Grüne und Linke drängen Bundesregierung zu Aussöhnung mit Herero

Grüne und Linke haben die Bundesregierung aufgefordert, die Aussöhnung mit den namibianischen Volksgruppen Herero und Nama endlich voranzubringen. In diesem Zusammenhang müssten besonders die Verbrechen der einstigen Kolonialmacht Deutschland im damaligen Südwest-Afrika klar als Völkermord anerkannt werden, verlangte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter am Sonntag im ZDF. Deutschland verhandelt seit Jahren mit dem heutigen Namibia vergeblich über eine gemeinsame Versöhnungserklärung.

"Ich finde es sehr beschämend, dass die Bundesrepublik immer noch nicht in der Lage ist, sich bei den Herero und Nama zu entschuldigen", sagte dazu Hofreiter. Auch Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch kritisierte im ZDF: "Deutschland hätte sich längst zu seiner Verantwortung bekennen müssen." Es sei unglaubwürdig, etwa über den Völkermord an den Armeniern im früheren Osmanischen Reich zu sprechen, "wenn man dann nicht zu seiner eigenen Geschichte steht".

Zwischen 1904 und 1908 waren unter der deutschen Kolonialherrschaft zehntausende Herero und Nama auf dem Gebiet des heutigen Namibia getötet worden. Auch führende deutsche Regierungspolitiker haben dies wiederholt öffentlich als Völkermord eingestuft, allerdings zögert die Bundesregierung, dies in einem zwischenstaatlichen Dokument festzuschreiben. Hintergrund sind befürchtete Reparationsansprüche, die daraus abgeleitet werden könnten. Eine Erklärung ohne eine Anerkennung der Verbrechen als Völkermord und eine offizielle Entschuldigung dafür will aber die namibianische Seite nicht akzeptieren.

Kompliziert sind die Verhandlungen auch deswegen, weil die namibianische Regierung von der Mehrheitsvolksgruppe der Ovambo geprägt wird. Daher fühlen sich heutige Herero und Nama ihre Interessen in den Verhandlungen nur unzureichend vertreten. Nachfahren der damaligen Opfer reichten ihrerseits Sammelklagen in den USA ein, über die vor einem Gericht in New York verhandelt wird.