Großbritannien auf Partnersuche


Nach dem Brexit ist vor der EU: Auf der Suche nach neuen Partnern rund um die Welt richtet Großbritannien seinen Blick jetzt in die Ferne. Das Land liebäugelt mit einem Beitritt zu der Transpazifischen Partnerschaft (TPP). Der für Handel zuständige Staatssekretär Greg Hands betonte in der „Financial Times“, dass man sich bei derartigen Überlegungen nicht davon abschrecken lasse, dass andere Mitgliedsländer des Handelsbündnisses weit entfernt von Großbritannien lägen.

Zu den elf Mitgliedern, die sich im vergangenen Jahr nach siebenjährigen Verhandlungen auf TPP geeinigt hatten, zählen unter anderem Kanada, Japan, Australien, Neuseeland, Mexiko und Singapur. Großbritannien wäre das einzige Mitglied des Handelsbündnisses, das nicht im Pazifischen Ozean oder der Südchinesischen See liegt. Die USA hatten eigentlich auch beitreten wollen, doch US-Präsident Donald Trump machte vergangenes Jahr einen Rückzieher.

Die verbleibenden Mitglieder verständigten sich darauf, ihre Partnerschaft voranzutreiben und arbeiten nun an der Fortführung des TPP als CPTPP (Comprehensive and Progressive Trans Pacific Partnership). Es sei daher „viel zu früh“, um Beitrittspläne Großbritanniens zu diskutieren, zitiert die „Financial Times“ einen Vertreter des TPP.


Für die britische Exportwirtschaft hätte das Bündnis allerdings bei weitem nicht die Bedeutung, welche die EU hat: Gerade einmal acht Prozent der britischen Exporte gingen zuletzt in die elf TPP-Länder. Im Vergleich dazu gehen allein elf Prozent der Ausfuhren von der Insel nach Deutschland. Als EU-Mitglied darf Großbritannien keine derartigen Handelsabkommen unterzeichnen. Doch nach dem Brexit im März 2019 wollen die Briten rund um den Globus neue Partnerschaften schließen, um die zu erwartenden Exportrückgänge durch den EU-Austritt auszugleichen.

Bislang sind die Reaktionen der anderen Länder auf die Avancen der Briten zurückhaltend. Selbst aus den USA, zu denen Großbritannien eine „spezielle Partnerschaft“ pflegt, wurde den Hoffnungen der Briten auf florierende Geschäfte mit Amerika ein Dämpfer verpasst. Bei einem Besuch in London im November machte der amerikanische Handelsminister Wilbur Ross in einer Rede vor Wirtschaftsvertretern klar, dass schwierige Verhandlungen bevorstehen.

So verteidigte er die Entscheidung des US-Präsidenten, Strafzölle für Bombardier einzuführen. Der kanadische Flugzeughersteller lässt viele Teile im nordirischen Belfast herstellen, daher stehen bei derartigen Maßnahmen auch zahlreiche britische Arbeitsplätze auf dem Spiel. Das Vorgehen gegen Bombardier hatte die Beziehungen zwischen Großbritannien und den USA auf eine harte Probe gestellt. „Selbst unsere besten Freunde müssen sich an die Regeln halten“, betonte Ross und sorgte damit für besorgte Mienen bei den Wirtschaftsvertretern. Auch die Aussicht, dass nach einem Handelsabkommen mit den USA in britischen Supermarktregalen „Chlorhühnchen“ liegen könnten, bereitet vielen Briten Unbehagen.