Großauftrag für kriselnde Siemens-Windtochter


Markus Tacke ist Gegenwind gewöhnt. Der Siemens-Manager arbeitet schließlich seit mehr als 20 Jahren im Energiesektor – einer Industrie, die durch die Energiewende mit enormen Strukturumbrüchen kämpfen muss. Als Tacke im Mai Vorstandschef des neuen Windkraftkonzerns Siemens Gamesa wurde, betonte der promovierte Maschinenbauer daher, wie wichtig „technische Exzellenz und konsequentes Kostenmanagement“ für ihn seien. Bei Siemens Gamesa, urteilte er damals, hätten er und seine Kollegen jedenfalls „noch viel Arbeit vor uns“.

Wie viel Arbeit auf Tacke wirklich zukommt, dürfte das Energieurgestein dann aber doch unterschätzt haben. Im Oktober schockte sein Unternehmen, das aus dem Zusammenschluss des Windenergiegeschäfts von Siemens mit dem spanischen Konkurrenten Gamesa entstanden ist, die Anleger mit einer Gewinnwarnung. Zwei Vorstände wurden in der Folge austauscht. Dann rutschte das Windkraftunternehmen im vierten Quartal auch noch die roten Zahlen und verkündete, bis 2020 rund 6000 Stellen weltweit zu streichen – mehr als ein Fünftel der Belegschaft.


Die Börse reagierte entsetzt. Seit Jahresbeginn hat sich der Aktienkurs von Siemens Gamesa mehr als halbiert. In dem Reigen aus schlechten Nachrichten kann Tacke aber jetzt erstmals einen wichtigen Erfolg verkünden: Siemens Gamesa sichert sich einen Großauftrag im Wert von mehreren Hundert Millionen Euro.

Wie der schwedische Energieversorger Vattenfall am Dienstag bekannt gab, setzt der Konzern beim Bau von drei Offshore-Windprojekten auf Technik aus dem Hause Siemens Gamesa. Konkret liefert der Windkraftkonzern 113 Turbinen mit einer Leistung von jeweils 8 Megawatt für die Errichtung der Vattenfall Meerwindparks Vesterhav Nord und Syd vor der dänischen Westküste sowie das Projekt Kriegers Flak in der Ostsee.


Das Auftragsvolumen umfasst eine installierte Leistung von insgesamt 950 Megawatt. Vattenfall investiert in den Bau der drei Windparks auf hoher See mehr als 1,7 Milliarden Euro. Wie viel Geld davon auf die Turbinen von Siemens Gamesa entfällt, nannte der Konzern nicht. In Branchenkreisen wird aber damit kalkuliert, dass die Turbinen als wichtigste Komponente einer jeden Windenergieanlage mit etwa der Hälfte der Projektkosten eines Windparks zu Buche schlagen.

Auch Siemens-Chef Joe Kaeser dürfte den Großauftrag bei der Windtochter wohlwollend zur Kenntnis nehmen. Der Münchener Dax-Konzern hält schließlich 59 Prozent an Siemens Gamesa. Zudem steht Kaeser weiterhin wegen der radikalen Stellenstreichungen in der Kraftwerkssparte in der Kritik. Fast 7000 Jobs bei „Power and Gas“ sollen weltweit eingespart werde, die Hälfte davon in Deutschland. Nicht zuletzt dank des riesigen Offshore-Windauftrags dürfte der geplante Kahlschlag bei der Windtochter hierzulande weit weniger radikal ausfallen als in der Kraftwerkssparte.