Großbritannien hat künftig eine "Ministerin für Einsamkeit"

Einsamkeit als Regierungsaufgabe

Mit dem Brexit steht es wohl nicht im Zusammenhang: Großbritannien hat künftig eine "Ministerin für Einsamkeit". Premierministerin Theresa May gab am Mittwoch bekannt, dass die Staatssekretärin für Sport und Ziviles, Tracey Crouch, die Aufgabe übernehmen soll, der zunehmenden Vereinsamung von wachsenden Teilen der Bevölkerung entgegen zu wirken. May sprach von einer "traurigen Realität des modernen Lebens", die Millionen Menschen betreffe.

Nach Angaben des Roten Kreuzes sagen mehr als neun Millionen Briten, dass sie sich immer oder häufig einsam fühlen. Großbritannien hat 65,6 Millionen Einwohner. May hat mit der Maßnahme nach eigenen Worten vor allem Senioren, Pflegende und solche Menschen im Auge, die den Verlust eines ihnen nahe stehenden Menschen betrauern - "Menschen, die niemanden haben, mit dem sie reden oder ihre Gedanken und Erfahrungen teilen können", sagte die Regierungschefin.

Das Rote Kreuz spricht im Zusammenhang von Einsamkeit und Isolation von einer "Epidemie im Verborgenen", die Menschen aller Altersstufen und in den unterschiedlichsten Lebensphasen treffen könne - sei es nach dem Ausscheiden aus dem Job, nach Trennungen oder bei Trauerfällen.

Mit der Ernennung folgte May der Forderung eines Komitees, das die Erinnerung an die ermordete Labour-Politikerin Jo Cox wach hält. Die 41-jährige Unterhaus-Abgeordnete und Mutter zweier kleiner Kinder war Mitte Juni 2016 im nordenglischen Birstall auf offener Straße getötet worden. Der Angreifer rief bei der Tat Slogans der EU-Gegner. Cox hatte sich vehement für einen Verbleib ihres Landes in der EU ausgesprochen.