Guardiola in Manchester: Ankunft mit Verspätung

Pep Guardiola und Manchester City durchlebten den schlechtesten Start in die Premiere League seit Jahren. Dennoch ist dieses Mal alles anders – und das liegt nicht nur an ein paar Kantersiegen.

Pep Guardiola befindet sich im zweiten Jahr bei Manchester City

Die englische Premier League würde für Guardiola ein hartes Pflaster werden, dessen waren sich die zahlreichen Experten und Pundits vor seinem Engagement bei Manchester City sicher. Die erste Saison bestätigte diese Zweifler durchaus in ihren Kritikpunkten.

Nicht immer fand Guardiola die richtigen Mittel und Wege, um derart dominant aufzutreten, wie er es mit dem FC Bayern München und dem FC Barcelona tat. Diese Saison scheinen sich die Vorzeichen aber gedreht zu haben.

Neue Möglichkeiten durch teuren Transfersommer

Das liegt nicht nur am enorm teuren Transfersommer, sondern auch an den dementsprechend neuen taktischen Möglichkeiten für den Katalanen. Guardiola gab nicht nur acht mehr oder weniger wichtige Spieler ab, er verstärkte den Kader auch mit jungen, ballsicheren Neuzugängen.

Torwart Ederson stellt eine Aufwertung des Spielaufbaus dar, Benjamin Mendy, Kyle Walker und Danilo beackern zukünftig die Flanken. Mit Bernardo Silva kam ein flexibler Offensivakteur dazu und kürzlich stieß auch der langzeitverletzte Ilkay Gündogan wieder zur Mannschaft.

Es ist ein neues Gesicht, das die Citizens in dieser Saison auf das Feld schicken. Guardiola vertraut derzeit meist einem 3-1-4-2-System, das die Stärken seines Kaders betont und durch den strategischen Plan des Positionsspiels mit hohem Pressing seine Entfaltung findet.

Fußball widerspricht Punkten

13 Punkte sicherte sich Manchester City in den ersten fünf Partien der Premier League – in den Jahren zuvor war es stets das Maximum von 15 Punkten gewesen. Der schlechteste Start seit Jahren auf dem Papier, letztlich zeigt der gespielte Fußball auf dem Platz aber, dass vieles anders ist in der neuen Saison.

Durch die komplette Personalrochade auf den Flügeln kann Guardiola seine besten Spieler endlich dort einsetzen, wo sie am meisten Gefahr erzeugen: Im Zentrum wirbeln Kevin de Bruyne und David Silva hinter Sergio Agüero und Gabriel Jesus.

Letztere haben nach langen Debatten, wer der bessere sei, unter Beweis gestellt, dass sie wunderbar als Duo funktionieren. Auch das verdanken sie einer präzisen Einbindung Guardiolas in das Spiel von Manchester City.


Flexibilität in der Offensive

Gerade die Außenverteidiger übernehmen nun aber in der zweiten Saison eine tragende Rolle. Eine der zentralen Prinzipien Guardiolas ist die ständige Breite im Spiel, um den Gegner horizontal auseinander zu ziehen.

Die Neuverpflichtungen übernehmen diese Aufgabe geschickt und können durch ihre Bewegungen in der gegnerischen Hälfte entweder gemeinsam mit ausweichenden Stürmern und Mittelfeldspieler eine Überzahl kreieren oder aber nach innen rutschen und dann Raum für Dribbler wie Leroy Sane oder Raheem Sterling schaffen.

So entfalten die Citizens eine nicht zu bremsende Offensivkraft, wie zuletzt der FC Liverpool (5:0), Feyenoord (4:0), der FC Watford (6:0) und Crystal Palace (5:0) erleben mussten. Die Offensive rochiert ständig und macht sich dabei die Vielseitigkeit von Spielern wie Jesus, Sane, de Bruyne oder Silva zu Nutze.

Wohin mit Rückehrer Gündogan?

Das gesamte Konstrukt wird derzeit von Fernandinho zusammengehalten. Der Brasilianer hat sich zu einem der Lieblingsspieler von Guardiola entwickelt und nimmt eine unersetzbare Rolle ein. Das wirft wiederum Fragen bezüglich der Einbindung von Ilkay Gündogan auf.

Der ehemalige Dormtunder kehrte gegen Watford nach langer Abstinenz zurück. Im Gegensatz zu Sane, der sich mehr und mehr verdient macht, ist Gündogan noch nicht integriert. Guardiola wird auch für ihn eine Aufgabe finden müssen, war der Deutsche doch im vergangenen Sommer noch Wunschtransfer.

Gegen Watford kam er nicht für Fernandinho, sondern für de Bruyne. Zu diesem Zeitpunkt war das Spiel schon lange entschieden, der deutsche Nationalspieler ordnete sich als Ballzirkulator in einer weniger drückenden Mannschaft neben seinem brasilianischen Konkurrenten ein. Im League Cup verletzte er sich abermals – das macht den Prozess nicht einfacher.


Zweikampf mit Mourinho zeichnet sich ab

So oder so darf aber durchaus als Zwischenfazit angesehen werden, dass Guardiola in England angekommen ist. Im zweiten Jahr seiner Amtszeit scheint sich das Duell anzubahnen, das bereits im letzten Jahr erwartet wurde: Jose Mourinho mit Manchester Untited gegen Pep Guardiola mit Manchester City.

Beide Mannschaften überzeugen mit einer sehr guten und harmonischen Offensive und sind dennoch defensiv stabil. Dieses Mittel fand Guardiola in der Vergangenheit nicht immer – mit dem Transfersommer hat er es sich offenbar geschaffen.

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