Griechenland kehrt an den Markt zurück

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Griechenland kehrt an den Markt zurück

Griechenland hat den ersten Schritt zurück an die Finanzmärkte gewagt. Der Testlauf, ob der Krisenstaat finanziell auf eigenen Beinen stehen kann, ist geglückt. Für die Regierung in Athen gibt es einen Wermutstropfen.


Nach dreijähriger Abwesenheit ist Griechenland wieder am Kapitalmarkt zurück. Die staatliche Schuldenagentur PDMA platzierte am Dienstag eine Anleihe mit fünfjährige Anleihe über drei Milliarden Euro. Geplant war ein Volumen bis zu vier Milliarden Euro. Die Nachfrage hätte auch dafür ausgereicht.

Nach Angaben aus Kreisen der Konsortialbanken BNP Paribas, Bank of America Merrill Lynch, Citi Deutsche Bank, Goldman Sachs und HSBC lag die Nachfrage bei 6,5 Milliarden Euro. Das nutzten die die Konsortialbanken, um die avisierte Rendite von zunächst 4,875 auf zuletzt 4,625 Prozent zu senken. Der Zinskupon der Anleihe liegt bei 4,375 Prozent. Der Ausgabekurs liegt damit etwas unter dem Rückzahlungswert von 100 Prozent.

Die erste Schuldenaufnahme Griechenlands seit dem Sommer 2014 gilt als Testlauf. Nach dem Ende des laufenden Hilfsprogramms soll Griechenland ab September 2018 wieder auf eigenen Beinen stehen und sich am Kapitalmarkt refinanzieren. Vor der mit Spannung erwarteten Rückkehr des Landes an den Kapitalmarkt waren die Renditen der griechischen Staatsanleihen zu Beginn der Handelswoche auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Schuldenkrise im Frühjahr 2010 gefallen. Die zweijährigen Bonds notierten am Dienstag mit einer Rendite von 3,29 Prozent. Die zehnjährige Anleihe, die noch Ende März eine Rendite von 7,5 Prozent brachte, ist mittlerweile auf 5,2 Prozent gefallen. Die rückläufigen Risikozuschläge zeigen wachsendes Vertrauen in die Kreditwürdigkeit des Krisenlandes.


Für Ministerpräsident Alexis Tsipras ist die Rückkehr an den Markt ein politischer Erfolg. Die Platzierung der Anleihe markiert einen wichtigen Schritt auf dem Weg aus der Krise. Es bleibt aber ein bitterer Wermutstropfen: Die Rendite liegt über den anfänglichen Prognosen der Experten. Marktbeobachter hatten die Verzinsung in einer Spanne von 4,2 bis 4,5 Prozent erwartet. Bei der letzten Emission eines fünfjährigen Bonds hatte Griechenland im April 2014 drei Milliarden Euro eingesammelt. Der Zins betrug damals 4,75 Prozent, die Rendite belief sich auf 4,95 Prozent. Damals rissen sich die Investoren um die Papiere, die Gebote summierten sich auf mehr als 20 Milliarden Euro.

Die Rendite und die relativ niedrigere Nachfrage zeigen: Griechenland hat durch das ständige Tauziehen der Regierung Tsipras mit den internationalen Geldgebern viel Zeit verloren und viel Vertrauen verspielt. Das Land steht im Grunde wieder da, wo es unter der Vorgängerregierung aus Konservativen und Sozialdemokraten bereits im Sommer 2014 angekommen war.

Investoren, die den Bond damals zeichneten brauchten extrem starke Nerven. Im Juli 2015 stand Griechenland unter der Regierung Tsipras kurz vor dem Austritt aus der Euro-Zone und damit der nächsten Staatspleite. Der Kurs der im April 2014 platzierten Anleihe stürzte daraufhin auf bis zu 57 Prozent des Rückzahlungswerts ab, die Rendite schnellte im Gegenzug auf knapp 23 Prozent nach oben. Seither hat sich der Bond im April 2019 auslaufende aber wieder deutlich erhöht mit einem Kurs von 102,3 und einer Rendite von 3,2 Prozent. Allerdings werden griechische Anleihen nur sehr wenig gehandelt. Nach Angaben der Bank of Greece wurden im vergangenen Jahr im elektronischen Handel gerade mal 519 Millionen Euro mit griechischen Bonds umgesetzt. Zum Vergleich: In Deutschland wurden in dieser Zeit Bundesanleihen im Wert von mehr als 4,3 Billionen Euro gehandelt.



