GroKo-Studie: So reagierten Facebook-Fans von CDU und SPD auf Verhandlungen

Die Facebook-Fans der beiden Großparteien sind gespalten gegenüber den Koalitionsverhandlungen. (Bild: AP Photo/Markus Schreiber)

Verschwörungstheorien, AfD-Postings und Satire: Eine aktuelle Studie zeigt, wie Facebook-Fans der beiden Großparteien auf die Koalitionsverhandlungen reagierten.

Soziale Netzwerke sind aus dem politischen Tagesgeschehen nicht mehr wegzudenken. Nicht nur als offizielle Nachrichtenkanäle werden Facebook, Twitter & Co mittlerweile genutzt – sie geben auch interessante Einblicke in das Wähler- und Communityverhalten.

Das Münchner Start-up Crowdalyzer untersuchte, was Facebook-Fans von CDU und SPD während der GroKo-Verhandlungen bewegte. Wie „HuffPost“ berichtete, wurden über 4.080 öffentliche Facebook-Beiträge ausgewertet und auf oft vorkommende Textkombinationen hin analysiert. Die Studie stellt zwar kein repräsentatives Ergebnis dar, gibt jedoch ein Stimmungsbild der Online-Communitys der jeweiligen Wählergruppen wieder.


In beiden Lagern gab es einige Gemeinsamkeiten. Eines der Videos, das sowohl Fans der SPD-Facebook-Seite als auch jener der CDU beispielsweise häufig teilten, ist eine Aufnahme vom Auftritt von Martin Schulz vom 25. September 2017. Bei seiner Rede an diesem Tag hatte Schulz entschlossen angekündigt: „In eine Regierung von Angela Merkel werde ich nicht eintreten.“

Auch ein Beitrag der Satire-Website „Der Postillon“ war sowohl bei SPD- als auch CDU-Fans sehr beliebt. Darin wird Schulz zum „Minister für Verarsche, Wortbruch und Wählerbetrug“ gekürt.

Worin sich die beiden Gruppen deutlich voneinander unterschieden: Fans der CDU-Seite teilten häufig verschwörungstheoretische Artikel sowie rechtspopulistische Propaganda. So war zum Beispiel der russische Propagandakanal „Sputniknews“ prominent vertreten, der Sätze wie „Es ist schon fast zu spät für Deutschland“ skandierte. Auch rechtspolemische Inhalte wie ein Bild der Seite „Bürger sagen Nein“, das sich für die Abschiebung von kriminellen Flüchtlingen aussprach, wurden mehrfach geteilt. Häufig gab es bei den Postings keinen direkten thematischen Bezug zu den GroKo-Verhandlungen. Auffällig ist auch, dass im konservativen Lager häufig Beiträge von AfD-Politikern geteilt wurden. Bei den SPD-Fans hingegen waren verschwörungstheoretische Inhalte und rechtspopulistische Websites beziehungsweise Hassseiten nicht vertreten.

„Ich vermute, dass die meisten User dieser Community [SPD] sich in diesem Fall auf die Beiträge seriöser Medien konzentriert haben, da auch dort die mögliche Neuauflage der Großen Koalition stark kritisiert wurde“, meint Johanna Wild von Crowdalyzer. Wild weiter: „Sie scheinen die unseriösen Seiten als Ventil für Kritik und negative Gefühle nicht mehr zu ‚brauchen’, wenn sie das Gefühl haben, dass seriöse Medien ihre Ängste und Kritikpunkte aufgreifen.“