Griechenland: Schuldzuweisungen nach Feuerkatastrophe im Badeort Mati

Nach der Feuerkatastrophe im Badeort Mati 40 Kilometer östlich von Athen gibt es Kritik an der Politik. Laut Feuerwehr ist neben den enorm starken Winden auch eine fehlende Stadtplanung dafür verantwortlich, dass sich das Feuer rasend schnell ausbreiten konnte.

Regierungschef Alexis Tsipras sagte, der illegale Bau von Häusern sei eine Ursache. Er versprach alle nötigen Maßnahmen zu treffen, um den Zustand zu beheben und parallel den Menschen zu helfen. Tsipras erklärte zudem, es gebe Anzeichen dafür, dass Brandstifter am Werk waren.

Die Bewohnerinnen und Bewohner der betroffenen Gebiete beschuldigen den Staat: Niemand hätte eine Evakuierung angeordnet. Der Bürgermeister des anliegenden Ortes Rafina verteidigte sich: "Ich habe das Waisenhaus Lirio evakuiert", so Giannis Bournous. "Niemand kann behaupten, dass die Gebiete nicht evakuiert wurden, natürlich wurden sie das." Er räumte jedoch ein: "Die Information, dass das Feuer die Richtung geändert hat und sich nicht nur vorwärts bewegt, sondern auch zurückkommt, hätte verbreitet werden müssen."

Der freiwillige Feuerwehrmann Giannis Damianoglou beschuldigte die verantwortliche Feuerwehr: "Als sie die Information über ein beginnendes Feuer bekommen hat, hätte sie sofort ein Löschflugzeug einsetzen müssen. Es kam nicht mal jemand Offizielles vorbei, um die Bewohner zu informieren, dass sie fliehen müssen, weil das Feuer kommt."

Die Zahl der Opfer stieg unterdessen auf 87 Menschen. Dutzende Menschen werden noch vermisst.

Die schweren Waldbrände wurden mittlerweile durch den Einsatz von Löschflugzeugen weitgehend unter Kontrolle gebracht. Laut griechischen Medien gebe es keine Feuerfronten mehr, die bewohnte Gebiete bedrohen.

"Zu dem Schmerz und der Trauer kommt jetzt die Wut dazu. Die Bewohner der Gegend wollen mehr über die Gründe für die Tragödie wissen und wollen Hilfe vom Staat für ihren Alltag. Regierungsbeamte und lokale Behörden bestätigen, dass gemachte Fehler juristisch verfolgt werden", kommentiert euronews-Reporterin Fay Doulgkeri.