Der große Knipser-Vergleich: Warum Werner die Nase vorn hat

Maximilian Schwoch

Ein neuer Torjäger mischt die Bundesliga auf.

Mit Erling Haaland verpflichtete Borussia Dortmund nicht nur einen zweiten Mittelstürmer, der 19 Jahre alte Norweger soll mit seinen Knipser-Qualitäten der Offensive einen Schub geben – und dafür sorgen, dass Dortmund trotz einem Rückstand von sieben Punkten auf Tabellenführer RB Leipzig weiter ein Titelkandidat bleibt.  

Haaland wird sich in der Rückrunde mit den Torjägern der anderen Meisterschaftsaspiranten duellieren. Ob Leipzigs Timo Werner, Robert Lewandowski vom FC Bayern München oder Breel Embolo von Borussia Mönchengladbach – sie alle haben eins gemeinsam: Ihre Tore sollen den Unterschied machen.


Wer ist fit, wer ist in Form? Wo liegen die Stärken und Schwächen? Und wie war die bisherige Ausbeute? Zum Start der Rückrunde vergleicht SPORT1 die vier Knipser.

Hinrunde

Lewandowki war der Dominator der Hinrunde. Der Pole befindet sich mit 31 Jahren in der Form seines Lebens. 19 Tore steuerte er allein in der Bundesliga in 17 Partien bei, jagt den Rekord von Gerd Müller. In den ersten elf Saisonspielen traf Lewandowski am Stück, blieb überhaupt nur vier Mal ohne Treffer. Bezeichnenderweise verlor der Rekordmeister zwei dieser Spiele.

Während zu Beginn der Saison alles nur über Lewandowski sprach, schwamm Werner so ein bisschen unter dem Radar. Erst ab dem zehnten Spieltag drehte der Nationalspieler so richtig auf, erzielte seitdem zwölf seiner 18 Saisontore. Die Torjägerkanone ist für Lewandowski alles andere als ein Selbstläufer, der jüngere Trend spricht sogar für Werner.

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In den Kampf um die Torjägerkanone der Bundesliga kann Haaland wohl nicht mehr eingreifen. In der Hinrunde ging der Norweger noch für Red Bull Salzburg auf Torejagd. 16 Treffer steuerte er in Österreich für die Salzburger bei – in nur 14 Partien.

Natürlich ist es schwer vorauszusagen, ob Haaland in der Bundesliga auf Anhieb ähnlich liefern kann. Die Dortmunder bitten um Geduld bei ihrem Sturmjuwel. Dass Haaland allerdings auch auf höchstem Niveau treffen kann, bewies er in der Champions League. Acht Tore erzielte er in der Gruppenphase für Salzburg, nur Lewandowski traf zweimal mehr.


Im Schatten der Torjäger steht Embolo. Der Schweizer traf in der Hinrunde "nur" sechsmal für die Gladbacher. Der Kader von Marco Rose gibt aktuell keinen Super-Knipser her. Das braucht er aber auch gar nicht. Die Fohlen kommen über das Kollektiv, haben mehrere treffsichere Offensivspieler in ihren Reihen, sind so schwer ausrechenbar.

Für Embolo selbst war der Wechsel von Schalke nach Gladbach genau der richtige Schritt. Er ist erstmals seit langem größtenteils verletzungsfrei, genießt das Vertrauen des Trainers. Und das merkt man. Er spielt befreit auf und hat mit seinen sechs Treffern schon jetzt seine persönliche Bestmarke in der Bundesliga aufgestellt.

Spielentscheidende Treffer

Lewandowski war vor allem zu Beginn der Hinrunde der Mann für die wichtigen Tore beim Rekordmeister. Beim 2:2-Auftakt gegen Hertha sorgte er mit seinem zweiten Treffer für den Ausgleich, eine Woche später schoss er Schalke mit drei Treffern im Alleingang ab.

Auch bei den Siegen gegen den 1. FC Köln und den BVB sorgte der Pole für die Führung und legte jeweils gleich noch nach. Beim 2:2 beim FC Augsburg rettete er den Bayern zudem einen Punkt. Ohne die Treffer Lewandowskis stünde Bayern in der Tabelle bedeutend schlechter da als auf Rang drei.

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Gleiches gilt für Werner. Der 23-Jährige trifft nicht nur nach Belieben, sondern oft auch genau dann, wann er gebraucht wird. Gegen Eintracht Frankfurt markierte er beim 2:1-Sieg den Dosenöffner, gleiches gilt für den 4:1-Sieg gegen Köln.

Beim 4:2-Sieg über Hertha markierte Werner unter anderem den zwischenzeitlichen Ausgleich, das gelang ihm auch beim 3:3 beim BVB. Nach 0:2-Rückstand traf Werner doppelt und war damit maßgeblich am Punktgewinn beteiligt.

In Gladbach schoss Werner alle drei Tore zum 3:1-Sieg. Gegen Mainz steuerte er beim 8:0 zu Beginn zwar nur das 2:0 bei, legte aber das 1:0 und das 3:0 auf. Insgesamt markierte Werner in diesem Spiel drei Treffer und drei Assists.

