Grippewelle auf neuem Höhepunkt - 35.300 neue Fälle in einer Woche

Die Grippewelle in Deutschland hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Allein in der vergangenen Woche verzeichnete das Robert-Koch-Institut knapp 35.300 neue Influenzafälle - das bedeutet eine deutliche Zunahme im Vergleich zur Vorwoche

Die Grippewelle in Deutschland hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Allein in der vergangenen Woche verzeichnete das Robert-Koch-Institut (RKI) knapp 35.300 neue Influenzafälle. Wie das RKI am Mittwoch weiter mitteilte, wurden in der aktuellen Grippesaison nun insgesamt mehr als 119.500 Influenzafälle registriert. Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung geraten die Praxen wegen der Grippewelle an ihre Kapazitätsgrenzen.

Die rund 35.500 neu registrierten Fälle bedeuten eine deutliche Zunahme im Vergleich zur Vorwoche, in der rund 23.400 neue Fälle registriert worden waren. Nahezu flächendeckend verzeichnen die Wissenschaftler derzeit in Deutschland stark erhöhte Fallzahlen - unter anderem in der Westhälfte Deutschlands sowie in weiten Teilen Sachsens, Nordbayerns und Südthüringens.

Kassenärztechef Andreas Gassen sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom Donnerstag laut Vorabmeldung, die anhaltende Grippewelle führe viele Arztpraxen an die Grenzen ihrer Behandlungsmöglichkeiten. "Teilweise gelangen die Praxen aber an ihre Kapazitätsgrenzen", betonte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Die Ärzte stemmten die Herausforderung "und versorgen die außergewöhnlich vielen grippekranken Patienten". Allerdings bat Gassen Patienten auch "um Verständnis dafür, falls Terminplanungen auf Grund des Ansturms auf die Praxen kurzfristig verändert werden müssen".

Wie die "FAZ" unter Berufung auf das RKI weiter berichtete, starben bundesweit bislang mindestens 213 Menschen an den Folgen der Grippe. Dem Institut zufolge seien dies aber weniger als im Vorjahr. Ein Grund dafür sei, dass eher Jüngere von der Grippewelle betroffen seien, alte Menschen dagegen weniger stark.

Patientenschützer warfen derweil Krankenkassen und Behörden Versagen bei der aktuellen Grippewelle vor. Bereits im vergangenen November habe die ständige Impfkommission die sogenannte Vierfachimpfung gegen Grippe empfohlen, schrieb der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, in einem Beitrag für die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland vom Mittwoch. Viele Kassen zahlten aber weiterhin nur für den halb so teuren Dreifachwirkstoff.

"Dabei fehlt der Dreifachimpfung ein entscheidender Influenzastamm, der für zahlreiche, teils schwerwiegende Erkrankungen verantwortlich ist", betonte Brysch. Der gemeinsame Bundesausschuss der Kassen habe die Vierfachimpfung für gesetzlich versicherte Risikopatienten noch immer nicht verbindlich geregelt.

Eine Entscheidung werde erst für April dieses Jahres erwartet - dies sei "viel zu spät für die diesjährige Grippesaison", kritisierte Brysch. Der Bundestag müsse für Gefährdungssituationen wie diese dringend ein Eilverfahren einführen.