Großbritannien bremst grüne RWE-Tochter aus


Am vergangenen Mittwoch mag Innogy-Chef Peter Terium etwas neidisch auf Eon geschaut haben: Konkurrent Johannes Teyssen konnte für das erste Halbjahr einen Überschuss von vier Milliarden Euro präsentieren. Eon durfte sich dabei über eine Sonderzahlung von drei Milliarden Euro freuen, weil der Bund die zu Unrecht kassierte Atomsteuer zurückerstattete.

Solch einen Sondereffekt hatten Terium und Innogy nicht zu verbuchen. Das Nettoergebnis ging sogar zurück – um 24 Prozent auf 817 Millionen Euro. Um Sondereffekte bereinigt legte das Nettoergebnis aber immerhin um 16 Prozent auf 857 Millionen Euro zu.


Im operativen Geschäft konnte Innogy – im Gegensatz zu Konkurrent Eon – dabei zulegen. Während dessen Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um zwölf Prozent gesunken war, steigerte Innogy das Ebit um vier Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Schwach laufen die Geschäfte aber weiter in Großbritannien.

Das Unternehmen bestätigte den Ausblick, nachdem das Ebit im Gesamtjahr um sechs Prozent auf rund 2,9 Milliarden Euro steigen soll. Das bereinigte Nettoergebnis, an dem Innogy die Dividende bemisst, soll um mindestens sieben Prozent auf mehr als 1,2 Milliarden Euro zulegen.

Konzernchef Terium zeigte sich zufrieden: „Wir halten Kurs, wie wir es versprochen haben", sagte er: „Der Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr entwickelt sich entsprechend unserer Prognose für das Gesamtjahr 2017, die wir sowohl auf Konzernebene als auch auf Ebene der Unternehmensbereiche aus heutiger Sicht bestätigen.“ Die Ergebnisse lagen auch im Rahmen der Erwartungen der meisten Analysten.


Innogy und Eon sind nach der Neuordnung des deutschen Energiemarktes direkte Konkurrenten. Innogy übernahm bei der Aufspaltung von RWE das Geschäft mit der Energiewende, also erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze. Das ist exakt das Kerngeschäft, das auch Eon bei der eigenen Aufspaltung behalten hat. Während RWE selbst das alte Geschäft mit den Kohle- und Gaskraftwerken und den Großhandel behielt, gab Eon dieses an das neue Unternehmen Uniper ab.

Bereinigt um den Sondereffekt aus der Atomsteuer fiel auch bei Eon das Nettoergebnis mit 880 Millionen Euro bescheidender aus, lag aber immerhin um 46 Prozent höher als im Jahr zuvor. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern ging um zwölf Prozent auf 1,8 Milliarden Euro zurück.


Scharfer Wettbewerb im britischen Markt wird zur Last


Eon und Innogy sind nicht nur auf dem Heimatmarkt direkte Konkurrenten, sondern auch auf ihrem wichtigsten Auslandsmarkt Großbritannien. Und beide kämpfen dort mit schwierigen Rahmenbedingungen, der Wettbewerb ist hart und die Regulierung scharf.

Eon hatte dort im vergangenen Jahr mehrere hunderttausend Kunden verloren, sich zuletzt aber wieder stabilisiert. Innogy hatte schon zum ersten Quartal eingeräumt, dass sich die Aussichten auf dem britischen Markt wieder verschlechtert haben. Nach dem ersten Halbjahr lag das Ebit in Großbritannien mit zwölf Millionen Euro im Minus und damit um fast 100 Millionen Euro niedriger als ein Jahr zuvor.

Für Innogy ist der scharfe Wettbewerb auf dem wichtigen britischen Markt besonders problematisch, weil das Unternehmen dort seit zwei Jahren schon mit hausgemachten Problemen zu kämpfen hat. Die britische Tochter hatte massive Probleme bei IT und Kundenservice und schon damit viele Kunden verprellt, das dortige Management ausgetauscht und eine Sanierung eingeleitet. Das Restrukturierungsprogramm kommt zwar voran, die Tochter wird aber jetzt später als erwartet wieder ordentliche Gewinne abliefern können. Die Wettbewerbssituation bleibe „durch den intensiven Wettbewerb und politischen Druck angespannt“, erklärte das Unternehmen. Innogy rechnet deshalb auch für das Gesamtjahr nicht mit einem positiven Ergebnis.