Auch Haaland entschied mit seinen Toren einige Spiele für Salzburg. In beiden Spielen gegen den Wolfsberger AC steuerte er jeweils drei Treffer bei, auch gegen den SKN St. Pölten schoss er unter anderem das wichtige 1:0. Im Vergleich zu Werner und Lewandowski kann Haaland in dieser Kategorie allerdings nicht ganz mithalten.


Embolo hängt in dieser Kategorie ebenfalls deutlich zurück. Lediglich gegen den SC Freiburg waren seine Tore maßgeblich für den 4:2-Sieg der Gladbacher. Mit dem 2:1 brachte er die Fohlen auf die Siegerstraße, markierte zudem den Endstand.

Stärken und Schwächen

Diese Kategorie ist bei Lewandowski relativ schnell abgehakt. Der Pole kann nahezu alles. Er ist robust im Zweikampf, kopfballstark, zudem gut am Ball und gut im Kombinationsspiel der Bayern integriert. Sogar als Freistoßschütze sind seine Qualitäten gefürchtet. Für viele verkörpert Lewandowski den perfekten Neuner.

Einziges kleines Defizit ist sein Tempo. Mit seinen 31 Jahren fehlt dem Bayern-Stürmer so ein wenig die Spritzigkeit. Dieses Manko macht er aber durch seine anderen Qualitäten mehr als wett.

Schnelligkeit ist dagegen der Trumpf seines Konkurrenten. Werner ist der dynamischste der Top-Torjäger, schafft durch seine Läufe in die Tiefe immer wieder gefährliche Räume und hebelt so die Defensive des Gegners aus.

Als Problem Werners galt bisher, dass der Stürmer sich gegen tiefstehende Mannschaften schwer tat. Doch in dieser Hinsicht hat er sich gewandelt, kommt immer besser im Ballbesitz-System von Trainer Julian Nagelsmann zurecht. "In Leipzig habe ich ja schon oft gezeigt, dass ich gegen tiefstehende Mannschaften treffen und mich in engen Räumen gut bewegen kann", erklärte er in der Bild. Auch in Sachen Robustheit hat sich das frühere Leichtgewicht verbessert.

Mit seinen 1,94 Metern ist Haaland auf dem Platz nicht nur eine Erscheinung, er bringt auch trotz seiner erst 19 Jahre eine beeindruckende Physis mit. Er ist wuchtig, jedoch trotz seiner Größe auch erstaunlich wendig und technisch beschlagen.

Wegen dieser Qualitäten ist er kaum vom Ball zu trennen, was dem BVB-Spiel in der Offensive neue Möglichkeiten eröffnet. Zudem überzeugt er mit gutem Positionsspiel und starken Laufwegen.

Trotz seiner Größe zählt Haaland allerdings nicht als Kopfballungeheuer. Auch in Sachen Schnelligkeit hat der Sturmtank Defizite.


Wenn man Gladbach-Trainer Marco Rose auf die Stärken Embolos anspricht, zeigt sich dieser beeindruckt. "Er hat eine richtig starke Technik und für seinen Körper eine tolle Dynamik", erklärte Rose bei SPORT1.

Embolo kommt in erste Linie über seine körperliche Präsenz. Trotz seiner 1,87 Meter ist er erstaunlich schnell und wendig. Schwächen sucht man auf den ersten Blick vergebens, er habe aber noch viel Luft danach oben, erklärte Rose. "Bei ihm geht es darum, dass wir seine Stärken auf den Punkt zusammenbringen."

Fitness/Form

Hier steht vor allem hinter Lewandowski und Haaland ein Fragezeichen. Der Pole wurde nach Hinrundenende an der Leiste operiert, flog nicht mit ins Trainingslager. Erst vor wenigen Tagen stieg er ins Mannschaftstraining ein, sollte gegen Hertha allerdings zur Verfügung stehen. Bis zur vollständigen Fitness wird es aber noch dauern.

Auch Haaland ist noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Er stieg verspätet ins Training der Dortmunder ein, klagte zuletzt immer wieder über Knieprobleme. Ob ihn Favre gleich zu Beginn gegen Augsburg spielen lässt, ist offen - zumal Haaland zunächst Favres System und das Zusammenspiel mit den Teamkollegen verinnerlichen muss.

In Sachen Fitness liegt der Vorteil aktuell bei Werner und Embolo. Während der Leipziger dauerfit ist, fiel Embolo im Herbst mit einem Muskelfaserriss aus. Gegen Hinrundenende meldete sich der Schweizer aber wieder gesund und absolvierte wie Werner das Trainingslager ohne Probleme.

Die Form zum Ende der Hinrunde spricht für Werner: Während der Leipziger wie am Fließband traf, ging Haaland und Lewandowski Ende des Jahres ein wenig die Luft aus - beide waren allerdings auch angeschlagen.