Wie groß sollte dein Depot sein?

Peter Roegner, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Hast du 1965 zusammen mit Warren Buffett Aktien von Berkshire Hathaway für 14,86 Dollar gekauft? Oder 1997 Amazon für 3,21 Dollar wie Fool-Gründer David Gardner? Wenn ja, dann wären das gute Entscheidungen gewesen, denn aus jeweils 5.000 investierten Dollar wären bis heute 93 Millionen beziehungsweise 1,8 Millionen Dollar geworden – vorausgesetzt natürlich, dass du die Aktien niemals verkauft hättest.

Mit einer solchen Aktie im Depot brauchst du dir über deine Depotzusammensetzung keine Sorgen mehr zu machen. Das einzige Problem dabei: Heute, mit dem Wissen von 52 und 20 Jahren im Rücken, ist es natürlich leicht, die Qualitäten der Unternehmen zu erkennen.

Welche Aktie ist die richtige?

Dabei war es 1965 gar nicht klar, welchen Weg Berkshire Hathaway nehmen würde. Als Textilunternehmen gab es keine Zukunft und erst die Wandlung in Buffetts Investmentholding brachte den Erfolg. Viele Internetunternehmen vom Ende der 90er Jahre sind entweder bankrott oder haben wie America Online und Yahoo nur noch einen Bruchteil ihres damaligen Wertes.

Wenn du also vor 20 Jahren Pets.com statt Amazon gekauft hättest, wärst du heute nicht Millionär, sondern pleite. Deshalb ist es wichtig, dass du nicht nur in eine Aktie investierst, sondern in mehrere – der Fachbegriff hierfür lautet „Diversifizierung“.

Das ist jetzt die Stelle, an der immer die Frage kommt, wie viele verschiedene Aktien denn nötig sind, um ein gut diversifiziertes Depot zu haben. Und wie es beim Investieren so häufig der Fall ist, gibt es auch auf diese Frage nicht die eine Antwort, die für jeden Anleger in jeder Situation passend ist.

Diversifizierung als Schlüssel zu weniger Risiko

Der Sinn dahinter, mehrere unterschiedliche Aktien zu kaufen, ist der, dass sich die einzelnen Papiere zum gleichen Zeitpunkt verschieden verhalten und nicht alle Aktien gemeinsam fallen. Das setzt also tatsächlich eine vielfältige Zusammensetzung voraus. Ein Depot mit Aktien ausschließlich von Volkswagen, Daimler, BMW, Continental und Schaeffler ist definitiv nicht diversifiziert.

Erfahrene Anleger können ihr Depot bereits mit wenigen Aktien so aufstellen, dass sie eine gute Mischung aus unterschiedlichen Branchen haben. Ein solches Depot nennt man im Börsendeutsch „konzentriert“. Warren Buffett ist ein Fan solch konzentrierter Anlagen, weil die Entwicklung einzelner Aktien einen großen Einfluss auf das gesamte Depot hat. Und wenn du immer (oder zumindest häufig) richtigliegst, führt das schnell zu hohen Gewinnen – wie sonst werden aus 5.000 Dollar am Ende 93 Millionen?

Aber die Konzentration auf wenige Titel kann auch in die andere Richtung laufen, und ein einzelner fauler Apfel im Depot kann dir die gesamte Bilanz verhageln. Daher ist das Risiko bei so wenigen Aktien höher und viele Anleger kaufen deswegen mehr verschiedene Papiere, um besser diversifiziert zu sein.

Wie viele Aktien sollen es denn nun sein?

Zu der richtigen Zahl an unterschiedlichen Aktien gibt es zahlreiche Artikel sowie Studien und man ist sich einig, dass man sich nicht einig ist. Ich habe mehrfach gelesen, dass 15 bis 20 verschiedene Papiere eine gute Diversifizierung seien, und halte das tatsächlich für einen sinnvollen Wert. Das ist eine Größenordnung, die das Risiko der einzelnen Position für das gesamte Depot minimiert, bei der du aber auch noch in der Lage bist, den einzelnen Unternehmen zu folgen. Andere Autoren halten bis zu 50 Titel für geeignet.

Wie gesagt, es gibt da keine allumfassende Wahrheit. Der bekannte Investor Peter Lynch, der von 1977 bis 1990 den Fidelity Magellan Fund höchst erfolgreich managte, hatte das Fondsvermögen zeitweilig in mehr als 1.000 Aktien angelegt. Für einen professionellen Anleger mit einem Team mag eine solche Anzahl funktionieren, jedoch sicher nicht für einen privaten Investor.

Wichtig ist, dass du dich mit deinen Aktien und deiner Depotgröße wohlfühlst und klarkommst. Diese Zahl muss ja auch nicht immer für alle Zeiten gleichbleiben. Gerade wenn du Foolish investierst, ergibt sich eine Entwicklung, bei der das Depot immer größer wird: Wir Fools legen auf lange Sicht an und verkaufen deswegen eher selten. Gleichzeitig entdecken wir immer wieder neue gute Aktien, in die wir gerne investieren möchten. So wächst das Depot nach und nach weiter. Ich selbst hatte lange Zeit um die 15 Aktien. Aber seit ich Foolish anlege, ist diese Zahl auf aktuell 33 Papiere angewachsen – Ende offen …

Diversifizierung ist auch in unseren Services wichtig

Wir Fools haben ja inzwischen vier Premium-Services, in denen wir den Mitgliedern konkrete Aktienempfehlungen geben. Für uns ist es dabei auch wichtig, dass die Depots diversifiziert sind, denn es kann bei den Firmen, deren Aktien wir empfehlen, immer etwas schieflaufen. Ein breit aufgestelltes Depot schützt dann vor allzu großen Verlusten.

Unserer Ansicht nach sind wenigstens 15 unterschiedliche Aktien notwendig, um eine gute Streuung zu erreichen. Wenn du am Anfang nicht so viel Geld zum Investieren hast, solltest du trotzdem loslegen – vielleicht mit drei oder vier Positionen, die du am besten so schnell, wie es dir möglich ist, auf 15 erhöhst.

Wie kannst du nun die passenden Unternehmen finden, um dir ein Depot aus 15 Aktien zu bauen? Es gibt da draußen so viele Möglichkeiten, aber natürlich sind meine zwei Lieblingsquellen Fool.de sowie unsere Premium Newsletter, in denen wir konkrete Aktienempfehlungen geben.

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Peter besitzt Aktien von Berkshire Hathaway, Amazon.com und Apple. The Motley Fool besitzt Aktien von und empfiehlt Berkshire Hathaway und Amazon.com. The Motley Fool besitzt Aktien von Apple und hat die folgenden Optionen: Long Januar 2020 $150 Calls auf Apple und short Januar 2020 $155 Calls auf Apple. The Motley Fool empfiehlt Aktien von BMW und Daimler. John Mackey, CEO von Whole Foods Market, einer Tochtergesellschaft von Amazon, ist Mitglied des Vorstands von The Motley Fool.

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