Jetzt greift Flixbus auf der Schiene an

Flixbus geht in die Offensive – auf der Schiene: Der Flixtrain startet noch im Frühjahr auf zwei Strecken. Die Deutsche Bahn bekommt damit den ersten ernsthaften Wettbewerber im Fernverkehr.

André Schwämmlein ließ Anfragen zu einer möglichen Offensive auf der Schiene bislang gekonnt an sich abprallen. Im August 2017 übernahm Flixbus den damals insolventen Zugbetreiber Locomore. Doch von einer Großoffensive auf der Schiene, auf die zahlreiche Beobachter spekuliert hatten, wollte der Chef des Fernbusbetreibers Flixbus nichts wissen. Locomore sei lediglich ein Test. Man habe die günstige Gelegenheit genutzt, bei einem insolventen Zugbetreiber einzusteigen und auszuprobieren. Man wollte schließlich einfach nur mal schauen, ob Züge in Deutschland ein Geschäftsmodell sein könnten.

Mittlerweile kann Flixbus darauf wohl eine klare Antwort geben. Züge sind ein Geschäftsmodell und Flixbus geht mit voller Kraft auf die Schiene. Das Unternehmen aus München, vor fünf Jahren als Fernbus-Start-up gegründet, greift die ICE- und Intercity-Züge der Deutschen Bahn an und startet noch in diesem Monat mit Fernverkehr auf der Schiene. Die Holding Flixmobility führt künftig zwei Unternehmen: Flixbus für die Fernbusse und Flixtrain für die Fernverkehrszüge. 

Das Unternehmen wird ab März zunächst einen Linienzug auf die Trasse stellen. Einmal täglich geht es von Köln über Düsseldorf und Essen nach Hamburg, außer mittwochs. Ab April soll dann ein zweiter Zug von Stuttgart über Frankfurt und Hannover nach Berlin fahren. Ab Sommer folgt auf der gleichen Strecke ein weiterer Zug. Die Farbe der Züge: grün. Das Ziel: „Wir wollen Flixtrain langfristig als Angebot neben dem ICE- und Intercity-Verkehr der Deutschen Bahn etablieren“, sagte Flixbus-Gründer und -Chef André Schwämmlein der WirtschaftsWoche.


Der Vorstoß ist ein Paukenschlag. Bislang sind sämtliche Versuche, der Deutschen Bahn auf ihrem angestammten Territorium Paroli zu geben, gescheitert. Doch mit Flixbus versucht sich nun ein erfolgreicher Mobilitätsanbieter, der finanzkräftige Investoren im Rücken hat. Das Selbstbewusstsein holen sich der Firmengründer und seine Kollegen Jochen Engert und Daniel Krauss von den Erfahrungen mit den Locomore-Zügen. Auch der Hamburg-Köln-Express (HKX) gehörte zwischenzeitlich in das Vertriebsnetz der Münchener. „Wir haben seit August 2017 über 150.000 Passagiere auf der Schiene transportiert und gemerkt, dass die Züge bei den Kunden gut ankommen.“ Die Auslastung der Züge sei „höher als bei den Bussen“, so Schwämmlein. Über Weihnachten seien die Züge nahezu ausgebucht gewesen.

Nun investiert das Mobilitätsunternehmen nach eigenen Angaben „einen einstelligen Millionenbetrag“ in den Aufbau des Flixtrain. „Unser Ziel sind eine halbe Million Passagiere in diesem Jahr.“ Die Ticketpreise gehen ab 9,99 Euro los. In Boomzeiten sollen die Tickets nicht mehr als 99 Euro kosten. „Wir werden auf jeden Fall mit extrem attraktiven Ticketpreisen in den Markt gehen“, kündigt Schwämmlein an.

„Keine Panik im Bahntower“ 

Flixtrain setzt auf gebrauchte Züge und will sich „qualitativ zwischen dem ICE der Deutschen Bahn und dem eigenen Fernbus“ positionieren. Wie bei den Fernbussen arbeitet das Unternehmen vor allem als Marketing-Plattform. Betrieben werden die Züge von dem tschechischen Unternehmen Leo Express und dem Nürnberger Eisenbahnunternehmen BahnTouristikExpress (BTE). Die beiden Bahnbetreiber sind bereits Partner beim Locomore und dem HKX. „Unsere Stärke liegt darin, dass wir die Zugtickets über die gleichen Vertriebskanäle wie die Bustickets vertreiben und die Züge in unser bestehendes Fernbusnetz integrieren“, so Schwämmlein.


Das Unternehmen hat mit General Atlantic und weiteren Investoren wie Holtzbrinck Ventures und Daimler finanzstarke Partner im Rücken. Zuletzt kam der Tech-Investor Silverlake aus den USA dazu. Flixbus ist gerade dabei, ein Fernbusnetz in den USA aufzubauen. Das Unternehmen will noch in diesem Jahr an der Westküste starten und hat ein Büro in Los Angeles eröffnet.

Die Hoffnung: Ein Erfolg wie in Deutschland soll sich wiederholen. Die grünen Busse haben das Image der Fernbusse hierzulande radikal verändert. Der Marktanteil liegt bei mehr als 90 Prozent. Daran wollen die Münchener in den USA anknüpfen.

Das Image des Fernverkehrs der Deutschen Bahn ist dagegen deutlich besser. Als Konkurrenz zum ICE sieht sich Flixbus daher nicht. „Wir fahren bis Sommer drei Züge“, sagte Schwämmlein der WirtschaftsWoche. Die Deutsche Bahn hat alleine 280 ICE-Züge in ihre Flotte. „Unsere ersten Angebote sollten eigentlich keine Panik im Bahntower auslösen.“