Große Mehrheit der Bürger findet aktuelle Vermögensverteilung ungerecht

Eine große Mehrheit der Bevölkerung findet die aktuelle Vermögensverteilung in Deutschland ungerecht und fordert mehr Ausgaben für Bildung und Soziales. Nach einer am Dienstag vorgestellten Erhebung des Paritätischen Wohlfahrtsverbands und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wünschen sich 84 Prozent der Befragten ein stärkeres Engagement des Staates bei der Bekämpfung der Altersarmut. Auch bei der Pflege (77 Prozent) und bei Hilfen für benachteiligte Kinder und Jugendliche (72 Prozent) wird großer Handlungsbedarf gesehen.

"Die Menschen wollen in ganz großer, parteiübergreifender Mehrheit eine solidarische Steuerpolitik, die Reiche stärker zur Verantwortung für dieses Gemeinwesen heranzieht und den Staat wieder in die Lage versetzt, in das Soziale zu investieren", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, Ulrich Schneider, in Berlin.

Auf dem Feld des Sozialen, in der Bildung und der Wohnungspolitik wird der Erhebung zufolge von Anhängern aller Parteien mit Ausnahme der FDP besonders dringlicher Investitionsbedarf gesehen. Selbst bei den Unions-Anhängern betrage die Zustimmungsrate für höhere Steuern 74 Prozent und liege damit deutlich höher als noch vor der Bundestagswahl 2013.

Drei Viertel der Befragten sind demnach der Auffassung, Menschen mit sehr hohen Einkommen und großen Vermögen sollten mehr Steuern zahlen, um mehr Geld für diese und andere öffentliche Aufgaben zur Verfügung zu haben. Unter denen, die eine stärkere Besteuerung sehr hoher Einkommen und Vermögen befürworten, würden 77 Prozent die Vermögensteuer und 67 Prozent die Einkommensteuer erhöhen. Ausschließlich die Anhänger der FDP lehnen entsprechende Steuererhöhungen mehrheitlich ab.

"Wenn wir die Zukunft gestalten wollen, brauchen wir eine bessere staatliche Einnahmebasis durch mehr Steuergerechtigkeit", erklärte der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske. "Deutschland muss nach der Bundestagswahl aufhören, Steueroase für große Vermögen und reiche Erben zu sein."

Für die repräsentative Umfrage im Auftrag des Paritätischen Gesamtverbands befragte das Institut Kantar Public 1005 wahlberechtigte Erwachsene in Deutschland. Bereits im Jahr 2013 war der Verband in einer Erhebung der Frage nachgegangen, wie die Bevölkerung zur Vermögensverteilung in Deutschland steht.