Griechenland bietet jetzt den Investoren an, die 2014 begebene Anleihe zum Kurs von 102,6 Prozent zurückzugeben und gleichzeitig die neue fünfjährige Anleihe zu kaufen. Damit verlängert Griechenland sein Schuldenprofil und reduziert den hohen Schuldendienst des Jahres 2019. Er liegt bisher bei rund 20 Milliarden Euro, gegenüber 11,3 Milliarden im Jahr 2018.

EU-Währungskommissar Pierre Moscovici, der am Dienstag zu Gesprächen in Athen war, wertete die Emission als Anzeichen der „spektakulären Fortschritte“, die Griechenland gemacht habe. Er sei zuversichtlich, dass Griechenland „ein neues Kapitel aufschlägt“, sagte Moscovici. „Wir sind aber noch nicht am Ziel, wir müssen weiter hart an der Umsetzung des Programms arbeiten“, mahnte der EU-Kommissar nach einem Gespräch mit Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos. Es sei eine Sache, ein Reformgesetz zu verabschieden, und eine andere, es auch umzusetzen. Dabei könne Athen auf die Unterstützung der EU-Kommission zählen. „Wir wollen, dass Griechenland zur Normalität zurückkehrt“, sagte der Kommissar.



Griechenland hat sich stabilisiert


Tatsächlich hat sich das Krisenland inzwischen deutlich stabilisiert. Im Juni einigte sich die Regierung nach monatelangem Tauziehen mit den Geldgebern auf weitere Reformschritte und machte damit den Weg frei für die Auszahlung einer Kreditrate von 7,7 Milliarden Euro. Weitere 800 Millionen sollen im Herbst bereitgestellt werden. Bei der Konsolidierung des Haushalts macht Griechenland Fortschritte. Im ersten Halbjahr erwirtschaftete das Land in der Primärbilanz, die den Schuldendienst ausklammert, einen Überschuss von 1,93 Milliarden Euro. Finanzminister Euklid Tsakalotos übertraf damit die Zielvorgabe von 431 Millionen Euro deutlich.

Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hob am vergangenen Freitag ihren Ausblick für Griechenland von „stabil“ auf „positiv“, was eine bessere Note für die Kreditwürdigkeit in Aussicht stellt. Die Agentur honorierte damit die jüngst verabschiedeten Reformen und die Rückkehr zum Wachstum. Im ersten Quartal legte das griechische Bruttoinlandsprodukt um 0,4 Prozent zu. Die wirtschaftliche Erholung, die Reformen in der Finanzpolitik und eine weitere Schuldenerleichterung seitens der öffentlichen Gläubiger dürften es Griechenland erlauben, seinen Schuldenstand in den nächsten Jahren zu vermindern, begründet die Ratingagentur ihre Entscheidung. Die aktuelle Bonität des Landes liegt bei S&P allerdings mit „B-“ noch auf Schrottniveau.



Dass die Märkte dennoch wieder mehr Vertrauen in Griechenland fassen, war in den vergangenen Wochen am Rückgang der Risikozuschläge für griechische Staatsanleihen abzulesen. Ausländische Investoren zeigen auch wachsendes Interesse an griechischen Geldmarktpapieren. Griechenland hat diese kurzlaufenden Papiere während der gesamten Krise platzieren können. Vor zwei Wochen gingen bei der Emission dreimonatiger Treasury-Bills fast 60 Prozent der Papiere an ausländische Investoren.

Griechenland ist zwar mit dem laufenden Hilfsprogramm bis Ende August 2018 durchfinanziert. Um sich danach aber wieder selbst refinanzieren zu können, muss der Marktzugang aber schrittweise aufgebaut werden. Diesem Zweck dienen diese und geplante weitere kleinere Emissionen von Bonds unterschiedlicher Laufzeiten in den kommenden Monaten. Damit soll das Land einen Kapitalpuffer von rund zehn Milliarden Euro aufbauen. Das wäre genug, um Griechenlands Refinanzierung in den ersten zehn Monaten nach Ablauf des Hilfsprogramms zu sichern. So soll das Vertrauen der Anleger gestärkt werden.

KONTEXT

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ. Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.