Die große Show in San Francsico


Die Straßen von San Francisco kennen viele spätestens seit der gleichnamigen Fernsehkrimiserie in den Siebziger Jahren: hügelig, steil und schwer zu befahren. Über die Strecken kutschierte General Motors am vergangenen Donnerstag Dutzende von Analysten und Journalisten, jeweils 15 bis 20 Minuten lang, mit Roboter-Fahrzeugen. Am Steuer saß nur aus Sicherheitsgründen ein Mensch. Die Strecke ging vorbei an „komplexen Kreuzungen, Baustellenmaschinen, zweiter Reihe geparkten Autos, einer Grundschule und einem Spielplatz“, wie Analyst Arndt George Galliers von ISI Encore berichtet.

Mit dem Ergebnis kann General Motors zufrieden sein. Die selbstfahrenden Chevy Bolt bauten keinen Unfall, meisterten fast alle Situationen von allein. „Die Technik kommt viel schneller, als alle denken“, kommentierte Dan Amman, Präsident von General Motors, stolz die Testfahrten. 


Allerdings zeigten sich Teilnehmer weniger euphorisch: Die GM-Autos fuhren extrem vorsichtig, blieben zur Frustration von anderen Verkehrsteilnehmern lange stehen und legten in der Gesamtzeit nur etwas mehr als drei Kilometer zurück. Analyst Galliers beschrieb die Erfahrung als „alles andere als fehlerfrei“, vergab 5,5 von zehn möglichen Punkten: „Offensichtlich ist noch viel Arbeit zu tun.“ Auch die Anleger zeigten sich wenig beeindruckt, die Aktie verlor seit der Präsentation in den vergangenen zwei Börsentagen rund acht Prozent an Wert.

Insgesamt sind die „selbstfahrenden GM-Autos der zweiten Generation“ mit 40 Sensoren ausgerüstet, darunter 14 Kameras, zehn Ultraschall-Sensoren, acht Radars und fünf lasergestützten Systemen. Insgesamt konnte Analyst Galliers bei GM keinen Vorsprung in Sachen selbstfahrender Fahrtechnik vor der Konkurrenz ausmachen. Allerdings sei der Hersteller besser in der Batterie- und Elektroantriebstechnik sowie in der Massenproduktion bei den Roboter-Autos vorbereitet.

Schlagzeilen machte GM in San Francisco mit der Ankündigung, 2019 Roboter-Taxen auf die Straße schicken und in hoher Stückzahl produzieren zu wollen. Laut Finanzvorstand Chuck Stevens belaufe sich der Gesamtmarkt für selbstfahrende Fahrdienste 2025 „auf mehrere hundert Milliarden Dollar“ und verspreche Gewinnmargen von 20 bis 30 Prozent – GM erzielt derzeit 7,5 Prozent. Bislang belaufen sich die Kosten bei Fahrdiensten Lyft und Uber auf 2,50 Dollar pro gefahrene Meile, am teuersten sind dabei die Fahrer. Laut Stevens könne der Wert 2025 durch die Roboterautos auf weniger als einen Dollar pro Meile fallen. 


Laut GM-Präsident Amman ist das Geschäftsfeld vielversprechend, könne in einem Jahrzehnt die höchsten Gewinne im Konzern einfahren. GM würde statt wie bislang 30.000 Dollar gleich mehrere hunderttausend Dollar pro Fahrzeug einnehmen: Der Autohersteller würde nicht mehr einmalig das Fahrzeug verkaufen – wie bislang –, sondern über die gesamte Lebenszeit des Roboter-Taxis Geld einsammeln.

Allerdings widerspricht sich das mit anderen Aussagen von GM. Manager berichteten Analyst Galliers, dass der Konzern „darauf vorbereitet sei, die Fahrzeuge mit Verlusten zu betreiben, um Marktanteile zu gewinnen und eine uneinnehmbare Position aufzubauen“. Laut GM offerieren die bisherigen Fahrdienste ein „undifferenziertes Produkt“, die Kunden könnten leicht wechseln und Kostenkurve sei statisch. Das sei anders bei den „Fahrdiensten 2.0“ – wozu GM gehören will. Dort würden die Markteintrittsbarrieren hoch liegen und die Kostenkurve fallen. „Es bleibt abzuwarten, ob das wirklich stimmt“, schreibt Galliers.

Vorsichtig zeigt sich auch Analyst Adam Jonas von Morgan Stanley. Die „aggressiven Annahmen hinsichtlich der Marktdurchdringung von vollständig autonomen Autos“ von Investoren seien zu optimistisch. Zwar sei die Technik insgesamt sicherer, Todesopfer aber nicht ausgeschlossen. Gesetzliche Auflagen und juristische Rahmenbestimmungen sowie „moralische und ethische“ Überlegungen könne man einfach nicht berechnen. Das seien aber die „wichtigsten Torwächter für die Adoption von vollständig autonomen Autos“.