Nach GT-Pro-Widerstand: Kann man DTM über Reifen schneller machen?

Sven Haidinger
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Die DTM kämpft händeringend um den Plan, sich durch bessere Rundenzeiten und schwieriger zu bändigende Boliden von anderen GT3-Serien wie dem GT-Masters abzuheben. Der Idee, die Boliden mit einem Verbot von ABS und Traktionskontrolle mehr auf Profirennfahrer auszurichten, wurde von den Herstellern eine Absage erteilt. Und auch das Ausreizen der Boliden auf rund 600 PS ist alles andere als unkompliziert, wie der Fall Porsche zeigt.

Ein simpler Weg, um die Boliden schneller zu machen, ohne dabei etwas an den GT3-Autos verändern zu müssen, wäre ein Reifen, der bessere Rundenzeiten liefert. DTM-Boss Gerhard Berger will sich diesbezüglich aber nicht festlegen. "Es wird natürlich einen anderen Reifen geben", verweist er darauf, dass die aktuellen Reifen für die Class-1-Boliden nicht mit den GT3-Autos harmonieren würden.

"Ob man dann über den Reifen versucht, schnellere Rundenzeiten zu bekommen und weicher zu gehen, oder ob es am Ende besser ist, einen ganz harten Reifen zu haben, wo der Reifen eben nicht den entscheidenden Einfluss hat, ist noch offen", sagt der Österreicher auf Nachfrage von 'Motorsport-Total.com'. "Aber ich glaube, dass wir da den richtigen Weg finden werden."

Doch wie sieht man die Situation bei Hankook? Der südkoreanische Alleinausrüster der DTM hat derzeit nur einen GT3-Reifen im Portfolio. Dabei handelt es sich um einen Pneu, der in der von der niederländischen Agentur Creventic ausgetragenen 24h-Serie eingesetzt wird, wo man auch Seriensponsor ist. Es handelt sich aber um eine Rennserie, in der großteils Amateure zum Einsatz kommen - und die auf Langstreckenrennen ausgelegt ist.

"Das ist unser GT3-Produkt - und da ist im Moment auch keine Überarbeitung geplant", stellt Hankook-Sportchef Manfred Sandbichler im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' klar, dass der Ventus F200 auch der Trockenreifen für die DTM-Saison 2021 wäre.

"Wir arbeiten zwar an der Entwicklung für den neuen Reifen, aber der wird wegen Corona bis zum nächsten Jahr nicht fertig sein. Aufgrund der jetzigen Situation hat sich alles ein bisschen verschoben."

Sandbicher schließt es komplett aus, dass man für die kommende DTM-Saison einen neuen GT3-Reifen liefern wird und somit über die Reifen für bessere Rundenzeiten sorgen könnte: "Man kann in so kurzer Zeit keinen neuen Reifen entwickeln. Das funktioniert rein von der Logistik her nicht."

Hankooks Rennreifen werden im südkoreanischen Werk in Daejeon gefertigt und dann mit dem Schiff nach Europa geliefert. Zudem muss ein neuer Reifen getestet werden, ehe er tatsächlich zum Renneinsatz kommt. Und er spielt auch bei der Balance-of-Performance-Einstufung, die die ITR kommendes Jahr selbst vornehmen möchte, eine grundlegende Rolle. Das bedeutet, dass der Reifen deutlich früher als die aller Voraussicht nach im Mai beginnende Saison fertig sein müsste.

Mit Bildmaterial von Hankook.