Die Gründe für die Mercedes-Krise

Ljubo Herceg
Lewis Hamilton in der Krise - die größten Schwachstellen bei Mercedes

Während die internationale Presse Sebastian Vettel und Ferrari für ihre weltmeisterliche Vorstellung in Bahrain und den Auftaktsieg in Australien abfeiert, hat Mercedes um Weltmeister Lewis Hamilton und Valtteri Bottas die Souveränität der vergangenen Jahre verloren.

Die zwei Podestplätze des britischen Weltmeisters fühlen sich vielmehr wie Niederlagen an.

SPORT1 erklärt, warum Mercedes in der Krise steckt und der Druck vor Schanghai immer größer wird.

Nebenkriegsschauplätze bei Hamilton

Bottas kostete Hamilton schon im Qualifying eine Position. Dabei hätte es für den Finnen gar keinen Unterschied gemacht, ob er die Qualifikation als Dritter oder hinter Hamilton als Vierter beendet hätte. Denn durch die Strafe gegen den Briten wäre er sowieso von Platz drei aus gestartet. (Die Stimmen zum Rennen)

Für Hamilton aber verschlechterte sich damit die ohnehin schwere Ausgangslage noch weiter. Statt auf den achten Startplatz zurückgestuft zu werden, verlor er noch eine weitere Position.

Im Rennen kam es dann auch noch zur Kollision mit Max Verstappen, den er danach als "Schwachkopf" bezeichnete. Genau wie seine ausstehende Vertragsverlängerung sind das gleich drei Nebenkriegsschauplätze. Zu viele für den Weltmeister im Duell mit Vettel.


Mercedes verliert Souveränität

Während der vergangenen vier Jahre gab es an den Silberfeilen kein Vorbeikommen. Nico Rosberg wurde 2016 Weltmeister – Hamilton gar dreimal: 2014, 2015 und 2017. Doch die Dominanz der letzten Jahre ist dahin. Ferrari ist näher an Mercedes dran, als erwartet.

In Bahrain war Toto Wolff nach dem späten Boxenstopp von Hamilton außerdem zu siegessicher: "In diesem Moment würde ich sagen, lag die Wahrscheinlichkeit bei 90 Prozent, dass wir das Rennen gewinnen würden", gestand der Motorsportchef von Mercedes. (SERVICE: Das Renn-Ergebnis)

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Es gab drei gute Gründe für diese Annahme: Erstens verlor Vettel im Hamilton-Verkehr gut zwei Sekunden und zweitens rechnete Wolff mit einer Zwei-Stopp-Strategie der beiden Ferrari-Piloten. Weit gefehlt!

Ferrari gewinnt Strategie-Schlacht

Und drittens schaffte es bis Bahrain noch keiner mit den Softreifen mehr als 30 Runden zu drehen. Bis Vettel kam, es riskierte und siegte.

Die siegreiche Scuderia belehrte Mercedes eines Besseren, denn die Pirelli-Pneus flogen Vettel nicht wie erwartet um die Ohren. Der "Reifenflüsterer" aus Heppenheim schonte seine Reifen besser als Bottas und teilte sich "die Energie so ein", dass er "auf der Geraden vollen Boost hatte."

Zudem bewies Ferrari mit dem Wechsel von der Zwei- auf Ein-Stopp-Strategie bei Vettel viel Mut und wurde dafür mit dem zweiten Saisonsieg in Serie belohnt.


Bottas fehlt der Punch eines Hamilton

Ganz im Gegensatz zu Verfolger Bottas, der viel zu konservativ hinter dem viermaligen Weltmeister herfuhr. "Ein Rennen so knapp zu verlieren, ist ärgerlich", sagte der Mercedes-Motorsportchef und ergänzte: "Es hat mich verärgert, weil ich glaube, es wäre mehr drinnen gewesen am Ende." (SERVICE: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Die Kritik zwischen den Zeilen dürfte an Bottas gerichtet sein, wie diese Aussage vermuten lässt: "Vielleicht hätte man ein bisschen mehr Gas geben können zwischendurch", so Wolff weiter.

Aber Bottas ist nicht Hamilton. Der Brite wäre wohl ein paar Runden früher im DRS-Fenster von Vettel gewesen als der Finne. Bottas zeigte sich aber nur zaghaft im Rückspiegel des führenden Ferrari.

Hamilton dagegen hätte Vettel mit seinen abbauenden Reifen voll attackiert und wohl auch geschnappt. Bottas fehlt jedoch der letzte Punch, wie ihn Vettel, Hamilton oder Ex-Weltmeister Fernando Alonso haben.


Schadensbegrenzung von Hamilton

Für Mercedes ist damit der Fehlstart in die Saison perfekt. Nachdem in Melbourne ein Technik-Fauxpas Hamiltons sicher geglaubten Sieg verhindert hatte, führten nun falsche Entscheidungen zur Niederlage gegen Vettel.

Hamilton holte mit dem dritten Platz in Bahrain immerhin das Maximum heraus, nachdem er wegen des Getriebewechsels an seinem Mercedes nur von Startposition neun ins Rennen gegangen war.

Während der Ferrari-Star aber nach zwei Rennen die Maximalausbeute von 50 Punkten auf dem Konto hat, ist der Druck auf die Silberpfeile nach dem Bahrain-GP weiter gestiegen. (SERVICE: Die Teamwertung)

Vor dem dritten Rennen der Saison am kommenden Wochenende in Schanghai liegt Hamilton schon 17 Zähler hinter Vettel zurück. Eine weitere Niederlage sollte er sich nicht mehr leisten.