Die grausame Demontage des Mythos Ali

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Die grausame Demontage des Mythos Ali
Die grausame Demontage des Mythos Ali
Die grausame Demontage des Mythos Ali

Der Kampf, der nie hätte stattfinden dürfen, endet nach der zehnten Runde.

Muhammad Alis Trainer Angelo Dundee schreitet ein, nachdem der „Größte“ von seinem Kontrahenten Larry Holmes Runde für Runde gedemütigt wurde. „Das Spiel ist zu Ende“, brüllt er dem Schiedsrichter entgegen.

Für dieses „Spiel“, den WM-Kampf in einer provisorischen Arena vor dem Caesars Palace in Las Vegas, war Ali im Alter von 38 Jahren nach zweijähriger Pause aus dem Box-Ruhestand zurückgekehrt - nachdem er zuvor schon in zwei Kämpfen gegen den im vergangenen Jahr verstorbenen Leon Spinks keine gute Figur mehr abgegeben hatte.

Im Ring trat die lebende Legende am 2. Oktober 1980 - heute vor 41 Jahren - unter dem Titel „Das letzte Hurra“ gegen seinen acht Jahre jüngeren ehemaligen Sparringspartner Holmes an.

Muhammad Ali 1980 nur noch ein Schatten

Ali ist zu diesem Zeitpunkt noch immer eine Gelddruckmaschine, Promoter Don King sichert ihm eine Kampfbörse von damals horrenden 8 Millionen Dollar (6 für Holmes), wollte den Kampf gar ursprünglich vor über 100.000 Zuschauern im legendären Maracana-Stadion in Rio de Janeiro ausrichten (Don King: Er zockte Ikonen ab - und tötete zwei Menschen).

Der passive, behäbige Ali, der in Vegas den Ring betritt, hat nichts mehr zu tun mit dem Gewinner des „Rumble in the Jungle“ und des „Thrilla in Manila“, dem Bezwinger von Sonny Liston, Floyd Patterson, George Foreman und Joe Frazier.

Ali ist nur noch ein Schatten seiner selbst, ein menschlicher Boxsack für den dominierenden Holmes, der seinem Gegenüber aber offenbar den K.o. ersparen will. In der neunten Runde schreit Ali bei einem Schlag in die Nierengegend sogar vor Schmerzen laut auf. „Das werde ich nie vergessen, solange ich lebe“, erinnerte sich Lloyd Wells aus Alis Entourage, „Ali schrie.“

Sylvester Stallone: „Eine Autopsie eines Mannes, der noch lebt“

Was erst nach der traurigen Episode bekannt wird: Der Schwergewichtler schluckte zu dieser Zeit Medikamente gegen eine vermutete Schilddrüsenerkrankung. Eine neurologische Untersuchung vor dem Kampf hatte jedoch bereits besorgniserregende Auffälligkeiten belegt. Dennoch erteilte ihm die Nevada State Athletic Commission die Lizenz zum Boxen. (Muhammad Ali: Für seinen Mythos zahlte er einen immens teuren Preis)

„Alle an diesem Kampf beteiligten Personen hätten verhaftet werden müssen“, wurde Alis früherer Ringarzt Ferdie Pachecho später zitiert: „Dieser Kampf war eine Abscheulichkeit, ein Verbrechen.“ Rocky-Darsteller Sylvester Stallone formulierte es ebenfalls drastisch: „Es war, wie eine Autopsie eines Mannes zu sehen, der noch lebt.“

Umso unverständlicher, dass Ali im Dezember des folgenden Jahres zu einem letzten Kampf in den Ring steigt, dem „Drama auf den Bahamas“, den er gegen Trevor Berbick klar nach Punkten verliert.

Weniger als drei Jahre später wird bei dem 2016 verstorbenen Muhammad Ali die Parkinsonerkrankung diagnostiziert.

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Mit Sportinformationsdienst (SID)

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