Großaktionäre sehen mögliche Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank skeptisch

Seit die Deutsche Bank zurück in die Krise gerutscht ist, läuft die Gerüchteküche über eine Fusion mit der Commerzbank heiß. Wichtige Aktionäre lehnen den Deal allerdings ab.


In den vergangenen Wochen vor der Hauptversammlung absolvierte Paul Achleitner seine übliche Tour bei den großen Investoren der Bank. Dieses Mal stand für den Aufsichtsratschef der Deutschen Bank besonders viel auf dem Spiel. Nach dem abrupten Wechsel an der Vorstandsspitze von John Cryan zu Christian Sewing und einer Reihe schlechter Nachrichten in den Wochen davor war der Aktienkurs massiv unter Druck geraten. Viele Investoren machten Achleitner für die Misere mitverantwortlich.

Natürlich wollten die Großanleger wissen, wie die Bank wieder aus der Krise kommen will und sie fragten Achleitner, was an den anhaltenden Spekulationen über eine Fusion mit der Commerzbank dran ist. Achleitner habe versucht, die Fragen zu beantworten, sich aber extrem zurückgehalten, was mögliche Zusammenschlüsse angeht, heißt es in Finanzkreisen. Der Aufsichtsratschef werde „ständig auf dieses Thema angesprochen. Seine Antwort ist immer die gleiche“, betont ein Sprecher Achleitners.

Diese Antwort lautet so: „Alle Pro- und Kontra-Argumente könnten in Analystenberichten und den Medien nachgelesen werden. Was also denken Sie?“ Achleitner sehe keinen Grund, das Thema Fusion mit der Commerzbank aktiv anzusprechen, betont der Sprecher.


Einige Analysten haben das Thema Zusammenschluss mit der Commerzbank durchgerechnet und waren zu dem Schluss gekommen, dass ein solcher Deal im Prinzip zwar Sinn machen könnte, allerdings würden die erhofften Milliardeneinsparungen erst in mehreren Jahren wirken, die milliardenschweren Umbaukosten aber sofort auf die Gewinn- und Verlustrechnung durchschlagen.

„Der Nutzen einer Fusion wäre erst in Jahren spürbar“, kritisieren Analysten von Barclays. Außerdem warnen die Experten, dass ein Zusammenschluss in dieser Größenordnung enorme Umsetzungsrisiken mit sich bringe. Finanzkreisen zufolge laufen derzeit keine Verhandlungen zwischen den beiden Frankfurter Banken.

Nach Informationen des Handelsblatts lehnt einer der größten Anteilseigner der Bank einen Zusammenschluss mit der Commerzbank im Moment ohnehin rundheraus ab. Weitere einflussreiche Aktionäre sehen das Thema ebenfalls skeptisch und würden den Schritt nur als absolute Notfallmaßnahme bei einer akuten Krise unterstützen.

Die Großinvestoren fürchten, dass ein Deal zwischen den beiden größten heimischen Privatbanken noch einmal milliardenschwere Abschreibungen und eine Kapitalerhöhung nach sich ziehen würde. Dadurch würden die Anteile der Altaktionäre weiter verwässert. Die Deutsche Bank hatte sich erst 2017 rund acht Milliarden Euro frisches Kapital bei den Aktionären besorgt. Die Aktien der Deutschen Bank haben in diesem Jahr rund 40 Prozent an Wert verloren, die der Commerzbank etwa 25 Prozent.


Außerdem fürchten die Investoren, dass aus zwei geschwächten Banken kein starker neuer Konzern entstehen könne. Der deutsche Bankenmarkt gilt wegen der schwachen Margen als einer der schwierigsten weltweit. Im Rahmen einer Fusion würde die Deutsche Bank ihr Investmentbanking wohl noch sehr viel stärker beschneiden als ohnehin geplant, dadurch würde die Abhängigkeit eines fusionierten Geldhauses vom schwachen Heimatmarkt aber weiter wachsen.

Die beiden Frankfurter Geldhäuser haben im Sommer 2016 bereits einmal eine Fusion ausgelotet, waren aber zu dem Schluss gekommen, dass sie zuerst ihre eigenen Probleme lösen müssten. Die Spekulationen um einen Zusammenschluss leben wieder auf, seit der US-Finanzinvestor Cerberus sich an beiden Geldhäusern beteiligt hat.

Zuletzt machten in der Frankfurter Finanzszene immer wieder Gerüchte die Runde, Cerberus denke darüber nach, seinen Anteil von unter fünf Prozent an der Deutschen Bank aufzustocken. Neben Cerberus zählen die Herrscherfamilie des Scheichtum Katars, der chinesische Mischkonzern HNA und die weltgrößte Fondsgesellschaft Blackrock zu den wichtigsten Aktionären der Deutschen Bank.