Gratis-Nahverkehr für alle?

Mehr saubere Luft für Deutschlands Städte. In einem Schreiben an die EU erwägt die Bundesregierung die Förderung von kostenlosem Nahverkehr. Erst nur in einzelnen Kommunen, dann auch landesweit.

Kostenlos mit Bus und Bahn fahren – das könnte in fünf deutschen Städten bald Realität werden. Pläne, über die die Bundesregierung nicht ganz freiwillig nachdenkt. Deutschland und acht andere EU-Länder überschreiten regelmäßig die erlaubten Grenzwerte für Schadstoffe in der Luft.

Jetzt setzte ihnen Brüssel die Pistole auf die Brust. Konkrete Pläne für bessere Luft müssen her, sonst drohen hohe Geldstrafen. Also versucht Berlin, Fakten zu schaffen. Bonn, Essen, Herrenberg, Reutlingen und Mannheim: In diesen Modellstädten soll der Gratis-Nahverkehr getestet werden.

Schöne Idee, aber unbezahlbar – bemängeln Kritiker. 13 Milliarden Euro bringt der Ticketverkauf im deutschen Nahverkehr jährlich ein. Allein in Hamburg sind es 830 Millionen Euro – also etwa die Kosten der Elbphilharmonie.

Kommunen und Verkehrsverbände warnen Berlin vor zu plakativen Ideen, die auf die Schnelle nicht umgesetzt werden könnten. Man brauche zuerst mehr Geld für Ausbau und Modernisierung des Nahverkehrs – dann könne über kostenlose Fahrscheine nachgedacht werden.

Die Partei Die Linke begrüßte die Pläne als überfälligen und großen Schritt. Vonseiten der Grünen wird der Bundesregierung "Aktionismus" vorgeworfen. Seit Jahren habe die GroKo kaum etwas für den öffentlichen Verkehr in den Städten getan.

"Nun in einem Brief an Brüssel mit Vorschlägen zu kommen, die im Koalitionsvertrag nicht mal erwähnt sind, ist unglaubwürdig", sagte Fraktionsvize Oliver Krischer der dpa.