Grenke-Aktie bisher entlastet und wie Fraser Perring darüber denkt

Christof Welzel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 3 Min.

Für viele Menschen ist es schon etwas befremdlich, am Niedergang eines Unternehmens oder an fallenden Aktienkursen Geld zu verdienen. Oft werden die Spekulanten am Ende sogar dafür verantwortlich gemacht, dass ein Unternehmen in die Insolvenz geht.

Doch wenn wir das Geschäft einmal genau betrachten, unterscheidet es sich kaum davon, auf steigende Aktienkurse zu setzen. Wenn wir falsch liegen, wird uns der Markt abstrafen und wir verlieren Geld. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist bei fallenden sogar noch größer als bei steigenden Kursen, weil sie einfach viel seltener auftreten.

Es gibt sicherlich auch Fälle, in denen Hedgefonds versuchen, einem Unternehmen zu schaden, und daran verdienen, doch dies sollte am Ende einer Untersuchung genauso zutage treten und bestraft werden, wie wenn ein Unternehmen tatsächlich betrügt und die Gesetze bricht. Tatsache ist aber auch, dass die meisten Hedgefonds mit Shortspekulationen in Summe eher Geld verlieren als gewinnen.

Ihr Research ist immer dann sinnvoll, wenn tatsächlich Betrug, Geldwäsche oder andere kriminelle Machenschaften aufgedeckt werden.

Grenke mit positiver Zwischenmitteilung

Wie Fraser Perrings Shortspekulation im Fall Grenke (WKN: A161N3) am Ende ausgehen wird, wissen wir noch nicht. Bisher sieht jedoch alles danach aus, als würden sich die von ihm erhobenen schweren Vorwürfe nicht bewahrheiten.

So konnten Grenkes Barmittelbestände zu über 99 % belegbar nachgewiesen werden. Heute (20.10.2020) gab das Unternehmen einen Zwischenstand über die aktuellen Untersuchungen heraus. Nachdem die Kontostände bestätigt wurden, gilt es nun zu klären, inwiefern die Übernahme der Franchiseunternehmen gesetzestreu erfolgt ist. In diesem Punkt stellt die Prüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton (WKGT) bisher fest, dass die übernommenen Franchisefirmen „Ergebnisbeiträge generieren“.

„Insgesamt liegen diese im Rahmen von Ergebniserwartungen, die eine Investition in Beteiligungen rechtfertigen. Die Übernahmen können daher als für den GRENKE Konzern positiv bezeichnet werden“, heißt es weiter. WKGT stellt zudem fest, dass Grenkes Kaufpreisfindungsmodell „grundsätzlich sinnvoll“ ist. Die Gesellschaft überprüft alle Übernahmen im Zeitraum von 2008 bis 2018, sodass am Ende der Untersuchung mit einem umfangreichen Bericht zu rechnen ist.

Zwar lässt sich darüber streiten, was eine angemessene Bewertungsmethodik ist, aber grundsätzlich scheint Grenke in diesem Punkt keinen groben Fehler begangen zu haben.

KPMG prüft derweil den Leasingvertragsbestand sowie Zahlungseingänge von Leasingnehmern. Hierzu gibt es noch keine abschließende Stellungnahme. Die Gesellschaft überprüft weiterhin die Geschäftsorganisation, was den Umgang mit Rechtsfällen und Kundeneinwänden, Geldwäsche- und Betrugsprävention umfasst. Hier ergaben sich bisher keine „wesentlichen Auffälligkeiten“.

Es sieht also so aus, als würde sich Grenke an die Gesetze halten.

Fraser Perring antwortet prompt

Doch was hält der Mann davon, der Grenke in seinem Research-Bericht so stark beschuldigt?

Er äußerte sich umgehend über Twitter und bezeichnet Grenke weiterhin als Betrugsfall. Zudem geht er davon aus, dass die Firma den Prüfern Dokumente vorenthalte. Er bleibt deshalb bei seinen Betrugs- und Fälschungsvorwürfen. „Grenke sollte genau untersucht werden, statt den Aktienkurs zu treiben. Es bedurfte nur drei Analysten, um nachzuweisen, dass Grenkes Franchise-System direkt mit kriminellen Machenschaften in Verbindung steht“, so Perring auf Twitter.

Ausgestanden ist der Fall also noch nicht und Investoren sollten deshalb die Risiken genau gegeneinander abwägen.

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Christof Welzel besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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