Prof. Otte zu DAX, Bitcoin, Merkel, AFD, FDP

DER AKTIONÄR
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Prof. Otte zu DAX, Bitcoin, Merkel, AFD, FDP

Professor Max Otte hat 2006 die Finanzkrise vorhergesehen. 2017 warnt er jetzt vor der „Blase Bitcoin“ und noch eindringlicher vor einer gesellschaftlichen „Katastrophe“. Wie Dirk Müller und Silberjunge Schulte kritisiert der Fondsmanager die alte Regierung scharf – und spricht sich für die AfD aus.

DER AKTIONÄR: Herr Otte, Sie sind im Sommer mit Freunden und Kunden durch Deutschland nach Berlin gewandert. Was hat Eindruck hinterlassen?

Prof. Max Otte: Begeistert war ich von den offenen Gesprächen, der vertrauensvollen Atmosphäre und den wundervollen Landschaften, ob Rhön, Limeswanderweg, Teutoburger Wald, Harz, Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg. Unsere Mittelgebirge sind für mich die schönsten Landschaften der Welt. Erhebende Fernblicke, aber auch stille Winkel im Wald. Ich bin im Wald aufgewachsen und er macht immer noch einen tiefen Eindruck auf mich.

Mit der Stille um Sie herum ist es seit einigen Tagen vorbei. Als CDU-Mitglied überraschten Sie mit der Ankündigung, die AfD zu wählen. Auch an der Börse handeln Sie oft antizyklisch nach dem Vorbild von Buffett oder Greenwald. „Genauer hinzuschauen bei Firmen, die hässlich scheinen“, nennen Sie es. Erklärt dies das Kuscheln mit dem hässlichen Entlein AfD?

Mein Outing für die AfD ist eine reine Gewissensfrage gewesen. Die von den eta­blierten Parteien zu verantwortenden Rechtsbrüche sind unerträglich und sie werden unser Land zerstören, wenn wir nicht etwas unternehmen. Mein Bekenntnis wird mir Nachteile und Anfeindungen bringen, aber ich halte es für meine staatsbürgerliche Pflicht.

Sie sind Börsianer. Läuft es nicht gut für das Kapital? Die Niedrigzinspolitik vernichtet Realvermögen von Sparern, sorgt aber gleichzeitig für steigenden Wohlstand von Aktionären und in der Investmentbranche.

Das ist unerträglich, obwohl ich ja auf der Seite der Gewinner stehe, der Max Otte Vermögensbildungsfonds hat in einem Jahr 21 Prozent zugelegt. Auch Buffett hat gesagt, dass die falsche Klasse gewinnt. Die Niedrigzinspolitik nützt den Staaten, den Konzernen und den Superreichen. Sie schadet der Mittelschicht, die ihr Geld auf dem Sparkonto oder in einer Lebensversicherung hat.

Noch mehr als die Euro-Politik steht die Flüchtlingskrise zur Diskussion. Könnte man sich nicht als Aktionär mit Firmen wie Daimler über die Zuwanderung von potenziellen Arbeitern freuen, weil dadurch das Lohnniveau für alle Arbeitnehmer niedrig bleibt?

Nein, weil die Zuwanderung, wie sie jetzt betrieben wird, katastrophal ist. Sie wird unser Land zerstören. Schon jetzt gibt es No-go-Areas. Es gibt den ersten Fall, in dem in Deutschland ein muslimischer Mann per Gerichtsbescheid mehrere Frauen haben darf. Es gibt mehr als 1.000 registrierte Kinderehen. Wo sind wir denn?

Gegner der AfD sprechen von einer „antisemitischen“ und „undemokratischen“ Partei. Stimmt Sie das nicht nachdenklich?

So pauschal stimmt das für die AfD auf keinen Fall. „Antisemitismus“ ist ja die Urkeule, um Menschen zu diffamieren. Sogar Dieter Hallervorden wird vorgeworfen, er bediene sich „antisemitischer Codes“. Und demokratischer als die CDU ist die AfD allemal. Hier wird noch im Diskurs um Inhalte gerungen.

Das Gros der Schauspieler und Komiker sieht das anders und hält im Wahlkampf Angela Merkel die Treue. Es fällt jedoch auf, dass sich mit Dirk Müller, Prof. Hans-Werner Sinn, „Silberjunge“ Thorsten Schulte Prominente aus der Finanzszene von der Politik der alten Regierung abwenden. Sind Börsianer herzloser?

Eher analytischer. Mich wundert, dass die Künstler nicht für die wichtigen Themen auf die Straße gehen, wie Frieden mit Russland. Anfang der 1980er haben sie sich massiv engagiert. Jetzt ducken sie sich weg.

Ist es nicht menschlich, auf der Seite derer zu stehen, die Flüchtlingen helfen wollen? In Medien wird der Eindruck vermittelt: Die Politik von Merkel rettet Menschen und quasi nebenbei unser Rentensystem.

