Greipel bei Tour-Finale in Paris knapp geschlagen

Andre Greipel hat im Schlusssprint in Paris das Nachsehen

Chris Froome genoss sein pures Glück mit Schampus und Sohnemann im Arm, der tief geknickte André Greipel suchte erst mal Trost bei seiner Gattin und den beiden Töchterchen: Mit dem vierten Triumph des britischen Dominators und einem bitteren zweiten Platz für Sprinter Greipel auf den Champs-Élysees hat die 104. Frankreich-Rundfahrt in Paris ihren Schlussakkord erlebt - drei Wochen nach dem rauschenden Auftakt in Deutschland.

"Jetzt gibt es erst mal Party"

"Das ist gigantisch, einfach unglaublich. Auf diesen Moment habe ich mich drei Wochen lang gefreut", sagte Froome und lachte vor Hunderttausenden Fans gegen das Pariser Schmuddelwetter an: "Die Champs-Élysées enttäuschen nie - jetzt gibt es erst mal Party."

Bei nur 54 Sekunden Vorsprung auf den Kolumbianer Rigoberto Uran war es der am härtesten erkämpfte Sieg des Briten. "Dieser Erfolg ist einzigartig. Aber das war irgendwie jeder meiner Tour-Siege", sagte der 32-Jährige, der auf den entspannten letzten Kilometern in die Hauptstadt mit den Sky-Kollegen Champagner-Gläser kreisen gelassen hatte.

Greipel von Groenewegen bezwungen

Greipel war nach dem unglücklichen Ende einer frustrierenden Tour de France völlig bedient. "Super, Platz zwei, na toll", sagte Greipel sarkastisch, nachdem er den "wichtigsten Sprint des Jahres" knapp gegen den niederländischen Sieger Dylan Groenewegen verloren hatte.

Der fünfmalige Tagesgewinner Marcel Kittel blieb somit einziger deutscher Tagesgewinner.

"Natürlich bin ich nicht zufrieden, ich wollte hier gewinnen", sagte der 34 Jahre alte Greipel, "aber wir müssen nun nach vorne schauen." Nach ein paar kurzen Sätzen mit seiner Familie verkroch sich der Rostocker im Teambus.

Kittel als Zuschauer in Paris

Die deutschen Sprinter verpassten in der Hauptstadt den vierten Erfolg in Serie beim Finale. 2014 hatte Kittel auf den Champs-Elysees gewonnen, der dominierende Spurter der 104. Tour hatte in der Schlusswoche verletzt aufgegeben, war am Sonntag aber als Zuschauer zurückgekehrt.

Greipel war bereits 2015 und 2016 zum Sieg in Paris gesprintet, im Vorjahr hatte er am Schlusstag seinen ersten Tagessieg gefeiert. Bei seiner siebten Tour-Teilnahme blieb der Rostocker nun erstmals ohne Etappenerfolg.

Vom 32 Jahre alten Froome war derweil sichtlich der große Druck abgefallen, den er sich vor allem selbst gemacht hatte.

Froome scherzt mit Knees und Co.

Auf der "Tour d'Honneur" aus Montgeron, wo 1903 die erste Tour gestartet war, nach Paris scherzte er ausgelassen mit seinen Kollegen um den Bonner Christian Knees, der zum zweiten Mal nach 2012 (Bradley Wiggins) einem Sky-Kapitän zum Tour-Erfolg verhalf.

In der Schlussphase der letzten Etappe, als auf den Champs-Elysees ein höllisches Tempo gefahren wurde, war Froome dann aber der gewohnt tadellose Profi. Mit seinem Team führte er auf der letzten Runde gar das Feld an, wollte bloß keinen Sturz im Getümmel riskieren.

Einen Tag zuvor hatte Froome endgültig für klare Verhältnisse gesorgt und beim Zeitfahren in Marseille im Stile eines Champions die letzte große Herausforderung gemeistert. Als Dritter beim Sieg des Polen Maciej Bodnar über 22,5 km hatte er seinen Vorsprung im Gesamtklassement deutlich ausgebaut.

Bardet als Dritter auf dem Podium

Konkurrent Uran rückte durch eine starke Vorstellung im Kampf gegen die Uhr auf Platz zwei vor, Froomes vermeintlich härtester Rivale Romain Bardet brach ein und verteidigte noch so gerade den Platz auf dem Podium - mit einer Sekunde auf Sky-Edelhelfer Mikel Landa.

Der deutsche Weltmeister Tony Martin ging in Marseille wie beim Auftaktzeitfahren in Düsseldorf leer aus. Der 32-Jährige vom Team Katjuscha-Alpecin belegte mit 14 Sekunden Rückstand den vierten Platz.

"Ich hatte ein wirklich gutes Gefühl und auch noch Kraft im Finale. Nach drei Wochen ist aber auch die Tagesform entscheidend. Ich muss akzeptieren, dass Bodnar schneller war", sagte Martin.