Gründer Rickmers bleibt an Bord

Trotz der Pleite seiner Großreederei bleibt Bertram Rickmers der Seefahrtsbranche erhalten. Das Kerngeschäft der insolventen Holding übernimmt eine Firmengruppe, an der Rickmers beteiligt ist.


Bertram Rickmers, 65, Alleingesellschafter des seit drei Monaten insolventen Hamburger Charterreeders Rickmers Holding AG, kauft im Verein mit einem Bremer Geschäftspartner das Kerngeschäft seiner Firma zurück. So stimmte der Gläubigerausschuss zu, die Schiffsmanagement-Aktivitäten der Gruppe an die Zeaborn-Gruppe zu übergeben, hinter der der Bremer Bauunternehmer Kurt Zech steht.

Bereits vor der Insolvenz hatte Rickmers dem Geschäftspartner das Linienreederei-Geschäft und später fünf Frachter verkauft, um im Gegenzug zum Minderheitsgesellschafter bei Zearborn aufzusteigen. Der nun für das Schiffsmanagement vereinbarte Kaufpreis liegt den Angaben zufolge im zweistelligen Millionenbereich.

Im Paket nicht enthalten sind die zuletzt 27 eigenen Schiffe der Rickmers-Reederei. Doch auch die restlichen Aktivitäten der Rickmers Holding will Zeaborn im Wege eines Insolvenzplans übernehmen. Gleichzeitig wurde am 5. September vom Amtsgericht Hamburg das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Rickmers Holding eröffnet, wobei die Sanierung weiterhin in Eigenverwaltung geschehen soll.

Den Vorstand hat die Holding bereits umgebaut. Firmenchef Ignace Van Meenen verließ das Unternehmen nach dem Insolvenzantrag und machte Platz für Frank Bünte. Der „Chief Risk Officer“ (CRO) arbeitete bis 2010 für die HSH Nordbank, dem größten Kreditgläubiger von Rickmers.


Die HSH hatte Ende Mai bei der Reederei die Notbremse gezogen und einen Sanierungsplan verworfen, bei dem Bertram Rickmers auf 75 Prozent seiner Anteile verzichten wollte. Durch das Aus für das Sanierungskonzept dürfte für die 275 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe nur noch wenig Hoffnung bestehen.

Dem Schuldenberg von rund 1,5 Milliarden Dollar steht nach Berechnungen von Vessels Value ein Schiffsvermögen von gerade einmal 740 Millionen Dollar gegenüber. Dennoch kletterte der Kurs der Anleihe nach Bekanntgabe des Verkaufs um 21 Prozent auf drei Prozent des Nominalwerts.

Das jetzige Management bleibt im nun eröffneten Verfahren eigenverantwortlich an der Unternehmensspitze, wird jedoch weiterhin unterstützt von Christoph Morgen. Der Rechtsanwalt der Sozietät Brinkmann & Partner dient dort als „Chief Insolvency Officer“. Überwacht wird das Verfahren von Jens-Sören Schröder aus der Sozietät Johlke Niethammer & Partner. Ihn hatte das Amtsgericht beim Insolvenzantrag zum Sachwalter bestellt.


Mit dem Teilverkauf, der noch von der Gläubigerversammlung und den Kartellbehörden zu genehmigen ist, bleibt Bertram Rickmers dem Reedereigeschäft erhalten. Der bisherige Alleininhaber der Hamburger Rickmers Holding, die 114 Frachtschiffe samt Crew an Liniendienste wie Hapag-Lloyd oder Maersk vermietet, ist in fünfter Generation Nachfahre einer Reederei- und Schiffsbauerfamilie, die einst von Helgoland nach Bremerhaven übersiedelte.

Dem Konzern, der noch vor zwei Jahren einen Börsengang prüfte, wurde die seit Jahren andauernde Krise in der Containerseefahrt zum Verhängnis. Bedingt durch die hohen Überkapazitäten auf See sackten die Charterraten in ungeahnte Tiefen. Am Ende reichten sie nicht mehr aus, die Kreditverpflichtungen zu bedienen.

Bereits vor der Insolvenz hatte Rickmers dem Geschäftspartner das Linienreederei-Geschäft und später fünf Frachter verkauft, um im Gegenzug zum Minderheitsgesellschafter bei Zearborn aufzusteigen. Der nun für das Schiffsmanagement vereinbarte Kaufpreis liegt den Angaben zufolge im zweistelligen Millionenbereich.



KONTEXT

Die Lage der Container-Schifffahrt

Fusionen

Die drei großen japanischen Containerreedereien Nippon Yusen Kaisha (NYK), Mitsui OSK Lines (MOL) und Kawasaki Kisen Kaisha (K-Lines) treten ab April 2018 unter einem neuen Namen gemeinsam an. Zusammengeführt hat die japanischen Reedereien Not und nackte Angst. Sie hatten riesige Verluste angehäuft und Angst vor der endgültigen Pleite. Zuvor hatten sich bereits die chinesischen Reedereien Cosco und China Shipping Container Lines vereinigt, die französische Reederei CMA CGM hatte APL aus Singapur übernommen, und die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd hatte sich erst die Containersparte der chilenischen CSAV einverleibt und dann die arabische UASC.

Pleite

Die Rettungsbemühungen für Hanjin laufen zwar noch, aber als globale Reederei sind die Koreaner seit ihrer Pleite im August aus dem Spiel. Niemand wird nach diesen Erfahrungen einer wackeligen Reederei noch einen Container anvertrauen. Zehntausende von Containern kamen verspätet an, mussten teuer bei den Terminals ausgelöst werden oder waren am Ende ganz wertlos, weil sie Saisonware enthielten. Die Schäden bei Kunden, Banken, Versicherungen und Lieferanten sind noch nicht übersehbar

Frachtraten

Die Frachtraten sind seit Jahren wegen der Überkapazitäten und des schwachen Wachstums des Welthandels im Keller. Auch die Fusionen konnten sie noch nicht stabilisieren. "Wir haben nicht zu viele Reedereien, sondern zu viele Schiffe", sagte der Hamburger Schifffahrtsexperte Prof. Ulrich Malchow im November. Die Insolvenz von Hanjin habe nur kurzzeitig Erholung gebracht.

Weltlage

Zuletzt gab es weltweit noch zwei Länder, in denen mehr als eine große Reederei ihren Sitz hat: Taiwan und Deutschland. Mit dem Oetker-Verkauf von Hamburg Süd nach Dänemark ist das Geschichte.