Nein, das ist falsch, weil wir die Fluchtursachen nicht bekämpfen. Außerdem wurden den Flüchtlingen kurz vor Beginn der Wanderungen in den Lagern systematisch die Mittel gekürzt. Eine Flüchtlingsfamilie kann in dieser Region für wenig Geld pro Tag versorgt werden. In Deutschland sind die Kosten um den Faktor 50 bis 100 höher.
Hans-Werner Sinn hat vorgerechnet, dass Flüchtlinge unsere Rente nicht bezahlen. Wir sehen ein groteskes Zerrbild in den Main­stream­­medien. Bei der Kriminalität, der Rente, dem Dieselskandal, Russland und Lybien. Die Berichterstattung ist grauenhaft.
Parteiisch. Punktuell. Tendenziös.

Derzeit gibt es 2.200 syrische Ärzte in Deutschland. Profitiert Deutschland nicht von Menschen aus aller Welt? Sie selbst besitzen ja auch einen US-Pass.

Ein Einwanderungsgesetz nach kanadischem oder australischem Vorbild macht ja Sinn. Doch die Zuwanderung in dieser Form ist eine Katastrophe. Schon allein wirtschaftlich überwiegen die Nachteile sehr deutlich. Wir setzen damit unser Land aufs Spiel.
Denn hinzu kommen die gesellschaftlichen Nachteile. In den ersten sechs Monaten 2017 sind alleine in Bayern 48 Prozent mehr Vergewaltigungen angezeigt worden. Die Zahl der Taten, die dabei Zuwanderern zugeordnet wurden, stieg um 91 Prozent auf 126. Die Einwanderungspolitik ist ursächlich hierfür. Frau Merkel und die, die diese Politik verantwortet haben, haben sich mit schwerer Schuld beladen.

Werden solche Kollateralschäden durch die Rettung von Menschen nicht aufgewogen?

Nein, denn diese Menschen hätte man besser und günstiger vor Ort versorgen können.

Was ist für sie der typische Flüchtling?

Es ist kein Geheimnis, dass zwei Drittel und mehr der Flüchtlinge junge Männer sind. Und junge Männer sind aggressiv, wie es der Soziologe Gunnar Heinsohn herausgearbeitet hat. Das Bildungsniveau ist niedrig. Die ersten Erfahrungen mit der Integration ins Berufsleben sind niederschmetternd.

Hat nicht die Regierung das Ruder in der Flüchtlingskrise herumgerissen – könnte man sich nicht zurücklehnen und einfach Altparteien wählen, ohne anzuecken?

Angela Merkel hat gerade wieder betont, dass sie keine Obergrenze will und dass sie alles wieder ganz genauso machen würde. Diese Frau reißt unser Land sehenden Auges in den Abgrund. Das war alles absehbar und wurde bewusst in Kauf genommen.

FDP-Chef Lindner hat zur Jahrtausendwende ähnlich wie Sie durchwachsene Erfahrungen mit der Gründung eines Start-up gemacht – keine Sympathie für die FDP?

Scheitern gehört im Wirtschaftsleben dazu. Aber jetzt versucht sich Lindner als Gesinnungsakrobat, indem er sich als Alternative zur AfD versucht. Ich hoffe, dass die AfD drittstärkste Partei wird mit über 15 Prozent.

Würde das zu einem DAX-Crash führen?

Nein, denn es sieht alles so aus, als ob Merkel es wieder machen wird. Nur für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass es Schwarz-Rot und Schwarz-Gelb nicht schaffen, würde es einen Einbruch geben.

Sie haben 2006 im Buch „Der Crash kommt“ die Finanzkrise vorhergesehen. Wie akut sind die Gefahren heute?

Die Gefahren sind riesig, in vielerlei Weise größer als 2007. Die Niedrigzinspolitik kommt an ihre Grenzen; die Welt ist politisch in Unordnung. Es sind so viele Menschen auf der Flucht wie noch nie. Wir haben zu viele Geldvermögen beziehungsweise Schulden. Es muss eine Bereinigung geben. Die Zwangspolitik der Notenbanken und die Verdrängung des Bargelds haben die staatlichen Kontrollmöglichkeiten erhöht. Ich glaube daher nicht an einen großen Crash. Es wird viele kleine Eingriffe und kontrollierte Explosionen, wie Insolvenzen, geben.

Wie kann man sich schützen?

Ich rate zu Sachwerten wie Aktien und Edelmetalle. Bitcoin halte ich für eine große Blase. Außerdem verstehe ich das nicht ganz und eine Währung sollte für jeden Idioten verständlich sein.

Welche Aktien?

Foot Locker ist ein Schnäppchen. Die britische Capita Group, ein Dienstleistungs-Outsourcer, überzeugt mit seiner Dividendensteigerung. Auch die Svenska-Handelsbanken kann man sich ins Depot legen, eine hervorragend gemanagte Bank.

Wenn Sie im Jahr 2027 wieder mit Freunden wandern – was wünschen Sie sich?

Ich hoffe sehr, dass es dann noch ein Deutschland geben wird, das ich wiedererkenne.

Lesen Sie das komplette Interview in der neuen AKTIONÄR-Ausgabe 39/2017.