Großer Kampf der Kleinen

Die Spitzenkandidaten von FDP, Linke, Grünen, CSU und AfD stellten sich den Fragen in einer Fernsehdebatte – und stritten tatsächlich. Anders als bei Merkel und Schulz kam es tatsächlich zu Diskussionen.


Die Kandidaten der kleineren Parteien haben sich die bei Merkel und Schulz vermisste Auseinandersetzung geliefert und um Platz drei im Bundestag gekämpft. Dietmar Bartsch (Linke), Katrin Göring-Eckardt (Grüne) und Alexander Dobrindt (CSU) starteten beim ZDF. Ihnen folgten Sahra Wagenknecht (Linke), Cem Özdemir (Grüne), Joachim Hermann (CSU), Christan Lindner (FDP) und Alice Weidel (AfD) in der ARD.

Hier erwartete die Spitzenkandidaten eine Debatte „ohne Regeln“. Frei nach dem Motto „Mal schauen, was passiert“ provozierte das Moderatoren-Duo die fünf Politiker mit Fragen zu Digitalisierung, Bildung, Rente, Mietpreisen, Euro-Rettung, Flüchtlingen, Innerer Sicherheit, Gefährdern und dem Diesel-Gipfel. Eine Vielzahl von Themen, die in wenig Sendezeit gepresst werden musste.

Die Folge: Nicht jeder Politiker durfte zu allen Themen-Bereichen Stellung nehmen. „Darf ich denn jetzt auch noch was zur Digitalisierung sagen?“, schob sich Grünen-Kandidat Özdemir dazwischen. Und auch FDP-Chef Lindner hätte sich gerne noch zum Euro geäußert. „Nein, wir haben noch viele Themen. Weiter geht’s“, sagten die Moderatoren und sprangen zwischen den Fragenbereichen hin und her. Trotz knapp bemessener Redezeit schafften es die Kandidaten, ihre Positionen darzustellen und kleine Seitenhiebe an ihre Konkurrenten zu verteilen. Anders als zuvor erwartet hatte AfD-Kandidatin Weidel gegen Ende der Diskussion am wenigsten Redezeit auf ihrem Konto verbucht, danach folgte – nächste Überraschung – FDP-Kandidat Lindner.


Mitten im Duell testete die ARD ein neues Format: Die Spitzenpolitiker durften jeweils einem anderen Kandidaten eine Frage stellen. Die beiden Vertreterinnen der politischen Extreme befragten sich gegenseitig. Die Frage, wie Wagenknecht zur Forderung nach offenen Grenzen stehe, ging fast in Weidels Einleitung unter: „Sie sind ja der einzige vernunftbegabte Mensch in Ihrer Partei.“ „Ihr Lob können Sie sich schenken, Frau Weidel“, sagte Wagenknecht und beantwortete die Frage, um dann ihrerseits nachzulegen. Sie fragte die AfD-Politikerin, wie sie zu den „Halbnazis“ in ihrer Partei stehe. Das seien Einzelfälle, so Weidels Antwort.

Lindner fragte Özdemir über Putin aus, der Grünen-Politiker stritt sich mit Herrmann über Kohlekraftwerke. Ein buntes Meinungsbild, das aber schnell ein Ende fand. Noch viel weniger Zeit hatten die Kandidaten im kleineren Dreier-Duell im ZDF. In 45 Minuten Sendezeit wollte der Sender die Themen Integration, Wirtschaftspolitik, Soziales und Innere Sicherheit unterbringen – und auch noch aktuell auf den Diesel-Gipfel Bezug nehmen. „Gut, dass wir den Verkehrsminister heute hier haben“, so der Moderator.


Kandidat Bartsch befürchtete, dass der Verkehrsminister bei diesem Thema „hier jetzt wegverhaftet wird“, behielt mit seiner Aussage dann aber doch Unrecht. Dobrindt versprach, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Grünen-Kandidatin Göring-Eckardt sei „da ja mal gespannt“ und unterbrach den Verkehrsminister in seiner Antwort. Ein roter Faden, der sich wie kein anderer durch das ZDF-Duell des Abends zog. Die Kandidaten unterbrachen sich gegenseitig und redeten teilweise alle zeitgleich, doch wenigstens hatten sie sich Meinungen an den Kopf zu werfen – was bei Merkel und Schulz schmerzlich vermisst worden war.