Griechenland mit dramatischer Flüchtlingssituation konfrontiert

Die griechische Regierung will der angespannten Lage der Füchtlinge im Land unter anderem durch die Bereitstellung von Hotelzimmern begegnen. Flüchtlinge forderten vor dem Parlament in Athen die Zusammenführung mit Angehörigen in Deutschland

Die griechische Regierung will der angespannten Lage der Flüchtlinge im Land unter anderem durch die Bereitstellung von Hotelzimmern begegnen. Migrationsminister Ioannis Mouzalas sagte am Mittwoch, im Zuge eines von der Europäischen Union finanzierten Programms für die Unterbringung von 30.000 Flüchtlingen seien bisher 20.000 Menschen in Wohnungen untergebracht worden. Neben Hotels sollten künftig zur Not auch schwimmende Unterkünfte genutzt werden.

Angesichts alarmierender Hinweise humanitärer Organisationen über schlimme Zustände in den Flüchtlingslagern auf den Ägäisinseln räumte der Minister "größere Schwierigkeiten" ein. Seit August seien wieder merklich mehr Flüchtlinge in Griechenland eingetroffen. Im September waren es demnach 5000, überwiegend Syrer, Iraker und Afghanen - eine Steigerung Jahr um 35 Prozent binnen eines Jahres.

Am kritischsten ist die Lage vor dem nahenden Winter auf den Inseln Lesbos und Samos. Dort befänden sich in Erstaufnahmelagern, die für weniger als 3000 Flüchtlinge ausgelegt seien, fast 8000 Menschen.

Im Oktober überstellten die Behörden mehr als 2000 Flüchtlinge von den Inseln auf das griechische Festland. Dabei handelte es sich um die verletzlichsten, die nicht unter den Flüchtlingsdeal zwischen der EU und der Türkei vom März 2016 fallen. Laut Mouzalas war die Zahl der auf den Inseln eintreffenden Flüchtlinge aber höher als die derjenigen, die sie wieder verließen.

Ankara hatte sich verpflichtet, Flüchtlinge aus Griechenland wieder zurückzunehmen. Im Gegenzug sollte die Türkei in zwei Tranchen sechs Milliarden Euro für die Versorgung und Unterbringung syrischer Flüchtlinge erhalten.

Syrische Flüchtlinge, vor allem Frauen und Kinder, begannen unterdessen vor dem Parlament in Athen einen Hungerstreik. Sie protestierten gegen die schleppende Bearbeitung ihrer Anträge auf Zusammenführung mit ihren Familien in Deutschland. Athen und Berlin warfen sie vor dafür zu sorgen, dass das Warten auf die Zusammenführung mit ihren Angehörigen sich schon länger als ein halbes Jahr hinziehe, obwohl eine Frist von sechs Monaten nach EU-Recht nicht überschritten werden dürfe.

Dagegen sagte Mouzalas, die Zahl der Familienzusammenführungen von Griechenland in andere EU-Staaten sei dieses Jahr um 27 Prozent gestiegen. Berlin habe einer Verlängerung der Fristen zugestimmt, wenn die Verzögerungen bei der Familienzusammenführung auf deutsche Behörden zurückzuführen seien.