Grünen-Geschäftsführer: FDP ist kurz vor Einigung "fluchtartig rausgerannt"

Grünen-Geschäftsführer Kellner

Die FDP hat nach Angaben der Grünen die Jamaika-Gespräche in dem Moment platzen lassen, als eine Einigung unmittelbar bevorstand. "Es wäre kurz vor einer Entscheidung gewesen und kurz zuvor ist die FDP weggerannt", sagte Grünen-Geschäftsführer Michael Kellner am Montag im ZDF-"Morgenmagazin". "Sie haben sich ihre Jacken gepackt und sind fluchtartig rausgerannt." Die FDP hatte um Mitternacht überraschend den Abbruch der Sondierungsgespräche verkündet.

Zuvor hätten sich die Verhandlungsführer noch einmal getroffen, dabei habe es Signale der CSU gegeben, sich auch bei der Flüchtlingspolitik und dem Familiennachzug nochmal zu bewegen. Auch ein "substanzielles Angebot" zur Klimakrise habe auf dem Tisch gelegen. "Dann hat die FDP vielleicht gedacht, jetzt einigen sie sich doch noch und dann ist sie davongestürmt", sagte Kellner.

Er habe schon den Eindruck, dass es ein "Rausstehlen aus der Verantwortung" war. "Wenn es mal Bewegung auf Seiten der CSU gab, dann ist die FDP in die Bresche gesprungen und hat die Fahne der CSU hochgehalten", sagte Kellner.

Jetzt seien erst einmal Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gefordert. Dann könne es eine Minderheitsregierung oder Neuwahlen geben. "Das Ganze wird eine ganze Weile dauern", sagte Kellner. "Ich glaube, dass es am Ende des Tages auf Neuwahlen hinausläuft." Zwar machten ihm als Wahlkampfleiter der Grünen Wahlkämpfe Spaß, "aber ich brauche das nicht am Anfang des Jahres erneut wieder".