Guardiolas Not versetzt Europa in Alarmbereitschaft

Moritz Löhn
·Lesedauer: 4 Min.

Manchester City steckt in der Krise. Am Dienstagabend spielte die Mannschaft von Pep Guardiola gegen Aufsteiger West Bromwich Albion nur 1:1. Das war bei Weitem nicht das erste Mal, dass die Citizens in dieser Saison Punkte liegen ließen. (Manchester City - West Bromwich Albion zum Nachlesen im TICKER)

In zwölf Partien spielte City schon fünf Mal unentschieden. Zwei weitere Spiele gingen verloren. Nichts ist mehr übrig von dem Manchester City von vor zwei Jahren, das ein Schein der Unbesiegbarkeit umgab.

Dabei hat sich Guardiolas Problemzone verschoben. Während in der Vergangenheit immer wieder defensive Schwächen auftraten und Unsummen in neue Verteidiger investiert wurden, ist plötzlich eine Baustelle in der Offensive entstanden. Die Torfabrik stottert gewaltig. Der Ex-Münchener Owen Hargreaves brachte es nach dem Spiel bei Amazon Prime auf den Punkt: "Das ist die Art von Spiel, die sie vor zwei Jahren noch ohne Probleme fünf oder sechs zu null gewonnen hätten."

Erst 18 Tore nach zwölf Spielen sprechen Bände. In der vergangenen Saison waren es zu diesem Zeitpunkt 35 Tore, also fast doppelt so viele. (Tabelle der Premier League)

Shearer erwartet neuen Top-Torjäger

Ein enormer Unterschied, für den der Premier-League-Rekordtorschütze Alan Shearer einen ganz einfachen Grund sieht: Die Stürmer sind zu schwach. Citys Rekordtorschütze Sergio Agüero sei zwar ein "brillanter Spieler" und komme, wenn er fit ist, am Ende der Saison auf "20 bis 25 Tore". Aber Manchester City benötige mehr.

"Ich glaube, ihre Priorität sollte sein, einen Top-Torjäger zu verpflichten. Jemand, der zwischen 30 und 35 Toren in einer Saison schießt", sagte Shearer. Der ehemalige englische Nationalspieler Steve McManaman pflichtete ihm bei: "Wie viele Chancen hatte Gabriel Jesus heute Abend? Ich glaube, das sagt alles."

Diese Anschuldigungen sind keineswegs aus der Luft gegriffen. Die Statistiken belegen Manchester Citys unterdurchschnittliche Chancenverwertung. Nur acht Prozent der Schüsse des Citizens finden den Weg ins Tor. Zum Vergleich: Spitzenreiter Tottenham verwandelt 16 Prozent seiner Schüsse, also doppelt so viele. (Spielplan der Premier League)

Die Naheliegenden: Harry Kane oder Erling Haaland

Das Problem ist also bekannt, und die Lösung von Problemen sieht bei den Himmelblauen seit der Übernahme aus Abu Dhabi immer gleich aus. Es werden horrende Summen in neue Spieler investiert. Doch wer käme für Citys Sturmzentrum in Frage und welche Mannschaften müssen um ihre Torgaranten fürchten?

Schaut man sich die Top-Scorer aus Europas besten Ligen an, ist die Antwort ganz einfach: Harry Kane. Der Engländer ist mit 27 Jahren im perfekten Fußballalter und schießt in der Premier League seit Jahren alles kurz und klein. Kane steht bei neun Toren und zehn Vorlagen nach zwölf Spielen. Ihn von den Spurs loszueisen, dürfte aber selbst für Manchester City kaum bezahlbar sein. Sein Vertrag läuft noch bis 2024.

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Die nächste logische Alternative ist Erling Haaland von Borussia Dortmund. Der Norweger ist ein Phänomen. Bisher hatte er nirgendwo Anlaufschwierigkeiten und ist trotz seiner gerade einmal 20 Jahre schon jetzt einer der besten Stürmer Europas. Haaland hat ebenfalls noch bis 2024 Vertrag, aber es besteht angeblich eine Ausstiegsklausel im Sommer 2022. Für City wäre das wohl etwas zu spät. Man müsste also auch für Haaland ganz tief in die Tasche greifen.

Die Alternativen: Romelu Lukaku oder Dominic Calvert-Lewin

Etwas weniger offensichtlich wäre die Verpflichtung von Romelu Lukaku. Der Belgier spielte zwar noch bis Sommer 2019 für den Stadtrivalen United, aber eine Liebe zu den Red Devils hat nie wirklich bestanden. Der 27-Jährige hat bei Inter erneut bewiesen, dass er einer der besten Stürmer der Welt ist.

Von den physischen Voraussetzungen ist Lukaku prädestiniert für die Premier Legue. Außerdem sollte sich seine Zufriedenheit in Italien aktuell in Grenzen halten, da sich sein Verein kürzlich von allen internationalen Wettbewerben verabschiedet hat. Sein Vertrag läuft ebenfalls bis 2024.

Eine etwas riskantere, aber auch deutlich günstigere Lösung wäre Dominic Calvert-Lewin. Der Knipser des FC Everton mit Vertrag bis 2025 hat bereits elf Tore in zwölf Spielen erzielt. Er ist nicht so kombinationsstark wie Agüero oder Jesus, aber er steht immer da, wo ein Stürmer stehen muss. Vielleicht genau das, was Manchester City gerade braucht.