"Die Spieler verlieren den Spaß am Fußballspielen"

Robin Wigger
·Lesedauer: 4 Min.

Seinen selbstauferlegten Maulkorb hatte Jürgen Klopp nur einen Tag später wieder vergessen.

Als der Erfolgscoach des FC Liverpool nach dem 1:1 gegen Brighton & Hove Albion auf die Verletzung von James Milner angesprochen wurde, platzte Klopp der Kragen.

"Herzlichen Glückwunsch. (...) Ihr habt den Anstoß um 12.30 Uhr gewählt, ihr! Nicht Sie persönlich, aber ihr habt es getan, nicht wahr? (...) Dieser Rhythmus ist ein kompletter Killer", blaffte Klopp Des Kelly von BT Sport an.

Klopp widmete sich wieder einmal seinem Lieblingsthema: Der (Über-)Belastung und dem straffen Terminkalender. "Wenn wir weiter in diesem Slot spielen, bin ich mir nicht sicher, ob wir die Saison mit elf Spielern beenden." Am Montag fügte Klopp aber hinzu: "So lange wir elf Spieler aufbieten können, werden wir kämpfen - mit allem, was wir haben."

Guardiola: Spieler verlieren den Spaß

Der deutsche Star-Trainer, der mit seiner Mannschaft am Dienstag schon wieder gegen Ajax Amsterdam in der Champions League ran muss (21 Uhr: FC Liverpool - Ajax Amsterdam im LIVETICKER), steht mit seiner Meinung aber nicht allein da. Die Top-Klubs der Champions League gehen am Stock.

"Das Problem an den Spielen heute ist: Die Spieler verlieren den Spaß am Fußballspielen", sagte Pep Guardiola von Manchester City am Samstag bedrückt - dabei hatte seine Mannschaft gerade mit 5:0 gegen den FC Burnley gewonnen (Die Tabelle der Premier League).

Einst sei es "schön gewesen, Fußball zu spielen, ein oder zwei Mal in der Woche mit Fans". Und nun kommt "drei Tage später eben das nächste (Spiel, Anm. d. Red.)."

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Am Dienstag gastieren die Citizens in der Königsklasse beim FC Porto (21 Uhr: FC Porto - Manchester City im LIVETICKER)

Klopp mit großen Verletzungssorgen

Während Guardiola derzeit nur vorübergehend auf Sergio Agüero und Nathan Aké verzichten muss, hat es Klopp bei Liverpool heftiger getroffen.

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Virgil van Dijk (Kreuzbandriss) und Joe Gomez (Patellasehnenprobleme) fallen womöglich bis zum Saisonende aus, auch Trent Alexander-Arnold und Alex Oxlade-Chamberlain fehlen derzeit.

Zuletzt musste Klopp auch auf Fabinho, Thiago und Joel Matip verzichten. Nun erwischte es James Milner.

FC Bayern geht am Stock

Auch der FC Bayern hat Sorgen.

Zwar gab der Deutsche Rekordmeister am Sonntag bei Lucas Hernández (Schmerzen im Rücken-, Hals- und Brustbereich), Jérôme Boateng (Rückenprobleme), Corentin Tolisso (Muskelverletzung) und Javi Martínez (Adduktoren) Entwarnung, die sich beim mühsamen 3:1 beim VfB Stuttgart die Blessuren zugezogen hatten.

Tolissos Mitwirken am Dienstag in der Champions League bei Atlético Madrid (21 Uhr: Atlético Madrid - FC Bayern München im LIVETICKER) ist dennoch fraglich.

Hinzu kommen der angeschlagene Bouna Sarr (muskuläre Probleme), Alphonso Davies (Aufbautraining nach Bänderriss im rechten Sprunggelenk) und der Langzeitverletzte Joshua Kimmich (Meniskus-OP).

"Man sieht, dass die Bayern angeschlagen sind und jetzt schon auf dem Zahnfleisch gehen", befand gar VfB-Kapitän Gonzalo Castro.

Flick klagt: Enorme Belastung

Hansi Flick stimmte in das allgemeine Klagelied der Top-Trainer ein (Ergebnisse und Spielplan der Champions League).

"Man muss nur in alle Vereine reinschauen, die international spielen. Es ist eine enorme Belastung. Am Ende ist der einzelne Spieler der Leidtragende", meinte Bayerns Triple-Coach.

Der Drei-Tages-Rhythmus macht den Bayern schaffen.

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"Es ist ganz normal, dass man mal müde wird", meinte Flick: "Es ist ja nicht nur bei uns so, sondern überall. Es gibt viele Verletzte. Wir dachten schon, dass wir das eine oder andere durch Belastungssteuerung ändern können. Die Plätze werden auch tiefer. Da ist es nicht ganz so einfach, Verletzungen zu vermeiden."

Zudem gebe es "keinen Platz, um wirklich mit der Mannschaft zu trainieren".

Effenberg warnt Bayern

Die Expertenrunde im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 sieht Schwierigkeiten auf die Bayern zukommen.

"Gerade im Februar und März wird es mental sehr schwierig", vermutete SPORT1-Experte Stefan Effenberg am Sonntag: "Sie haben jetzt schon Probleme. Sie haben diese Dominanz verloren."

Benedikt Höwedes fand es gar "wirklich krass, so viel zu spielen. Vor allem nach der langen Champions-League-Saison. Sie fallen gerade in ein kleines mentales Loch."

SPORT1-Experte Alfred Draxler sah aber eine Mitschuld auch in München: "Wenn die Bayern es sich leisten, eine unsinnige Klub-WM zu spielen, dann wird es eben eng."

Entscheidet also am Ende nicht die größte Qualität über nationalen und internationalen Erfolg?

"Wir müssen die Bedingungen annehmen. Wer sie am besten annimmt, wird am Ende oben stehen", sagte Flick: "Das wollen wir sein."