Erste Eheschließungen gleichgeschlechtlicher Paare in Deutschland

Die Grünen haben die ersten Trauungen von gleichgeschlechtlichen Paaren als "historischen Tag für unsere Gesellschaft und für unsere Werte" bezeichnet. Nach Inkrafttreten des Gesetzes zur Ehe für alle heiratete in Berlin das erste schwule Paar

Historischer Tag für Schwule und Lesben: Erstmals haben in Deutschland gleichgeschlechtliche Paare geheiratet. Direkt zum Inkrafttreten des Gesetzes zur Ehe für alle am Sonntag öffneten einige Rathäuser für Trauungen. In Berlin gaben sich am Morgen als erstes schwules Paar Bodo Mende und Karl Kreile im Rathaus Schöneberg unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit das Jawort. Auch in Hamburg heirateten mehrere Paare.

Auf dem Tisch im Rathaus Schönberg stand die Regenbogenfahne, als der 60-jährige Mende und der 59 Jahre alte Kreile die Ehe schlossen. Sie hatten bereits seit Jahren in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft zusammengelebt. Unter dem Applaus zahlreicher Freunde und Mitstreiter gaben sie sich nun das Jawort und schnitten noch vor Ort die Hochzeitstorte mit der Aufschrift "Ehe für alle" an. Zu der Trauung hatte auch der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg eingeladen.

In Hamburg wurden nach Angaben der Stadt acht lesbische und sieben schwule Paare getraut. Der Senat der Hansestadt lud danach zu einem Empfang im großen Festsaal des Rathauses. "Heute ist ein historischer Tag - endlich können Lesben und Schwule auch in Deutschland heiraten", erklärte Gleichstellungssenatorin Katharina Fegebank (Grüne). Mit der Ehe für alle werde niemandem etwas genommen, aber vielen etwas gegeben.

Der Bundestag hatte im Juni die historische Gesetzesänderung beschlossen. Schwule und Lesben konnten bislang nur eingetragene Lebenspartnerschaften eingehen. Die Gesetzesänderung bedeutet die volle Gleichstellung in der Ehe, etwa auch bei der Adoption von Kindern. Partnerschaften können zudem in Ehen umgewandelt werden.

Nach einer leidenschaftlichen Debatte stimmten im Sommer die Parlamentarier von SPD, Grünen und Linken, aber auch 75 Unionsabgeordnete für das Gesetz. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) votierte mit Nein. Dabei hatte sie die Abstimmung überhaupt erst möglich gemacht. Bei einer Veranstaltung antwortete sie wenige Tage vorher auf eine Publikumsfrage, dass sie die Diskussion um die Homoehe "eher in Richtung einer Gewissensentscheidung" führen wolle. Die SPD nutzte diese Vorlage und brachte den Änderungsantrag zusammen mit der Opposition ins Parlament ein.

Die Grünen sprachen nun anlässlich der ersten Trauungen von gleichgeschlechtlichen Paaren in Deutschland von einem "historischen Tag für unsere Gesellschaft und für unsere Werte". Es sei "die Krönung eines langen Kampfs für gleiche Rechte für alle und für die freie Entfaltung der Persönlichkeit", erklärten die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter.

Der Grünen-Abgeordnete Volker Beck, der zu den entschiedensten Kämpfern für die Gleichstellung zählte, sprach von einem "Sieg der Gerechtigkeit über das Vorurteil". Deutschland sei "ein wenig inklusiver und demokratischer geworden".

Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) begrüßte das in der Union bis zuletzt umstrittene Gesetz. "Vielfalt gehört zu einer freien Gesellschaft dazu", sagte Günther den "Lübecker Nachrichten" vom Sonntag. Dieser Bewusstseinswandel sei kein Wertewandel. "Wer heiraten will, folgt einem zutiefst traditionellen Wertebild", zeigte sich der CDU-Politiker überzeugt.