Grasemann will zu Olympia 2018

Laura Grasemann wagt in ihrer Sportart waghalsige Mannöver

Ski-Freestylerin Laura Grasemann ist seit einigen Jahren Deutschlands beste Buckelpistenfahrerin, wurde 2017 Deutsche Meisterin und Elfte bei der WM.

Weil der Deutsche Skiverband seit 2014 die Förderung für ihre Sportart eingestellt hat, muss die 25-Jährige ihre Saison komplett selbst finanzieren. Zusätzlich zu Training, Weltcup und diversen Nebenjobs absolviert sie ein Studium Molekulare Biotechnologie an der Technischen Universität München - alles für den großen Traum von der Olympia-Teilnahme 2018.

Die Buckelpistenfahrerin steht zur Wahl zum "Sport-Stipendiat des Jahres". Im Interview spricht Grasemann über ihre Ziele und Motivation für die Zukunft und ihren Spagat zwischen Studium und Sport.

Laura, als der Verband 2014 die Förderung für Eure Sportart gestrichen hat, hast Du teilweise als Tennis-Trainerin gearbeitet, um Dir Sport und Studentendasein zu finanzieren. Machst Du das noch immer?

Laura Grasemann: Tennisstunden gebe ich nicht mehr, aber ich habe noch immer allerhand Nebenjobs. Vor allem arbeite ich als Trainerin, sei es im Skiverband oder im Leichtathletik-Verein. Ich habe aber auch schon als Hostess gearbeitet oder habe ein Skirennen moderiert.

Wenn Sport und Studium die Duale Karriere sind, was ist dann Deine Kombination aus Sport, Studium und Nebenjobs?

Grasemann: In erster Linie ist es anstrengend (lacht). Und natürlich sehr zeitintensiv. Wahnsinnig viel Freizeit habe ich nicht mehr, die muss ich mir gezielt nehmen. Man kann nicht immer nur Energie abschöpfen und nie nachfüllen.

Hast Du schon öfter einmal ans Aufhören gedacht?

Grasemann: Natürlich. In stressigen Zeiten fragt man sich schon häufiger, warum man sich das alles antut.

Und wie motivierst Du Dich in diesem Momenten doch weiterzumachen?

Grasemann:  Die Olympischen Spiele 2018 in Pyeongchang sind ein großes Zugpferd. Ich habe Olympia bereits 2014 in Sotschi erlebt. Da noch einmal dabei zu sein, ist mein erklärtes Ziel. Vor allem aber überwiegt einfach der Spaß an der Sportart und am Sport generell.

Wie finanzierst Du Deine Olympia-Saison?

Grasemann:  Vom Anfang der Saison bis zu den Olympischen Spielen brauche ich ungefähr 26.000 Euro etwa für die Weltcup-Reisen, Trainingslager oder für unser Trainerteam. Meine allerwichtigste Einnahmequelle dafür ist die Deutsche Sporthilfe mit dem normalen Förderbetrag und dem Deutsche Bank Sport-Stipendium. Dazu bekomme ich derzeit Unterstützung aus dem „Team Pyeongchang“ der Metropolregion RheinNeckar, habe private Sponsoren und wir versuchen als Team beispielsweise über unsere Social-Media-Aktivitäten oder über unsere Spendenplattform freestyle2018.de Unterstützer zu gewinnen.

All das leistest Du parallel zu einem Studium der Molekularen Biotechnologie. Das klingt auch nicht gerade wenig zeitintensiv, oder?

Grasemann:  Es ist zum Glück kein reines Lernstudium, sondern oft steht auch das Verständnis im Vordergrund. Die Zeit zum Lernen zwackt man sich dabei eben da ab, wo sie übrig ist. Vor dem Training, nach dem Training, zwischen den Trainingseinheiten. Längere Laborpraktika absolviere ich dann immer im Frühjahr direkt nach der Saison.

Wie machst Du es während der Saison?

Grasemann:  Was die Anwesenheit angeht, bin ich viel auf Kulanz der Professoren und Dozenten angewiesen. Eine meiner letzten Bachelor-Klausuren habe ich zum Beispiel bei einem Weltcup in Kanada um 5 Uhr morgens geschrieben, die Blätter direkt abfotografiert und nach Deutschland geschickt.

Du stehst zum zweiten Mal unter den Top 5 bei der Wahl zum Sport-Stipendiat des Jahres. Was bedeutet Dir diese Auszeichnung?

Grasemann: Ich finde die Wahl besonders deshalb eine tolle Sache, weil sie die einzige Auszeichnung ist, die Sport und Studium in Kombination würdigt. Wir sind nämlich weder nur Sportler noch ausschließlich Studenten, sondern müssen beide Dinge unter einen Hut bringen. Schön, dass auch so etwas honoriert wird. Bereits die 200 Euro Zuschlag für die fünf Finalisten tun mir im Übrigen auch finanziell sehr, sehr gut.


Steckbrief

Laura Grasemann (* 30. April 1992 in Heidelberg)

Sportart: Ski-Freestyle (Buckelpiste)

Wohnort: München

Verein: SC Wiesloch

Größte Erfolge: Olympia-Teilnehmerin 2014, WM-Neunte 2015, 10-fache Deutsche Meisterin

Studium: Molekulare Biotechnologie (Master)

Universität: Technische Universität München