Grüne wollen Corona-Warn-App für bessere Kontaktnachverfolgung aufrüsten

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Corona bringt die Gesundheitsämter an die Belastungsgrenze. Die Grünen wollen deshalb die Ermittlung von Corona-Kontakten über die Warn-App verbessern.

Die App ist inzwischen über 21 Millionen Mal heruntergeladen worden. Foto: dpa
Die App ist inzwischen über 21 Millionen Mal heruntergeladen worden. Foto: dpa

Die Grünen fordern angesichts der Überlastung von Gesundheitsämtern wegen der hohen Zahlen von Corona-Infektionen, die Corona-Warn-App für die Clusternachverfolgung technisch aufzurüsten. Bei der Corona-Bekämpfung spiele die Erkennung von Clustern, in denen besonders viele Menschen zusammenkommen, eine immer wichtigere Rolle. „Diese können aber allein auf der Basis der Abstandsmessung zwischen einzelnen Geräten bisher von der App nicht erfasst werden“, sagte Fraktionsvize Konstantin von Notz dem Handelsblatt.

Hier bestehe großer Handlungsbedarf. „Ich schlage deshalb die Erweiterung der Corona-Warn-App um eine manuelle Funktion zum Erfassen von Zusammenkünften mehrerer Personen vor, zum Beispiel zu Hause, im Restaurant oder im beruflichen Meeting.“

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Dass Gesundheitsämter verstärkt solche Cluster aufspüren und verfolgen, statt sich auf Einzelkontakte zu fokussieren, hatte der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité schon im Sommer vorgeschlagen. Nur so ließen sich angesichts in die Höhe schnellender Fallzahlen Infektionsketten noch nachverfolgen.

Auch der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach favorisiert diese Form der Viruseindämmung. „Die Kontaktnachverfolgung steht kurz vor dem Kollaps“, sagte Lauterbach kürzlich der „Süddeutschen Zeitung“. Die Einzelkontakte zu verfolgen mache daher keinen Sinn mehr. Vielmehr sollten Gesundheitsämter nach den Quellclustern von Infektionen suchen – also jener Gruppe von Menschen, die sich bei derselben Gelegenheit angesteckt haben. Diese Menschen müssten dann unverzüglich isoliert werden.

Schon länger hat sich abgezeichnet, dass Gesundheitsämter die steigenden Corona-Infektionszahlen nicht mehr bewältigt bekommen. Sie könnten in einer ganzen Reihe von Städten nicht leisten, was anzustreben sei, sagte kürzlich Regierungssprecher Steffen Seibert. Sie könnten also nicht in jedem Fall die Kontakte der Betroffenen nachvollziehen.

Neuinfektionen auf Rekordhoch

Laut dem Bundesgesundheitsministerium liegen dem Robert Koch-Institut (RKI) derzeit 41 Mitteilungen zu Kapazitätsengpässen in Gesundheitsämtern in Landkreisen beziehungsweise kreisfreien Städten vor. Sieben Meldungen betreffen demnach die Kategorie zwei.

Dies bedeutet, dass die Durchführung der Infektionsschutzmaßnahmen in den nächsten Tagen nicht mehr sichergestellt werden kann. 34 Meldungen betreffen die Kategorie drei, nach der Infektionsschutzmaßnahmen aufgrund von Kapazitätsengpässen nicht mehr vollständig durchgeführt werden können. Seit Beginn der Erfassung am 30. April 2020 sind den Ministeriumsangaben zufolge am RKI insgesamt 61 Mitteilungen zu Kapazitätsengpässen in Landkreisen und kreisfreien Städten eingegangen.

Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI innerhalb von 24 Stunden 19.990 Corona-Neuinfektionen. Insgesamt haben sich seit Beginn der Pandemie damit nachgewiesenermaßen 597.583 mit dem Virus infiziert. Die Zahl der Personen, die infolge oder mit dem Coronavirus starben, stieg um 118 auf insgesamt 10.930.

Die Corona-Warn-App erweist sich in dieser Lage bislang nicht als große Hilfe. Die App ist inzwischen zwar über 21 Millionen Mal heruntergeladen worden. Doch es teilt immer noch nur eine überschaubare Zahl an Nutzern ihr positives Testergebnis.

Merkel sieht noch „große Aufgabe“ für App-Nutzer

2,57 Millionen Testergebnisse seien über die App bereits übermittelt worden, 38.000 Nutzer hätten ihre positiven Testergebnisse dann weitervermittelt, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kürzlich. „Leider sind wir allerdings bislang nur bei 60 Prozent der positiv Getesteten, die ihre Kontakte auch weitergeben, da liegt noch eine große Aufgabe.“ Sie wolle Menschen ermutigen, Kontaktpersonen zu informieren.

Statt auf das freiwillige Zutun der Nutzer zu setzen, könnte die App auch technisch so weiterentwickelt werden, dass die Kontaktnachverfolgung effektiver vonstattenginge. Nach den Plänen der Grünen kann für die Clustererkennung per App ein QR-Code verwendet werden, der von einem Teilnehmenden erzeugt werde oder auch statisch beispielsweise für ein Restaurant gelte.

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„Mit diesem Code bekomme ich einen Schlüssel, der für die Dauer der angesetzten Zusammenkunft oder für einen vorher festgelegten Zeitraum gilt“, erläuterte Fraktionsvize von Notz. Melde sich eine Teilnehmerin oder ein Teilnehmer der Zusammenkunft als positiv getestet, würden über diesen Schlüssel alle anderen informiert.

„Dies würde die Information über die konkrete Gefahr für die Menschen spürbar vereinfachen und zusätzlich die Gesundheitsämter bei der Nachverfolgung entlasten“, ist der Grünen-Politiker überzeugt. Auch der derzeit unter den geltenden Corona-Auflagen leidenden Gastronomie-, Kultur- und Veranstaltungsbranche käme die Clustererkennung entgegen. Die Bundesregierung solle daher diese Möglichkeit einer zusätzlichen Funktion für die App „intensiv“ prüfen und diese „schnellstmöglich“ umsetzen.