„Von Großmüttern bedient“


Qatar Airways ist erst seit Kurzem an American Airlines beteiligt – das hält den Chef der Wüsten-Airline jedoch nicht davon ab, kräftig über den US-Partner zu lästern. Auf einer Veranstaltung in Dublin sagte Akbar Al-Baker: Das Durchschnittsalter seiner Crew-Mitglieder betrage 26 Jahre, bei US-Airlines würden Passagiere dagegen „immer nur von Großmüttern bedient“.

Dass sich Al-Baker für diesen Satz „ohne jeden Vorbehalt“ entschuldigte, half wenig: American Airlines bezeichnete die Äußerungen als „sexistisch und diskriminierend“. Jill Surdek, Chefin der Flugbegleiter bei American Airlines, schrieb an ihre Mitarbeiter, der Spruch sei unglaublich beleidigend. „Sie waren sexistisch und diskriminierend gegenüber Älteren.“

Der harsche Wortwechsel befeuert einen Streit zwischen beiden Airlines, der eskaliert seit American im Juni die Absicht Qatars öffentlich gemacht hat, bis zu zehn Prozent der US-Airline erwerben zu wollen. American-Airlines-Chef Doug Parker bezeichnete den Annäherungsversuch von Qatar Airways als „im besten Fall irritierend, im schlechtesten Fall beunruhigend“.


Parker und die Chefs von Delta Air Lines und United Continental Holdings haben um Regierungsgespräche gebeten, um zu klären, inwieweit die nahöstlichen Flugriesen Qatar Airways, Emirates und Etihad Airways staatliche Hilfen genutzt haben, um in unfairer Weise auf dem US-Markt zu expandieren.

Die Pilotenvereinigung von Southwest Airlines sieht Washington nach Al-Bakers Anmerkung ebenfalls in der Pflicht: „Es ist Zeit, dass die US-Regierung dieser Art der Diskriminierung Einhalt gebietet und für die US-Luftfahrt einsteht“, heißt es in einer Stellungnahme.


Qatar Airways bräuchte die Zustimmung des American-Verwaltungsrats, um einen Anteil an der Airline mit Sitz in Fort Worth, Texas, zu erwerben, der 4,75 Prozent übersteigt. Qatar Airways und American sind über die Oneworld-Allianz miteinander verbunden.

Unterdessen hat American Airlines ein Abkommen über Gemeinschaftsflüge mit Qatar Airways gekündigt, wie die US-Fluggesellschaft mitteilt. Auch ein vergleichbarer Vertrag über die sogenannten Codeshares mit der Fluggesellschaft Etihad aus Abu Dhabi sei ausgesetzt. „Sie wollen Qatar nicht bei American“, interpretiert Luftfahrtberater George Hamlin den Schritt. Qatar besitzt 20 Prozent am Dachkonzern von British Airways IAG, mit dem American ein Joint Venture betreibt.


Ablehnende Haltung gegenüber „illegalen Subventionen“

Mit dem Schritt unterstreiche man seine ablehnende Haltung gegenüber den „illegalen Subventionen“, die diese Airlines von ihren Heimatstaaten erhalten würden. Ein Vorwurf, den Qatar Airways und Etihad stets zurückwiesen. Bei Codeshares buchen Fluglinien die Passagiere auf Partner. Dadurch können die Airlines zusammen mehr Ziele anbieten und die Auslastung steigern.

Der geplante Einstieg der staatseigenen Qatar Airways kommt inmitten des Streits zwischen Katar und seinen Nachbarn. Saudi-Arabien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain haben das Land wegen des Vorwurfs der Terrorismus-Unterstützung isoliert. Sie stellten Verkehrsverbindungen nach Katar ein und schlossen den Luftraum für Flugzeuge des Landes.


Bislang haben American Airlines sowie die Konkurrenten United Continental und Delta Air Lines versucht, Druck auf die US-Regierung auszuüben, Flüge von Qatar Airways, Emirates Airline und Etihad Airways in die USA zu begrenzen. Sie werfen den Airlines vom Golf vor, Milliarden an staatlichen Subventionen erhalten zu haben.