Weil es auch in den Niederlanden schlecht läuft, blieb das Ergebnis im Unternehmensbereich Vertrieb insgesamt mit 588 Millionen Euro um acht Prozent unter dem Vorjahreswert. Dabei konnte Innogy auf dem Heimatmarkt deutlich zulegen.

Auch im Bereich erneuerbare Energien ging das Ebit um 18 Prozent auf 179 Millionen Euro zurück. Die Windanlagen waren schlicht schlechter ausgelastet, weil zum Jahresbeginn weniger windig war als sonst üblich.

Erfreulich verlaufen die Geschäfte im Konzern dagegen vor allem in der Netzsparte, dem wichtigsten Gewinnbringer. Diese steigerte das Ebit um 19 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Innogy profitierte hier unter anderem von geringeren Aufwendungen für Betrieb und Instandhaltung der deutschen Netz.

Die Ergebnisse von Innogy kommen auch RWE zugute. Im Gegensatz zu Eon hat der Konzern die Trennung nicht komplett vollzogen und hält auch nach dem Börsengang im vergangenen Oktober noch 77 Prozent an Innogy.
RWE-Chef Rolf Martin Schmitz legt am Montag seine Halbjahreszahlen vor. Schmitz wird einen Milliardengewinn präsentieren. Der liegt aber dieses Mal nicht an den stabilen Erträgen, die Innogy abliefert. Schmitz und RWE profitieren vom selben Sondereffekt, über den sich schon Teyssen und Eon freuen konnten: Auch RWE hat eine milliardenschwere Rückzahlung der Atomsteuer erhalten.

KONTEXT

Deutschlands größte Energieversorger

Vattenfall

Umsatz 2016: 9,3 Milliarden Euro

Die hundertprozentige Tochter des staatlichen schwedischen Energiekonzerns Vattenfall AB ging 2002 aus der Fusion der HEW und der Vereinigte Energiewerke AG sowie dem Bergbauunternehmen Lausitzer Braunkohle AG hervor, zu der Anfang 2003 die Berliner Bewag hinzu kam. Vattenfall betreibt in Deutschland die Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel. Wie auch die übrigen Top-Vier-versorger in Deutschland musste der Konzern 2016 einen Umsatzrückgang hinnehmen.

EnBW

Umsatz 2016: 19,4 Milliarden Euro

Die Energie Baden-Württemberg AG erwirtschaftete noch 2010 mehr als die Hälfte ihres Gewinns aus dem Betrieb der vier konzerneigenen Kernkraftwerke Neckarwestheim eins und zwei, sowie Philippsburg eins und zwei. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima wurden die Werke Neckarwestheim eins und Philippsburg eins im Rahmen des Atom-Moratoriums 2011 stillgelegt. Der Anteil erneuerbarer Energieträger am EnBW-Energiemix soll bis 2020 von 12 auf 40 Prozent erhöht werden

Eon

Umsatz 2016: 21,8 Milliarden Euro

Der Energiekonzern Eon vollzog 2016 eine radikale Aufspaltung: Das traditionelle Energiegeschäft bestehend aus konventioneller Erzeugung (einschließlich Wasserkraft, ohne Kernenergie), globalem Energiehandel und dem Russland-Geschäft wurde in die eigenständige Gesellschaft Uniper ausgelagert. Eon will sich mit den verbliebenen Sparten erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze komplett auf den Energiemarkt der Zukunft ausrichten.

RWE

Umsatz 2016: 25 Milliarden Euro

Den umgekehrten Weg zu Eon ging ebenfalls 2016 RWE. Der Energiekonzern überführte nicht das traditionelle, sondern das Zukunftsgeschäft in eine neu gegründete Tochtergesellschaft mit Namen Innogy und brachte diese an die Börse. Im Zuge des Atom-Moratoriums wurden 2011 die RWE-Reaktoren Biblis A und B durch die Bundesnetzagentur stillgelegt.