Große Themen bei Markus Lanz: Trump, Schulden und ein Leben mit Psychose

Lanz: „Zurück zum Nationalen, Besinnung auf das Eigene, Themen wie Heimat“ – Wie lautet der Befund einer Gesellschaft, in der das wieder hip wird? (Bild: ZDF/Screenshot)

Was bedeutet eine Psychose für das Leben einer Person? Wann ist uns das Vertrauen in Europa abhandengekommen? Und sind wir auf dem Weg zu Führerstrukturen? Es sind viele große Fragen, die bei Lanz gestern gestellt wurden.

Die SPD träumte schon in den 20er Jahren von den Vereinigten Staaten von Europa, schreibt der Vize-Vorsitzende Thomas Oppermann in einem aktuellen Artikel. Nun versuchten alle, die Europäer gegeneinander auszuspielen. Markus Lanz zitiert den Trump-Berater Bannon, der gesagt hat, Merkel und Macron würden fallen wie die Kegel. „Sind wir auf dem Weg zu Führerstrukturen?“, fragt der Moderator besorgt in die Runde der Gäste.

Die Situation sei tatsächlich ernst, darüber sind sich alle einig. „Der amerikanische Botschafter hat eben in Berlin gesagt, er sehe seine Aufgabe darin, in Europa die konservativen rechtspopulistischen Parteien zu unterstützen, deren wahrer Führer Trump ist“, so Oppermann über aktuelle Bedrohungen. In einer solchen Drucksituation könne es aber auch zu neuen Kräften kommen. Trump, Brexit und Handelsstreits hätten die Europäer an etwas Wichtiges erinnert: „Jeder einzelne von uns ist zu schwach, um sich gegen diese großen Mächte erfolgreich zu wehren.“

Der Vize-Vorsitzende des Deutschen Bundestags, Thomas Oppermann (SPD) glaubt, die aktuellen Herausforderungen könnten Europa stärken. (Bild: ZDF/Screenshot)

Der Ökonom Hans-Werner Sinn erinnert an die Bedeutung von all dem für die Weltwirtschaft. „Es gibt kein Primat der Politik gegenüber den Gesetzen der Ökonomie“, erinnert er daran, welche ökonomischen Überlegungen die Wähler dazu bewegen, Heilsbringer wie Trump zu wählen. In der Suche nach Schuldigen seien ökonomische Argumente nur leider nicht so schlüssig zu präsentieren wie psychologische.

Die Analyse zur politischen Lage in Italien fällt hingegen eher nüchtern aus in dieser Sendung, die viele verschiedene Themen abdecken will. Italien sei schlichtweg schon bei der Einführung des Euro zu pleite gewesen, sagt der Ökonom Hans-Werner Sinn. Jetzt sei jeder Ausweg mit gravierenden Problemen verbunden: „Wir sind in einer Sackgasse gelandet.“ „Alles falsch“, hält Oppermann dagegen. Die Italiener hätten schlicht nicht genug an ihrer Wettbewerbsfähigkeit gearbeitet. „Es ist ein reiches Land mit vielen Möglichkeiten“. Leider würden darin selbst großartige mittelständische Unternehmen am Kampf mit der Bürokratie aufgerieben werden. Man müsse helfen, aber eine Erpressung wie sie Griechenland unter Finanzminister Varoufakis versucht hätte, werde es nicht wieder geben können, so der SPD-Politiker.

„Nach außen hin kann man entweder Güter verkaufen oder man verkauft Schuldscheine,“ sagt Sinn, nachdem er erklärt, dass Deutschland beides zugleich macht. Die Sendung macht wieder klar, wie sehr das Thema des deutschen Exportüberschusses und der Verschuldung anderer Länder Deutschland beschäftigt. Lanz stellt „die große Frage“: Mit wie vielen Milliarden haftet Deutschland nun schon für südeuropäische Schulden? Immerhin seien das „gigantische Summen“, sagt er nicht ohne eine gewisse Faszination. „Nicht immer vom Worst-Case-Szenario ausgehen“, rät der SPD-Politiker Oppermann. Die Situation sei zwar sehr ernst, aber man müsse verantwortlich mit ihr umgehen.

Die Journalistin Christiane Wirtz hat in ihrem Buch „Neben der Spur“ ihre psychische Erkrankung beschrieben. (Bild: ZDF/Screenshot)

Was bedeutet es aus Sicht der Psychologie, wenn sich Menschen auf vermeintliche nationale Heilsbringer wie Donald Trump verlassen? Der Psychiater und Theologe Manfred Lütz vergleicht die Situation Europas mit Kindern, die alleine gelassen wurden, weil die Eltern in eine Drogenkommune ziehen. Der amerikanische Schutz durch die NATO sei aber auch eine abnormale Situation für eigenständige Länder gewesen. Eine Veränderung stelle auch eine Chance dar, erwachsen zu werden. „Das ist manchmal auch sehr mühsam, als unsere Töchter erwachsen wurden zum Beispiel.“

Wie die Erkrankung an einer Psychose zu diesen Themen passen soll, erschließt sich nicht ganz. Über eine halbe Stunde hinweg kommt die Journalistin Christiane Wirtz schlicht gar nicht zu Wort, während die vier Männer hitzig diskutieren. Erst als sie danach offenherzig erklärt, wie aus dem Wunsch, die Wahrheit zu verändern, die Einbildung von alternativen Wahrheiten wurde, wird klar, was Psychosen mit der aktuellen politischen Lage zu tun haben.