Greenpeace fordert verpflichtende staatliche Fleisch-Kennzeichnung

Greenpeace-Aktivist während der Grünen Woche

Umwelt- und Verbraucherschützer haben hohe Ansprüche an die geplante staatliche Tierwohl-Initiative: Die Umweltorganisation Greenpeace forderte am ersten Tag der Grünen Woche in Berlin eine verpflichtende staatliche Fleisch-Kennzeichnung. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) verlangte, ein Tierwohl-Siegel müsse in der Einstiegsstufe mindestens den Standard des Tierschutzbunds voraussetzen.

Greenpeace-Aktivisten brachten am Freitagmorgen am Funkturm auf dem Berliner Messegelände ein Plakat mit der Aufschrift "Lasst die Sau raus!" an. "Wir brauchen eine ökologische Agrarwende, mit der Tiere besser gehalten und in der weniger Gülle und Antibiotika eingesetzt werden", erklärte Greenpeace-Landwirtschaftsexpertin Stephanie Töwes.

Immer mehr Verbraucher wollen laut Greenpeace wissen, wie Tiere, deren Fleisch sie kaufen, gehalten wurden. Die Fleischindustrie und ihre industriellen Zulieferer verschleierten jedoch die Bedingungen in der für billiges Fleisch nötigen Massenproduktion.

Ein Rechtsgutachten im Auftrag von Greenpeace weist nach Angaben der Organisation nach, dass die Bundesregierung mit einer verpflichtenden Haltungskennzeichnung von Fleischprodukten für mehr Verbraucherschutz und Wahlfreiheit sorgen kann. Eine nationale Umsetzung wäre laut Gutachten mit den EU-Gesetzen vereinbar und würde auch für importiertes Fleisch gelten.

"Eine freiwillige Kennzeichnung beträfe nur einen kleinen Teil des Fleischangebots", erklärte Töwes. "Wenn man aber tatsächlich Transparenz für den Verbraucher herstellen will, muss die Haltung des betreffenden Tieres auf allen Produkten ersichtlich sein."

Dem stimmte auch Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter zu: "Eine staatliche Haltungskennzeichnung würde endlich Klarheit schaffen statt Tierleid bloß mit einem unverbindlichen Alibi-Label zu überkleben", erklärte er am Freitag. Union und SPD dürften diese Transparenz für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht länger blockieren.

Eine Vielzahl freiwilliger Label und Siegel auf Fleisch nehme Verbrauchern die Orientierung, kritisierte auch die Landwirtschaftsexpertin Töwes. Eine verpflichtende staatliche Haltungskennzeichnung könne mit einheitlichen Kriterien für mehr Durchblick im Labeldschungel sorgen.

Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller, kritisierte dahingehend das geplante Geflügel-Label der Initiative Tierwohl. Der Standard der Initiative sei zu niedrig, außerdem seien die Kennzeichnungs-Methoden verwirrend für Verbraucher. "Beim Tierwohllabel muss eine neue Bundesregierung zügig liefern ? die Vorschläge liegen ja bereits in der Schublade."

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) plant lediglich die Einführung eines freiwilligen Labels. Ein verpflichtendes Label würde eine europäische Einigung erfordern und die Umsetzung daher viel länger dauern, wie sein Ministerium erklärt. Die Anforderungen sollen jedoch "deutlich über den Anforderungen der Brancheninitiative Tierwohl liegen".

Dieses zunächst zweistufige Siegel soll mit Schweinefleisch und Geflügel beginnen, hatte Schmidt vergangenes Jahr erklärt. Die Tiere haben etwa mehr Platz, bekommen besseres Futter oder Spielmaterial zur Beschäftigung. Die Einführung des Siegels halten Union und SPD auch in ihrem Sondierungspapier fest.