Der größte Held der Olympischen Spiele

Eric Böhm, Jonas Nohe
Akwasi Frimpong startet für Ghana im Skeleton

Es ist eine unglaubliche Geschichte.

Akwasi Frimpong hat wohl den schwierigsten Weg allter Athleten in Pyeongchang zu den Olympischen Spielen hinter sich.

Noch vor wenigen Jahren lebte der Ghanaer als illegaler Immigrant in den Niederlanden und freute sich zu Weihnachten schon über eine Cola.

15 Jahre später erfüllte sich mit den ersten beiden Läufen im Skeleton sein großer Traum

"Ich bin der Hase, der vor den Löwen seiner Vergangenheit flieht, um zu überleben", sagte Frimpong in Pyeongchang. Dieses Bild begleitet ihn – auch auf seinem Helm.

Frimpong flüchtet früh nach Holland

"Das ist in gewisser Weise mein Motto. Mein Coach sagt, der Löwe sind alle negativen und schlechten Menschen, alles schlimme, was mir passiert ist. Jetzt ist mir die Flucht aus seinem Maul gelungen", erklärt der 31-Jährige.

Schon in der Einzimmerwohnung in Ghanas zweitgrößter Stadt mit seinen neun Geschwistern träumte er davon, ein großer Athlet zu werden. (Medaillenspiegel der Olympischen Spiele) 

Auch deshalb folgte Frimpong seiner Mutter in die Niederlande. In einer Bücherei lieh er sich Bücher, um holländisch zu lernen. Schon früh zeigte er großes sportliches Talent, konnte aber an keinen internationalen Wettkämpfen teilnehmen, weil er illegal im Land war.


Cruyff fliegt für eine Ehre ein

2003 wurde er dennoch holländischer Juniorenmeister im 200-Meter-Lauf. "Nach gerade einmal 18 Monaten war ich der Beste des Landes und hatte meine erste Goldmedaille. Von da an wusste ich: nichts ist unmöglich", sagt Frimpong rückblickend der BBC.

So bekam er auch einen Platz im berühmten Johan Cruyff Institut in Amsterdam und konnte dort Kommunikation und Marketing neben dem Sport studieren.

Er wurde sogar zum internationalen Studenten des Jahres gewählt, weil er aber als illegaler Einwanderer nicht nach Barcelona fahren konnte, kam die Fußball-Legende Cruyff extra nach Amsterdam und überreichte ihm den Preis.


Olympia-Traum platzt wegen schwerer Verletzung

Als Leichtathlet wollte er es zu den Olympischen Spielen schaffen, doch dieser Traum platzte nach einer schweren Verletzung an Knöchel und Achillessehne.

Aufgrund seines Status' als illegaler Einwanderer konnte er keine professionelle ärztliche Betreuung in Anspruch nehmen.

Ein Physiotherapeut erfuhr schließlich von seiner Geschichte und behandelte ihn für einen Euro. Erst drei Jahre nach der Verletzung war wieder an Leistungssport zu denken.

Inzwischen bekam er zwar die dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung, schaffte es aber nicht zu den Spielen 2012 in London.  (Zeitplan der Olympischen Spiele)

Frau drängt ihn zum Skeleton

Kurzerhand sattelte Frimpong - inzwischen Student an der Universität von Utah - auf Bobfahren um. "Ich hatte zunächst Zweifel, aber dann fiel mir Cool Runnings ein. Ich dachte mir, 'wenn die Jamaikaner das können, krieg ich das auch hin'", erinnert sich Frimpong.

Allerdings schaffte er es als Bremser wieder hauchdünn nicht in den holländischen Bob für Sotschi 2014.

Aufgeben fehlt aber im Vokabular des resoluten Ghanaers. Er verkaufte stattdessen sein Auto und ging als Staubsauger-Verkäufer in Utah von Tür zu Tür.


Bei einem Tryout für Skeleton in Utah verliebte er sich sofort in den rasanten Sport.

"Erst wollte ich nicht noch einen dritten Sport anfangen und wieder enttäuscht werden, aber meine Frau hat mich angetrieben. Sie sagte, 'ich will nicht, dass du mit 99 Jahren immer noch über deinen Olympia-Traum rumjammerst, also tu es'", sagt Frimpong.

In Ghana ein Volksheld

Mit unglaublichem Ehrgeiz arbeitete er sich in nur zwei Jahren bis zum 15. Januar 2018 unter die Top 60 der Welt, um für sein Geburtsland zu Olympia zu kommen.

Nach den ersten beiden Läufen ist er 30.. Von 30 Startern, aber für seine Landsleute in Ghana ist er trotzdem ein großer Held. Dort nennen sie ihn nur "Ghana in 60 Sekunden".

Solch fantastische Geschichten schreibt nur Olympia.