Grundstückeigentümer haften bei Handwerkerarbeiten für Schäden beim Nachbarn

Grundstückeigentümer haften bei Handwerkerarbeiten auf ihrem Grundstück für Schäden, die beim Nachbarn entstehen. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in einem am Freitag verkündeten Urteil entschieden. Ein solcher sogenannter nachbarrechtlicher Ausgleichsanspruch besteht auch dann, wenn der Hauseigentümer die Handwerker, die den Schaden verursacht haben, "sorgfältig" ausgewählt hat, heißt es im Urteil. (Az. V ZR 311/16)

Im Ausgangsfall hatte ein Dachdecker im Auftrag des beklagten Ehepaars deren Flachdach repariert. Bei den Heißklebearbeiten verursachte er dann ein Glutnest, das sich bis zum Abend unter den aufgeschweißten Bahnen ausbreitete. Der alarmierten Feuerwehr gelang es nicht, das Haus zu retten. Es brannte vollständig nieder. Durch den Brand und die Löscharbeiten wurde das unmittelbar angebaute Haus der Nachbarin erheblich beschädigt. Deren Versicherung klagte deshalb auf Schadenersatz in Höhe von knapp 100.000 Euro.

Laut BGH muss das Ehepaar nun einen "verschuldensunabhängigen nachbarrechtlichen Ausgleichsanspruch" leisten. Dies sei immer dann der Fall, wenn von einem Grundstück "rechtswidrige Einwirkungen auf ein anderes Grundstück ausgehen", die dessen Besitzer nicht dulden muss und auch "nicht unterbinden kann". Von diesem Grundsatz sei auszugehen, "wenn ein Brand auf ein fremdes Grundstück übergreift, da der Nachbar die Gefahr in aller Regel nicht erkennen und die Einwirkungen auf sein Grundstück daher nicht rechtzeitig abwehren kann", heißt es im Urteil.