Grünen-Ministerpräsident Kretschmann wirbt für Diesel

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) warnt mit Blick auf den Dieselskandal vor schwerwiegenden Folgen für den Klimaschutz, falls die Zahl der Diesel-Autos binnen kurzer Zeit deutlich sinkt. "Bei einem signifikanten Rückgang des Dieselanteils wären die Klimaziele so nicht mehr zu halten", sagte der bekennende Diesel-Fahrer der Zeitung "Welt am Sonntag".

Kretschmann zufolge gerät das Thema Klimaschutz wegen der Debatte um zu hohe Stickoxide aus Diesel-Autos völlig in den Hintergrund. Selbst wenn in den kommenden Jahren ein oder zwei Millionen Elektroautos auf den Straßen wären, seien "immer noch 43 Millionen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor unterwegs sind - mit dem entsprechenden CO2-Ausstoß".

Benziner stoßen mehr CO2 aus als Diesel, die Selbstzünder sind jedoch wegen ihrer Stickoxid-Emissionen heftig in der Kritik. Um einen weiteren Anstieg des CO2-Ausstoßes zu verhindern, sind laut Kretschmann saubere Diesel "als Übergangstechnologie in eine emissionsfreie Zukunft" nötig.

Unterdessen sprach sich Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer im Hinblick auf den Diesel-Skandal für eine engere Zusammenarbeit von Politik und Wirtschaft aus. Je größer die Schwierigkeiten seien, die man mit einem anderen habe, desto mehr müsse man mit ihm reden. "Deshalb ist es falsch, wenn Umweltverbände fordern: Ihr dürft nicht mehr am selben Tisch sitzen", sagte Kramer der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Samstag.

Kramer verwahrte sich zugleich gegen den Vorwurf, es gebe eine Kumpanei zwischen Politik und Wirtschaft. Man müsse sich über staatliche Regelungen und unternehmerische Möglichkeiten eng abstimmen. "Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Forschung und Geldgeber sind in Deutschland eng vernetzt. Auch die Gewerkschaften gehören dazu", sagte er. "Und das muss auch so bleiben." Dieses Miteinander sei ein wesentlicher Faktor für den Erfolg der deutschen Wirtschaft.