Die Grünen lehnen „ein Bündnis mit einer CSU im AfD-Gewand“ ab


Die Grünen sind die Gewinner in den Umfragen zur bayerischen Landtagswahl im Oktober. Mit ihren Spitzenkandidaten Katharina Schulze und Ludwig Hartmann erreichen sie in Meinungsumfragen bis 16 Prozent und wären damit zweitstärkste Partei.

Die bayerischen Grünen seien die Gegenkraft zur immer weiter nach rechts rückenden CSU, sagte Hartmann dem Handelsblatt. Der Fraktionschef und Spitzenkandidat relativierte die Umfragen als „Momentaufnahme“, die aber ungeheuer motivierten. Durch eigene Themen, aber auch durch die Positionierung der CSU seien die Grünen „ins konservative Lager vorgedrungen“.

Ein bayerisches schwarz-grünes Bündnis ist derzeit dennoch so gut wie ausgeschlossen. Die Partei sei bereit, Regierungsverantwortung zu übernehmen, „aber dafür brauchen wir auch einen Partner, der sich verantwortungsvoll verhält“, so Hartmann. „Mit einer CSU, die im AfD-Gewand durch Bayern läuft und eine europafeindliche Politik betreibt, wird es kein Bündnis geben. Da müssen sich erst die proeuropäischen Kräfte wieder durchsetzen.“

Noch nie zweistellig

Die bayerischen Grünen waren 1986 erstmals in den bayerischen Landtag eingezogen. 2008 gelang ihnen mit 9,4 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis. Bei der letzten Landtagswahl 2013 verbuchten sie 8,6 Prozent. Zweistellig waren sie noch nie.


Nach Meinung von Berliner Grünen kommt die Mischung aus radikal und staatstragend gut bei den Wählern an. Sie sei keine Konservative, sagt die 33-jährige Schulze selbst. Es gebe aber eine Seite am politischen Konservatismus, die sie sehr schätze: „das ist seine nüchterne, pragmatische Art, mit Dingen umzugehen, seine Verlässlichkeit und Berechenbarkeit“. All das stehe jedoch in Deutschland und erst recht in Bayern derzeit am Scheideweg.

Schulze kann eigener Aussage zufolge „die Klappe nicht halten“ – und auch Hartmann ist ein unermüdlicher Redner. Eines der Themen, auf das die Grünen setzen, ist der sogenannte Flächenfraß. Einen Kontrapunkt gegen immer neuen Beton durch Discounter oder Umgehungsstraßen in der bayerischen Landschaft zu setzen, das treibt selbst eingefleischte CSUler zu den Grünen.