung von Gratisaktien an die Kering-Aktionäre wird der Anteil der freiverkäuflichen Aktien bei 55 Prozent liegen, die Familienholding Artemis wird 29 Prozent besitzen und Kering nur noch 16 Prozent. Das frühere Mutterhaus hat sich verpflichtet, seine Anteile mindestens sechs Monate zu halten, bei Artemis beträgt diese Frist zwölf Monate.


„Der Weg, den Puma zurückgelegt hat, ist eindrucksvoll, aber die Marke ist noch weit davon entfernt, ihr volles Potenzial erreicht zu haben,“ lobte Jean-François Palus, der sich innerhalb des Unternehmens bislang um den deutschen Sportartikelhersteller gekümmert hatte.

Palus hob die spektakuläre Verbesserung der Ergebnisse hervor. Puma habe „die beste denkbare Führungsmannschaft, um weiter voranzukommen“, und sei dabei, sich noch besser in Form zu bringen: Durch mehr Aktivitäten in China, ein besseres Netz der Geschäfte, weitere Innovationen und neue Sponsoring-Aktivitäten. In den kommenden Wochen würden der AC Milan, Borussia Mönchengladbach und Olympique Marseille als neue Partner dazu stoßen.

Doch bei aller Bewunderung für Puma: Aus Sicht von Kering ist die Profitabilität der Marke nicht hoch genug. Puma kommt heute auf eine Umsatzrendite von knapp sechs Prozent, bei Gucci ist sie fast sechs Mal so hoch. Bei den Franzosen hat deshalb der Umbau zum reinen Luxusanbieter Vorrang, wie Konzernchef Pinault betont: „Wir werden ein purer Player des Luxus“.

Auf Luxusgüter von Marken wie Gucci, Yves Saint Laurent oder Brioni entfallen bislang 70 Prozent des Umsatzes. Nach der Trennung von Puma werden es nahezu 100 Prozent sein. Dabei hängt Kering aber fast ausschließlich von drei Marken ab: Gucci steuert 6,2 Milliarden Euro zum Umsatz bei, Yves Saint Laurent 1,5 Milliarden und Bottega Veneta 1,1 Milliarden. Balenciaga soll in diesem Jahr die Umsatzschwelle von einer Milliarde Euro übertreffen.

Doch bei Bottega Veneta, bekannt für Parfüm und Handtaschen, laufen die Geschäfte eher durchwachsen. Der Umsatz und das Ergebnis stagnierten, was Pinault auf „ zu wenig Neuheiten“ zurückführte. Mittlerweile habe man aber Abhilfe geschaffen und sei zuversichtlich, dass der Lederwarenhersteller in diesem Jahr so stark zulegen könne wie der Markt.

Deutlich schneller als der Gesamtmarkt ist dagegen Gucci gewachsen, was Kering vor ein Problem stellt: Nachschub und Organisation der Produktion müssen Schritt halten. Gucci stellt nicht alles selbst her, sondern arbeitet mit Zulieferern. „Einige davon werden integriert, andere bleiben Zulieferer“, sagte Pinault, ohne sich mehr Details entlocken zu lassen.


Die Produktion ist ein gut gehütetes Geheimnis aller Luxusunternehmen: Das Versprechen, ausschließlich allererste Qualität zu bieten, ist die Grundlage ihres Images. Würde der Kunde erfahren, dass seine mehrere tausend Euro teure Tasche in einer Werkstatt genäht wird, die auch für zig andere Marken arbeitet, könnte seine Begeisterung sich abkühlen.

Doch nur mit Qualität punkten – das reicht Pinault zufolge ohnehin nicht mehr aus: „Nur gutes Handwerk zu bieten reicht nicht mehr.“ Neue Zielgruppen wie Millennials kümmerten sich wenig um die Markengeschichte. „Sie wollen einen Dialog.“

Ausweichend reagierte Pinault auf Fragen nach einer möglichen Trennung von Stella Mc Cartney. „Stella Mc Cartney ist ein Joint Venture, wir haben jedes Jahr Diskussionen mit Stella, die Gerüchte kommen daher.“ Wenn es „eine Entscheidung gäbe, sich zu trennen, würde der Markt informiert, aber das ist heute nicht der Fall“, sagte Pinault. Sehr viel klarer war seine Aussage zu möglichen Akquisitionen. Das Wachstum werde weiter organisch erfolgen. „Unser Portfolio mit Marken sehr unterschiedlicher Reife zeigt, dass absolut keine Akquisitionen nötig sind für unser Wachstum, das muss sehr klar sein.“

Trotz der sehr guten Zahlen gab der Kurs der Kering-Aktie im Lauf des Vormittags von 382 auf 374 Euro nach. Das sind allerdings immer noch gut 60 Prozent mehr als vor einem Jahr.