Riesenandrang zum Karnevalsauftakt in Köln

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Köln (dpa) - Trotz hoher Corona-Inzidenzen ist um 11.11 Uhr die neue Karnevalssaison mit Tausenden Feiernden eröffnet worden. In Köln, wo der elfte Elfte traditionell besonders groß begangen wird, war der Andrang enorm.

Das löste auch Kritik aus: In sozialen Medien kursierte ein Video des «Kölner Stadt-Anzeiger», das eine Menschenmenge im Hotspot Zülpicher Straße beim Countdown zeigt. «Alaaf! Heute als "Sexy Krankenschwester" auf der Zülpicher Straße, an Weihnachten als "Sexy Intubierte" in der Uniklinik», kommentierte der Satiriker Jan Böhmermann bei Twitter. «Lockdown Alaaf!», schrieb Comedian Oliver Pocher.

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker verteidigte den Karnevalsauftakt. «Was wäre denn, wenn wir gesagt hätten: Wir machen das wie im vorigen Jahr, es wird kein Karneval gefeiert?», fragte die parteilose Politikerin. «Ich bin der festen Überzeugung, das wäre uns in diesem Jahr nicht gelungen.» Die Menschen hätten sich das nicht gefallen lassen, sagte Reker. Denn mittlerweile seien die meisten geimpft.

«Andrang ist groß, aber beherrschbar»

In den Feierzonen in der Kölner Altstadt und in der Zülpicher Straße galt zudem 2G: Nur Geimpfte und Genesene hatten Zutritt. «Der Andrang ist groß, aber beherrschbar», sagte ein Sprecher der Stadt Köln. «Es ist Druck auf den Schleusen.» Am Nachmittag war die Zone rund um die Zülpicher Straße voll. Vereinzelt seien Personen dort unkontrolliert in den abgesperrten Bereich gelangt, sagte ein Polizeisprecher. Ein Randalierer und ein Exhibitionist seien in Gewahrsam genommen worden.

Der Sänger Peter Brings von der gleichnamigen Kölschrock-Band sagte, man habe Corona irgendwo im Kopf, aber er hoffe, dass trotzdem alles gut gehe. «Wir müssen lernen, damit zu leben. Ich glaub: Wir werden noch viel kränker, wenn wir einfach in unseren Buden sitzen bleiben», sagte Brings im WDR Fernsehen. «Da geht die Seele kaputt. Meine zumindest.» Allerdings habe er den Rat: «Vielleicht dieses Jahr nur den Partner knutschen!»

Positive Bilanz - Lage hat sich entspannt

Am Abend zog die Stadt Köln eine positive Zwischenbilanz des Sessionsauftakts. «11.11. verläuft bislang ruhig», meldete die Stadtverwaltung. Die Lage in der Altstadt habe sich entspannt. Trotz des großen Andrangs hätten die Einlasskontrollen gut funktioniert und für die Feiernden sei auch an den Hotspots auf Heu- und Alter Markt ausreichend Platz geblieben.

Der Rettungsdienst der Stadt Köln meldet für die Altstadt und das Zülpicher Viertel bis 18.00 Uhr nur 92 Einsätze - weitaus weniger als in den Vorjahren. Ähnlich positiv fiel die Bilanz der Malteser aus. «Wir hatten bisher nur 30 kleinere und größere Blessuren an unseren fünf Unfallhilfsstellen zu behandeln», berichtete der Malteser-Einsatzleiter Alexander Quantius am Nachmittag - auch hier war die Zahl der Hilfesuchenden damit deutlich geringer als bei der letzten Sessionseröffnung noch vor Corona im Jahr 2019.

Prinz Sven I. mit Corona infiziert

Bei den Feierlichkeiten in Köln fehlte die Hauptperson: Prinz Sven I. hatte sich kurz zuvor mit Corona infiziert. Das Dreigestirn, bestehend aus Prinz, Bauer und Jungfrau, sagte daraufhin alle Termine für die nächste Zeit ab. Stattdessen trat auf der großen Bühne in der Altstadt um 11.11 Uhr das Kinderdreigestirn auf.

Karl Lauterbach rief erneut dazu auf, Karnevalsveranstaltungen in Sälen abzusagen. «Ich will niemandem die Laune verderben», sagte der SPD-Politiker und Gesundheitsexperte im WDR Fernsehen. Es gelte aber: «Jede Innenraum-Veranstaltung, die abgesagt wird, ist eine gute Absage, weil im Moment steigen die Fallzahlen so stark, dass auch die Geimpften gefährdet sind, geschweige denn die Ungeimpften.»

Auf dem Rathausplatz in Düsseldorf verfolgten etwa 3000 Zuschauer das traditionelle Hoppeditz-Erwachen. Besonders Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU), der auf dem Balkon des Rathauses zuhörte, bekam dabei sein Fett weg. Auch gegen Impfgegner und Verschwörungstheoretiker teilte der Hoppeditz in seiner satirischen Rede aus.

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