Grüngürtel: 1,3 Kilometer lange Baustelle an der Brühler Landstraße ärgert die Kölner

Die Baufirma verweist auf Gefahren und hält die Absperrung für sinnvoll.

Die morgendliche Runde mit Hund Joschi ist für Elfi Finkel seit einigen Tagen eine Herausforderung. Bislang ging die Psychotherapeutin, die in Raderthal wohnt und arbeitet, einfach aus dem Haus, überquerte den Militärring und war im Grüngürtel.

Doch dort ist derzeit kein Durchkommen. Im Auftrag der Stadtverwaltung erneuert die Firma Eurovia einen 1,3 Kilometer langen Abschnitt der parallelen Rad- und Fußwege, die in einem Waldstück neben dem Militärring verlaufen, und diesen vom Äußeren Grüngürtel trennen.

Einen gemeinsamen Weg für 762.000 Euro, so die letzte Ankündigung in der Bezirksvertretung Rodenkirchen, legen die Arbeiter in den nächsten drei Monaten an, samt Unterbau und Entwässerung.

Die gesamte Strecke zwischen Wasserwerkswäldchen und Brühler Landstraße ist deshalb mit Bauzäunen abgeriegelt. „Trotzdem gehen viele weiter dort durch“, hat Finkel beobachtet, Spaziergänger und Hundebesitzer würden sich nun durchs Gebüsch zwängen. Warum die gesamte Strecke gesperrt ist, erschließt sich ihr nicht. „Kann man das nicht abschnittsweise machen?“, fragt sie. Gearbeitet werde ja derzeit nur zwischen Brühler Landstraße und Robinienweg.

Beliebt bei Hundebesitzern

„Baustellenausfahrt“ und „Radwegsanierung“ steht auf zwei Schildern an der Einfahrt zum Robinienweg. Kipplaster biegen aus dem Waldstück in den Militärring, zeitweise im Minutentakt. Hier steht auch der Baucontainer von Polier und Baustellenchef Stephan Bauer-Schmeling. „Gestern allein habe ich 35 Autos von Grüngürtel-Besuchern hier rausgeholt“, sagt er.

Das Tor im Bauzaun steht meist offen, weil Lkw ständig Material bringen und Erdreich abfahren. Der Robinienweg ist der einzige geteerte Weg in der Umgebung, der in den Grüngürtel führt. Viele auswärtige Hundebesitzer nutzen ihn als Parkplatz für eine ausgiebige Gassirunde.

Lieferwagen für Sexarbeiterinnen

Eine Handvoll Lieferwagen stehen hier normalerweise ebenfalls. Sie dienen Sexarbeiterinnen und ihren Freiern abends als Verrichtungsgelegenheit. Nun sind sie in der schmalen Einfahrt außerhalb des Bauzauns geparkt. Reifenspuren zeigen, dass die Freier vermutlich auf dem schmalen Stück Wiese daneben halten. Die mobile Toilette, die den Frauen sonst zur Verfügung steht, ist derzeit nicht erreichbar.

Die Baustelle betrifft ganz unterschiedliche Nutzer des Grüngürtels, die nun ausweichen müssen. Polier Bauer-Schmeling klagt: „Das mag vielleicht nicht sofort ersichtlich sein, aber wir brauchen den gesamten Abschnitt jetzt schon.“

Neben der Gefahr, die plötzlich aus dem Gebüsch springende Fußgänger und Hundebesitzer für die Lkw-Fahrer und Baggerführer darstellen, ist der Abschnitt aus mehreren Gründen nicht sicher. An vielen Stellen ragen Eisenpfähle aus dem Boden. Unter der Strecke verlaufen zwei Gasleitungen. 60 Zentimeter tiefe Schächte dienen den Arbeitern zur Kontrolle der Leitungen. Sie sind nicht gesichert.

Aushub auf 5,50 Metern Breite

Holzpflöcke zeigen alle zehn Meter an, wo die künftigen Fahrbahnen verlaufen sollen und in welcher Höhe die Deckschicht liegen muss. „Wenn die umgerissen werden, sind wir orientierungslos“, sagt Bauer-Schmeling. Später folgt der Aushub auf 5,50 Metern Breite.

Und die Baufahrzeuge befahren ebenfalls jetzt schon den gesamten Abschnitt. Eine ausgewiesene Querung für Fußgänger hält er für zu aufwändig, ein Ausweichen für zumutbar. „Wir wollen in drei Monaten fertig sein“, sagt er. Das sei ambitioniert, Verzögerungen will er vermeiden.

Baustellenschild fehlt noch

Das Vorgehen ist mit der Verwaltung abgestimmt. Ein Baustellenschild und Hinweise auf die Ausweichstrecke würden noch fehlen, räumt Stadt-Sprecher Jürgen Müllenberg jedoch ein und kündigt an, dass sich das in Kürze ändert. „Mehr Informationen wären hilfreich gewesen“, sagt auch Anwohnerin Elfi Finkel....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta