Die Gründe für Bobic' Attacke auf den FC Bayern

Ljubo Herceg

Fredi Bobic saß ruhig da, seine Bewegungen waren minimal. Doch was er sagte, hatte maximale Wucht.

Wut war nicht zu hören in seiner Stimme. Es war vielmehr eine wohl überlegte Kritik, die Eintracht Frankfurts Sportvorstand an die Bosse des FC Bayern schickte.

Bobic warf den Münchner Verantwortlichen "respektloses" und "unprofessionelles" Verhalten vor. Bei allem, was die so unternommen hatten, um seinem Trainer einen Wechsel im Sommer schmackhaft zu machen.

Nicht mal Bescheid gesagt hatten sie ihm. Das störte Bobic am meisten. (Die Pressekonferenz mit Fredi Bobic und Niko Kovac zum Nachlesen).

SPORT1 erklärt die Gründe für Bobic' Attacke auf den FC Bayern.

- Bayern war nicht kollegial

Bobic kritisierte den Zeitpunkt, zu dem Kovac' Wechsel bekannt wurde: "Die Vorgehensweise der Bayern halte ich für extrem bedenklich. Die Bayern haben an sich gedacht und keine Sekunde an Eintracht Frankfurt."


Schon vor zwei Wochen sollen sich die Münchner Verantwortlichen mit dem neuen Trainer getroffen haben, schreibt die Süddeutsche Zeitung

Kovac selbst hat das bislang bestritten. Noch vor einer Woche hatte er bekräftigt, es gebe keinen Kontakt zu Bayern. Am Freitag dann gestand er: "Danach kam eine Dynamik in den Tag, was ich noch nie erlebt habe."

Es war wohl auch diese Entwicklung im Verborgenen, wegen der Bobic so verstimmt war.

- Sportliche Ziele geraten in Gefahr

Die Eintracht spielt die beste Saison seit 2012/13. Unter Trainer Armin Veh qualifizierte sich der damalige Aufsteiger überraschend für die UEFA Europa League.

In Leverkusen geht es am Samstag (ab 15 Uhr im LIVETICKER) gegen einen direkten Konkurrenten sogar um die Champions-League-Plätze. Und am kommenden Mittwoch steht das Halbfinale im DFB-Pokal gegen Schalke 04 an (ab 20.15 Uhr im LIVETICKER).

Da war Unruhe so ziemlich das Letzte, was die Eintracht gebrauchen konnte. Nachvollziehbar, dass Bobic die Ziele in der bislang sehr gut verlaufenen Saison gefährdet sieht. 

Wie die Mannschaft mit den Störgeräuschen klarkommt, werden die beiden richtungsweisenden Spiele zeigen, auch wenn Kovac betonte: "Es gibt keine Ausreden und Alibis."


- Kovac war der Erfolgsgarant

Die Eintracht trifft der angekündigte Abschied ihres Erfolgstrainers wie ein Schlag. "90 Prozent des Erfolges ist Niko Kovac", sagte Kevin-Prince Boateng kürzlich im Hessischen Rundfunk.

Der Trainer überzeugt in der Kommunikation mit seinen Spielern, die aus den unterschiedlichsten Ländern und Kulturen kommen.

"Er hat diese zusammengewürfelte Mannschaft zu einer Einheit geformt und dieses Wir-Gefühl erzeugt", sagte Boateng. "Er weiß, wann er draufhauen muss, wann er uns streicheln muss. Das macht er überragend."

Insbesondere bei Luka Jovic, Ante Rebic und Mijat Gacinovic bewirkt Kovac' Führungsstil Wunder. Unter ihm spielt das Trio groß auf. 

Und natürlich hat auch Bobic erkannt, welch positiven Einfluss sein Trainer auf die Mannschaft hat.

- Kovac hat neue Spieler angelockt

Diese Fähigkeit war bislang ein Trumpf im Werben um neue Spieler. Boateng ist das beste Beispiel dafür.

Der entschied sich im Sommer vor allem deshalb für die Eintracht, weil ihn mit Kovac ein Trainer erwartete, der bereit war, einen Problem-Profi wie ihn trotz seines angekratzten Rufes zum Leader der Mannschaft zu machen.

Sein Händchen für schwierige Spieler wird Kovac womöglich auch beim FC Bayern helfen. Der Eintracht nützt das herzlich wenig. Sie verliert einen wichtigen Anziehungsfaktor. 


- Trainersuche aus dem Nichts

Das wirkt sich unmittelbar auf die Planungen für die kommende Saison aus. 

Bobic ist quasi aus dem Nichts gezwungen, einen neuen Trainer zu finden. Vorher hat er kaum Argumente, potenzielle Neuzugänge von einem Wechsel zu überzeugen.

Dazu ist die sportliche Zukunft des Klubs noch zu vage. Welcher Spieler will schon bei einem Klub unterschreiben, bei dem er nicht weiß, wer ihn trainiert und in welchem europäischen Wettbewerb er antritt?

Ein Nachfolger für Kovac muss also her. Und zwar so schnell wie möglich. Bobic' Pressekonferenz war kaum vorbei, da machte bereits der Name Markus Weinzierl die Runde.

Zu dem Zeitpunkt hatte der Sportvorstand seine Suche wohl noch nicht einmal begonnen.